GÖTTINGEN

Wir sind die Fridays for Future Ortsgruppe Göttingen und seit Dezember 2018 Teil der Bewegung.
Seitdem organisieren wir Streiks, Podiumsdiskussionen sowie Vernetzungs- und Infoveranstaltungen.

Ansonsten beschäftigen wir uns aktuell mit dem kommunalen Gasausstieg und planen den Klimastreik am 24.04.!

Wir freuen uns auf euch!

Unsere Forderungen zum Wärmeplan

Am 24. Februar hat die Stadtverwaltung den neuesten Klimabericht für die Stadt Göttingen vorgestellt. Das Ergebnis ist: Wir verfehlen alle Klimaziele deutlich, die CO2-Emissionen müssen in den kommenden Jahren viel schneller sinken. 42% der Göttinger Emissionen entstehen beim Heizen, hierbei werden Stand 2024 fast ausschließlich (94%) fossile und damit klimaschädliche Energieträger eingesetzt.[1]
Die Göttinger Wärmeversorgung hat damit drei große Probleme: Erstens ist sie klimaschädlich. Zweitens ist sie unzuverlässig: da die fossilen Energieträger importiert werden müssen, ist die Göttinger Wärmeversorgung abhängig von Staaten wie Russland, den USA und arabischen Ländern. Drittens werden die Preise für fossile Energieträger absehbar steigen und auch die Kosten für den Gasnetzbetrieb werden sich auf weniger Haushalte verteilen.[2]
Die Wärmeversorgung ist damit mittelfristig teuer. Dass auch bessere Heizungssysteme ohne weiteres möglich sind, zeigen uns andere Länder. In Finnland und Norwegen zum Beispiel wird bereits über die Hälfte der Gebäude mit Wärmepumpen beheizt, in beiden Ländern ist darüber hinaus der Anteil fossiler Energien am Strommix gering. Auch viele andere europäische Länder, unter anderem auch Dänemark, Österreich und Frankreich sind bei der Wärmewende schon sehr viel weiter.[3] Darüber hinaus gibt es bereits Leitfäden, wie die kommunale Wärmewende auch in Deutschland gelingen kann.[4]
Beim Klimaschutz geht es darum, dass auch die heute jungen Menschen und zukünftige Generationen gut leben können. Wir stehen in Göttingen in der Verantwortung, unseren Teil zu dieser großen und wichtigen Aufgabe beizutragen. Gerade jetzt, wenn die Bundesregierung die Wärmewende bremst, ist es umso wichtiger, dass Göttingen lokal handelt. Andere Städte zeigen bereits, wie es gehen kann. Wir haben verschiedene Ideen und Best-Practice-Beispiele zusammengetragen und so einen 8-Punkte-Plan für die Göttinger Wärmewende zusammengestellt.

Hintergrund: Wärmenetze machen aktuell 17% des Endenergiebedarfs in Göttingen aus. In der Wärmeplanung wird empfohlen, Wärmenetze und insbesondere das Fernwärmenetz der Stadtwerke Göttingen weiter auszubauen, konkrete Pläne existieren jedoch noch nicht. Eine Möglichkeit, die Investitionen in einen solchen Ausbau abzusichern, ist eine sogenannte Anschluss- und Benutzungspflicht. Diese würde bedeuten, dass sich Anwohner*innen ans Fernwärmenetz anschließen müssten, außer sie können bereits eine klimafreundlichere Heizung vorweisen.

Forderung: Die Bürger*innen müssen schnellstmöglich wissen, ob sie mit einem Fernwärmeanschluss rechnen können oder ob ihre Gebäude eine eigene klimaneutrale Heizung benötigen. Daher muss die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken zügig einen verbindlichen Plan aufstellen, wann welche der im Wärmeplan als potentiell geeignet eingestuften Gebiete an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Für neu angeschlossene Gebiete soll eine Anschluss- und Benutzungspflicht wie oben beschrieben eingesetzt und schnellstmöglich kommuniziert werden.

Vorbild: Die MVV Mannheim gibt auf ihrer Webseite gebäudespezifisch an, welcher Heizungstyp geeignet ist. Dies stellt allen Bürger*innen eine einfache und konkrete Planungsgrundlage für ihr Zuhause zur Verfügung.[5]

Hintergrund: Das Fernwärmenetz, das die Stadtwerke betreiben, wird vor allem mit Erdgas, Biogas und Biomasse versorgt. Der Wärmeplan geht davon aus, dass im Jahr 2040 circa 425 GWh Fernwärme benötigt werden, die darüber hinaus vollständig klimaneutral und lokal hergestellt werden sollen.

