Der Danni, die Grünen und das Klima – Wochen 47/48

Ein Jahr 29.11, verheerende Rodungen im Danni und #BlockFriday – das und alle anderen Klimarelevanten Themen fassen euch Nikah und Nils in unserem Klimaupdate zusammen!

Klimakippunkte in Asien bereits erreicht?

In der Klimawissenschaft spielen sogenannte Kipppunkte eine große Rolle. Wenn ein Kipppunkt erst einmal erreicht ist, lässt sich die daraus folgende Entwicklung nicht mehr aufhalten. Nach diesem Prinzip ist das 1,5 Grad Ziel aufgebaut. Ziel ist es, keine Kipppunkte mit verheerenden Folgen zu erreichen. In Zentralasien scheint nun einer dieser nicht rückführbaren Kipppunkte erreicht zu sein.

Peng Zhang von der Universität Chonnam in Südkorea und von der Universität Göteborg in Schweden und seine Kollegen vermuten, dass Dürreperioden und Hitzewellen nun dauerhaft das Klima in Zentralasien prägen werden. Zu diesem Ergebnis sind sie durch die Analyse von Jahresringen von Lärchen, Fichten und Kiefern in der Region gekommen. Anhand von diesen konnten sie die sommerlichen Temperaturen und die Bodenfeuchtigkeit der letzten 260 Jahre rekonstruieren. Die Forscher sind auf zwei auffällige Entwicklungen in der Vergangenheit gestoßen. Hitzewellen im Sommer sind seit den 1990er Jahren häufiger und die Feuchtigkeit der Böden nimmt seit der Jahrtausendwende sehr stark ab. In den vergangenen 260 Jahren war die Bodenfeuchte nie so niedrig und genau diese Entwicklung könnte sich selbst verstärken: Die Bäume steigern die Trockenheit der Böden, da sie ihnen in trockenen Jahren weiterhin Wasser entziehen. Die Temperatur wiederum steigt mit zunehmender Bodentrockenheit. 

Die Forscher vermuten, dass dieser Kipppunkt, welcher Hitzewellen und Dürreperioden mit sich bringt, bereits überschritten ist. „Wenn man sicher sein will, dass ein Kipppunkt bereits überschritten ist, sollte man solche Kombinationen aus Hitzewellen und Dürreperioden allerdings viel länger als zwei Jahrzehnte beobachten“, gibt der Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zu bedenken.

In der Geschichte wurden schon verheerende Kipppunkte erreicht, was z.B. die Savanne, welche heute als Dauerwüste bekannt ist und früher mehrere Jahrtausende eine grüne Savannen-Landschaft war, deutlich macht. Ähnliche Rückkopplungen könnten in einigen Regionen im Osten und in der Mitte Deutschlands erfolgen. Jedoch würde die Entwicklung zu einem anderen Ergebnis führen – aus Waldland dürfte hier keine Wüste, sondern eher eine Savanne werden. 

Die Grünen und das Klima

Die Grünen haben sich auf ihrem Parteitag als erste Partei zum 1,5 Grad Ziel bekannt. Das heißt, dass ihre Politik im Rahmen des 1,5 Grad Ziels bleibt. Das ist ein super wichtiger Schritt, jedoch reicht das alleine natürlich nicht aus. Nun müssen die Grünen sowie jede andere Partei zeigen, dass auf Worte ernstgemeinte Taten folgen. Das 1,5 Grad Ziel sollte für jede Partei der Rahmen für alle politischen Entscheidungen sein, damit Deutschland das Pariser Klimaabkommen einhält.

Egal ob CDU/CSU oder Bündnis 90 die Grünen – alle müssen sich im ersten Schritt zum 1,5 Grad Ziel bekennen und dann dementsprechende Politik, welche eine soziale und ökologische Wende zur Folge hat, realisieren. Damit eine Chance bleibt, das Ziel zu erreichen, muss das innerhalb der nächsten Jahre passieren. 

Gespräche mit Timmermans zur GAP

In den letzten beiden Wochen gab es Tweetstorms, jede Menge Input auf Social Media und Gespräche – Anuna De Wever, Adélaïde Charlier, Greta Thunberg und Luisa Neubauer haben sich am 25.11.2020 mit Klimakommissar Frans Timmermans getroffen, um mit ihm über unsere Forderung, die GAP zu kippen, zu reden. Obwohl Timmermans einsieht und bereits angekündigt hat, die GAP in ihrer aktuellen Verfassung nicht durchwinken zu wollen, bestand er im Gespräch darauf, dass die GAP zu kippen nicht die Lösung ist. Von unserer Seite aus gibt es ein klares Nein zu seinem Ansatz. 