Forderung: Für ein klimaneutrales Fernwärmenetz brauchen wir einen konkreten Umsetzungs- und Finanzierungsplan, den Stadt und Stadtwerke nun gemeinsam erarbeiten müssen.

Vorbilder: Die Stadtwerke Flensburg haben bereits einen Plan in Kurzfassung veröffentlicht, wie die Fernwärmeerzeugung bis 2035 klimaneutral werden soll.[6] In der Kommunalen Wärmeplanung der Stadt Duisburg sind bereits eine Kostenschätzung für die Umstellung der Fernwärmeerzeugung und erste konkrete Maßnahmen enthalten.[7]

Hintergrund: Wärmespeicher können Schwankungen in der Wärmeerzeugung auffangen. Da einige erneuerbare Formen der Wärmeerzeugung (z.B. Abwärme, Solarthermie, Elektrodenkessel mit eigenen Windkraftanlagen) nicht konstant produzieren, sind sie für die Stabilität von Wärmenetzen sinnvoll. Darüber hinaus ist es möglich, im Sommer bereits Wärme, z.B. mit Solarthermie, für den Winter zu erzeugen und zu speichern.

Forderung: Wir fordern, Wärmespeicher als Teil des zukünftigen Wärmenetzes einzuplanen. Das bedeutet, dass Flächen, Energiezufuhr und Finanzierung festgelegt werden.

Vorbild: In Marstal (Dänemark) gibt es einen Erdbecken-Wärmespeicher, mit dem Wärme aus dem Sommer gespeichert wird. Damit können 1000 Menschen klimaneutral mit Wärme versorgt werden.[8]

Hintergrund: Wie im Wärmeplan dargestellt, wird das Göttinger Gasnetz ab 2040 voraussichtlich nicht mehr benötigt. Wenn Gaskund*innen nach und nach zu erneuerbar betriebenen Heizungen wechseln, verteilen sich die Kosten des Gasnetzes auf immer weniger Menschen. Das kann zu explosionsartig steigenden Netzentgelten führen.[9]

Rechtliche Situation: Bisher dürfen Gasnetzbetreiber Anschlüsse nicht proaktiv kündigen. Die EU-Gasbinnenmarktrichtlinie, die die EU-Länder bis August 2026 umsetzen müssen, schreibt vor, dass die EU-Länder genau dies Gasnetzbetreibern ermöglichen müssen. Gemäß Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll diese Richtlinie umgesetzt werden.[10]

Forderung: Um die Netzentgelte für die Kund*innen bezahlbar zu halten, muss das Gasnetz schrittweise und geplant stillgelegt werden. Damit können auch die Gebäudeeigentümer*innen frühzeitig planen, wann sie spätestens eine alternative Wärmeversorgung umgesetzt haben sollten. Daher fordern wir die Stadt und die Stadtwerke dazu auf, so einen Plan gemeinsam zu erarbeiten.

Vorbilder: In einigen Städten haben die Planungs- und Kommunikationsprozesse zur Gasnetzstilllegung bereits begonnen, dazu zählen Mannheim und Hannover.[11]

Hintergrund: Um den Energiebedarf zu senken, ist es sinnvoll, möglichst viele Gebäude energetisch zu sanieren. Daher unterstellt der Wärmeplan im Zielszenario eine steigende Sanierungsquote von 1,2% auf 2%.

Forderung: Die Stadt kann durch verschiedene Maßnahmen die Sanierung von Gebäuden fördern: Dazu zählen etwa die umfassende Sanierung der Gebäude in öffentlicher Hand, eine Fachkräfteoffensive in Zusammenarbeit mit der IHK, die finanzielle Förderung energetischer Sanierung und die Ermöglichung von seriellem Sanieren. Im Wärmeplan werden solche Maßnahmen genannt, es fehlen allerdings konkrete Pläne zur Umsetzung. Hier muss die Stadt umgehend nachbessern, da derart langfristige Projekte möglichst früh begonnen werden sollten.

Vorbilder: Frankfurt am Main hat seit einigen Jahren eine Sanierungsoffensive für öffentliche Gebäude gestartet und über mehrere Jahre ist die Finanzierung eingeplant. Parallel dazu hat die Stadt ein Förderprogramm (“Modernisierungsbonus”) aufgelegt, der zusätzlich zu Fördermitteln des Bundes und der EU benutzt werden kann.[12] Dass Energieberatung etwas bringt, zeigt die Kleinstadt Murg in Baden- Württemberg. Seit dem Beginn der Kampagne “Energiekaravane” hat sich dort die Sanierungsquote vervierfacht.[13]

Hintergrund: Eine Energiegenossenschaft ist ein Zusammenschluss von Personen und ggf. Institutionen, die gemeinsam Energieanlagen betreiben. Der Wärmeplan empfiehlt für Geismar, Grone, Groß Ellershausen und am Leineberg Nahwärmenetze, die genossenschaftliche betrieben werden könnten.

Forderung: Genossenschaften im Bereich Energie und Wärme erfordern ein hohes Maß an Expertise und Aufwand. Wir können nicht davon ausgehen, dass Ehrenamtliche bereit sind, das eigenständig und langfristig zu leisten. Deswegen fordern wir Stadt und Stadtwerke dazu auf, gemeinsam mit anderen wichtigen Akteur*innen wie lokalen Banken und interessierten Bürger*innen und Unternehmen, eine Nahwärmegenossenschaft zu gründen, die die empfohlenen Nahwärmeprojekte umsetzt.

Vorbild: Im Eschweger Stadtteil Oberhone wurde vor ca. einem Jahr eine Bürgergenossenschaft zur Umsetzung eines Nahwärmenetzes gegründet, bei welcher sich auch die Stadt mit mehreren Gebäuden beteiligt. Dies könnte als Vorbild für einzelne Stadtteile von Göttingen dienen.[14]

Hintergrund: Der Wärmeplan geht davon aus, dass 2040 etwa die Hälfte der Gebäude dezentral mit Strom beheizt werden. In diesen Fällen müssen sich die Hausbesitzer*innen selbst um eine nachhaltige Lösung kümmern. Die Stadt bietet bereits Beratung zu energetischer Sanierung [15] und zu effizienter Wohnraumnutzung [16] an.

Forderung: Die Stadt kann durch Informationsveranstaltungen und ein ausreichendes Angebot an Energieberatung Gebäudeeigentümer*innen wesentlich unterstützen, eine geeignete Lösung zu finden. Die Öffentlichkeitsarbeit kann auch in Zusammenarbeit mit diversen stadtgesellschaftlichen Gruppen und Vereinen gestaltet werden. Wir begrüßen, dass der Wärmeplan mit den Maßnahmen (KOM-3 und KOM-15) eine Ausweitung des Angebots empfiehlt. Wir fordern, dass auch die effiziente Wohnraumnutzung explizit mitgedacht wird.

Vorbild: Die Stadt Kiel bietet individuelle Beratung zur kommunalen Wärmeplanung an. Darüber hinaus informiert die Stadt auf ihrer Webseite umfassend über die Möglichkeiten und bietet Video-Aufzeichnungen von Erfahrungsberichten an.[17]

Hintergrund: Vermieter*innen entscheiden über das Heizungssystem, Mieter*innen zahlen am Ende die Nebenkosten. Da Gas- und Ölheizungen mittelfristig sehr teuer werden, [18] tragen somit alle hier aufgeführten Maßnahmen zur sozialen Verträglichkeit bei.

Forderung: Es ist wichtig, Hausbesitzer*innen und insbesondere Mieter*innen in Härtefällen bei der Umstellung ihrer Heizungen finanziell zu unterstützen. Wir fordern die Stadt auf, hierfür ein Konzept zu entwickeln und anschließend alle Bürger*innen ausführlich darüber zu informieren. Wir sprechen uns außerdem dafür aus, das Förderprogramm “Nachhaltig Sanieren und Heizen” wieder aufzunehmen.

Konkrete Maßnahmen: Das Öko-Institut Freiburg hat auf Basis der kommunalen Wärmeplanung in Bonn verschiedene kommunale Möglichkeiten zur sozialen Gestaltung der Wärmewende zusammengetragen und diskutiert.[19]

Mit der Wärmeplanung geht Göttingen einen wichtigen Schritt hin zu einer klimaneutralen Stadt. Doch für das Ziel einer zuverlässigen, bezahlbaren und klimagerechten Wärmeerzeugung sind noch viele weitere Schritte zu gehen. Mit diesem 8-Punkte-Plan machen wir einen Vorschlag, wie der Beitrag von Stadt und Stadtwerken aussehen könnte. Uns ist selbstverständlich bewusst, dass öffentliche Hand, Wirtschaft und Bürger*innen die Wärmewende gemeinsam gestalten müssen, damit sie gut gelingt. Wir fordern die Stadt Göttingen auf, ihren Beitrag zur Wärmewende entschlossen anzugehen und so eine zukunftsfähige Wärmeversorgung allen Göttinger*innen zu ermöglichen!