Warum es so wichtig ist, die GAP auch im letzten Verhandlungsstadium noch zurückzuziehen, ist vor allem die Art der Verteilung des Geldes. Laut Timmermans eigener Aussage gehen aktuell 80% des Geldes an nur 20% der Landwirte. Es ist klar, dass so kleinbäuerliche Biobetriebe untergehen – wie viele es schon getan haben. Wir haben nicht die Zeit, nochmal sieben Jahre lang Agrarfabriken und Massentierhaltungsbetrieben das Geld zu geben, das für ein Umdenken und eine Umstrukturierung gebraucht wird. Wir brauchen eine GAP, die nicht nur grün aussieht, sondern es auch hinter der Fassade ist. Unsere Landwirt*innen brauchen finanzielle Unterstützung, um mit den bereits geschehenen Konsequenzen des Klimawandels fertig zu werden und ihre Betriebe mit Blick auf die Zukunft gestalten zu können. 

Tag X im Danni- wie ist die Lage jetzt?

Immer wieder kam es seit dem verheerenden Tag X vor drei Wochen zu Unfällen und Verletzungen. Bäume sind gefallen und dank Fahrlässigkeit und in manchen Fällen Vorsätzlichkeit der Polizei, mit ihnen auch viele Aktivisti. Ob der eigene Tripod oder der Baum daneben gefällt wird, an Sicherungseilen gespielt oder gegen Hängemattenseile getreten wurde, die Vorkommnisse der letzten Wochen zeugen von einem unverantwortlichen Auftreten der Polizei und teilweise auch der Waldarbeitenden. Pfefferspray und auch bei diesen Temperaturen Wasserwerfer im Einsatz kennen wir schon. Neu ist, Menschen in 20 Metern Höhe zu tasern. Die Gewalt, die die Aktivist*innen im Danni aktuell erfahren, ist unmenschlich. Und das, wir wiederholen uns, für eine neue Autobahn mitten in der Klimakrise. 

Laut BUND geht aus einem Gerichtsurteil vom Juli hervor, dass der hessische Verkehrsminister Tarek AL-Wazir Handlungsspielräume hat, die er selbst allerdings entschieden abweist. Laut seiner Aussage könnte allein die Bundesregierung den Bau noch stoppen. Umwelt- und Klimagruppen mobilisieren weiter, Ende Geländes Aktion am 22.11. ist nur ein Beispiel für den andauernden und immer noch wachsenden Protest. Es bleibt also weiterhin spannend, jeden Tag kann etwas Neues passieren. Wir hoffen, dass keine weiteren Menschen in Gefahr geraten und alle, inklusive dem Danni, unbeschadet aus den Aktionen wieder herauskommen. 

29.11. – kurzer Jahresrückblick #fighteverycrisis

Ein Jahr ist der letzte „normale“ Klimastreik her. Der 29.11.2019 war der insgesamt vierte globale Klimastreik von Fridays for Future. Seitdem ist viel passiert, so viel, dass es uns manchmal vorkommt, als wäre es schon ewig her. In Anbetracht einer neuen globalen Krise, die es zu meistern gilt, kämpfen wir immer wieder an unterschiedlichen Fronten damit, dass der Klimawandel, auch wenn er gerade nicht im Vordergrund stehen mag, weiterhin unsere Aufmerksamkeit erfordert. 

Im aktuellen Weltkatastrophenbericht der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC) wird das Jahr 2019 aufgearbeitet. Viel Positives ist nicht zu verzeichnen, denn mehr als drei Viertel der Naturkatastrophen, in denen Tausende von Menschen ihr Leben verloren haben, hängen direkt oder indirekt mit dem Klimawandel zusammen. Denken wir zurück an die Wirbelstürme im letzten Wochenbericht, ist die Lage 2020 alles andere als besser geworden. Umso wichtiger war es, dass wir trotz globaler Pandemie physisch und online Präsenz gezeigt haben und mit unserem Aktivismus das Thema Klimaschutz weiterhin präsent halten. Wir haben dieses Jahr zwei globale Streiks unter erschwerten Bedingungen gemeistert und auch im kommenden Jahr werden wir uns nicht aufhalten lassen. 

Blackfriday #Blockfriday

Am Freitag, den 27.11 fanden bundesweit Blockadeaktionen auf Autobahnen bzw. über Autobahnen statt. Aktivist*innen seilten sich mit Transparenten an Autobahnnrücken ab, um Aufmerksamkeit auf den Ausbau der A49 zu lenken. In Jena z.B. seilten sich zwei Aktivist*innen von einer Brücke ab und verursachten somit einen kilometerlangen Stau. ,,Wir brauchen jetzt eine Mobilitätswende hin zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Es kann nicht sein, dass völlig unzeitgemäße Pläne von vor Jahrzehnten, wie der Bau einer neuen Autobahn, weiterverfolgt werden und ein gesunder, 300 Jahre alter Mischwald dafür gerodet wird. Ohne Verkehrswende kann das Pariser Klimaabkommen nicht eingehalten werden und es werden unumkehrbare Kipppunkte erreicht, die uns alle bedrohen.“, teilen die Aktivist*innen mit.

Natürlich ist der Aktionstag nicht zufällig am Black Friday, dem Tag, an dem unsere Konsumgesellschaft entblößt ist wie an keinem anderen. Dabei werden weniger die Konsumenten selbst, sondern das gewinnmaximierende System, welches für solche Ereignisse sorgt, kritisiert. 

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