BUND Kreisgruppe Göttingen
NABU Hochschulgruppe Göttingen
AStA Uni Göttingen
Greenpeace Göttingen
Health for Future
Psychologists for Future Regionalgruppe Göttingen
Students for Future Göttingen

[1] Vgl. Klimabericht der Stadt Göttingen 2024. Kurzfassung, S. 3.
[2] Vgl. https://gaskostenfalle.de/gaskostenfalle/ (04.03.2026).
[3] Vgl. https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2025/Fokus-Nr.-487-Februar-2025-Waermepumpen.pdf (25.02.2026).
[4] Beispielsweise hat der BUND die Broschüre “Wärmewende gestalten” veröffentlicht https://www.bund-goettingen.de/faqs/waermewende/ (04.03.2026).
[5] https://www.mvv.de/waerme/fernwaerme (26.02.2026).
[6] https://www.stadtwerke-flensburg.de/fileadmin/user_upload/PDFs/1.3_Foerdepost/Expertengremium_Trafoplan.pdf (26.02.2026).
[7] https://du-heizt.de/du-heizt/ (26.02.2026).
[8] Vgl. https://www.dw.com/de/sommerw%C3%A4rme-f%C3%BCr-den-winter-welche-speicher-gibt-es/a-68778377 (04.03.2026); https://www.saisonalspeicher.de/ (04.03.2026).
[9] Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts lassen sich durch eine frühzeitige Planung der Gasnetzstilllegung bundesweit etwa 2,6 Mrd. € an Steuergeldern sparen, vgl. https://umweltinstitut.org/wp-content/uploads/2025/12/251208_Briefing_Gasnetzstudie.pdf (26.02.2026).
[10] EU-Gasbinnenmarktrichtlinie (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ:L_202401788, 26.02.2026), Absatz 88; CDU / CSU / SPD: Verantwortung für Deutschland. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, Z. 1136f.
[11] Vgl. https://umweltinstitut.org/energie-und-klima/gasausstieg/gasverteilnetze-in-der-kommunalen-waermewende/ (26.02.2026).
[12] Vgl. https://www.fr.de/frankfurt/klimaschutz-die-sanierung-von-staedtischen-gebaeuden-kostet-etwa-milliarden-euro-93254457.html (04.03.2026); https://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/modernisierungsprogramm_9698.html (04.03.2026).
[13] Vgl. https://www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/wissensportal/best-practice/murg (04.03.2026).
[14] Vgl. https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/eschwege-ort28660/nahwaerme-oberhone-baustart-fuer-heizzentrale-wohl-2026-93770915.html (04.03.2026); https://www.werra-rundschau.de/eschwege/nahwaermenetz-auf-der-zielgeraden-oberhone-energie-nachhaltigkeit-eschwege-werra-meissner-93296196.html (04.03.2026).
[15] https://energieagentur-goettingen.de/energieberatungen/ (06.03.2026).
[16] https://www.goettingen.de/portal/seiten/wohnraumagentur-900000208-25480.html (06.03.2026).
[17] Vgl. https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/klimaschutz/verwaltung_klimaschutz_projekte/kommunale_waermeplanung_in_kiel.php (26.02.2026); https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/klimaschutz/verwaltung_klimaschutz_projekte/praxistipps_waermewende_fuer_die_eigene_immobilie.php (26.02.2026).
[18] Vor allem die Netzentgelte werden deutlich steigen, (bis zu 3000€ jährlich pro Haushalt, vgl. https://umweltinstitut.org/wp-content/uploads/2025/12/251208_Briefing_Gasnetzstudie.pdf, 26.02.2026).
[19] https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Stadt-Bonn_Bericht_Waermeplanung.pdf (04.03.2026).

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In geraden Kalenderwochen am Freitag um 18:00 Uhr.
In ungeraden Kalenderwochen am Mittwoch um 18:30 Uhr.


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