Woche 14

Von hoffnungslosen Märkten, guten Projekten und dem Versuch der Union, ihre Klimaversäumnisse aufzuholen. Über all diese Themen berichten Nikah und Fynn im neusten Wochenbericht.

Ökonomin: Der Markt wird den Klimawandel nicht stoppen

Die renommierte Ökonomin Ann Pettifor fordert in ihrem Buch das schnelle Durchgreifen von Regierungen gegenüber Banken und Konzernen, um noch eine Chance im Kampf gegen den Klimawandel zu haben. Sie macht deutlich, dass ein Green Deal nicht nur möglich, sondern nötig ist. 
Unter einem Green Deal versteht sie, dass Regierungen sich nicht mehr von Finanzmärkten leiten lassen, sondern selbst Ziele für die Weltwirtschaft formulieren und umsetzen. Laut Pettifor ist das der einzige Weg, unsere Wirtschaft auf den Pfad der Nachhaltigkeit zu führen. 
Studien unterstützen Ihre Forderungen: Nach der Weltwirtschaftskrise lobbyierten die Banken am stärksten gegen Regulationen, die am meisten von der Krise betroffen waren. Pettifor macht deutlich, wie weit die Interessen von Märkten und Banken von denen der Gesellschaft abweichen. In dieser Welt geht es rein um den Profit, darum, wie mit nachhaltigen Ansätzen maximal viel Geld gemacht werden kann. Der Focus zitiert in ihrem Artikel Blackrock-Vorsitzenden Larry Fink, den weltgrößten Vermögensverwalter, der die Verantwortung auf Blackrocks Klienten abschiebt. Solange „kohlenstoffintensive“ Anlagen lukrativ sind, werden diese in den Portfolios der Anlegenden bleiben. Nachhaltige Ansätze hält Fink zwar durchaus für verfolgenswert, allerdings für Investitionen der Zukunft.
Die Perspektive des Bankers macht deutlich, dass es keine Vorurteile sind, Konzernen, Märkten und Banken Profitgier zu unterstellen. Es zeugt lediglich von Beobachtungsgabe, denn ohne Profite und vor allem Profitmaximierung funktionieren diese Systeme nicht, ohne den Verlass auf unendlichen Wachstum haben Spekulator*innen und Aktionär*innen nichts zu tun. Wir brauchen jetzt Lösungen, nicht wenn es lukrativ ist. Wir brauchen jetzt Geld, das, wie Pettifor vergleicht, auch für COVID-19 mobilisiert werden konnte, um die Erderwärmung auf ein Minimum zu beschränken. In eine ähnliche Richtung argumentierte zuletzt auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, die die Finanzminister:innen der G20 Staaten aufforderte auch die Auswirkungen des Klimawandels bei der Unterstützung von Ländern des Globalen Südens zu beachten. Aus der Unterstützung der G20 Staaten mithilfe eines Schuldenaufschubs fallen beispielsweise karibische Inselstaaten heraus, da diese ein höheres Einkommensniveau haben. Ungeachtet bleiben jedoch die hohen Schulden dieser Länder, die auch mit Schäden infolge des Klimawandels in Zusammenhang stehen.

Neue Wissenschafts-Förderung zur Erforschung des Zusammenhangs von Klimawandel und Gesundheit

Bis zum 02. August 2021 können junge Forscher:innengruppen beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Anträge einreichen zur Förderung von Projekten mit fünf Jahren Laufzeit. Ziel der Förderung soll die Erforschung der Zusammenhänge von Gesundheit und der globalen Erderwärmung sein. Anja Karliczek, Bundesforschungsministerin, erhofft sich von den Ergebnissen Leitlinien und Ansätze zur Prävention von klimawandelbedingten Gesundheitsrisiken wie Herzkreislaufbeschwerden. Insgesamt werden 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

160 Bürger:innen für gute Klimapolitik

Ab dem 26. April berät erstmals der Bürger:innenrat über Klimapolitik in Deutschland. Unter der Schirmherrschaft von Horst Köhler werden 160 geloste Bürger:innen in zwölf Sitzungen über mögliche klimapolitische Entscheidungen beraten und abstimmen. Getragen durch den Verein BürgerBegehren Klimaschutz e.V. und unterstützt von Scientists for Future steht somit Deutschlands erste Bürger:innenrat fürs Klima. Ziel ist es aus der Zivilgesellschaft heraus Lösungen zu erarbeiten, die Deutschland ein Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens zusichern. Dafür werden die zufällig ausgewählten Bürger:innen durch Akteure aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beraten. Die Entscheidungen des Rates sind zwar politisch nicht bindend, doch können sie das starke Signal an die Politik senden, dass wirksame Klimapolitik in Deutschland möglich ist und auch auf Unterstützung in der Gesellschaft fußt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und hoffen auf eine formale Einbindung eines vergleichbaren Gremiums in die Bundespolitik, wie es auch die Petition von <a href="http://<!– wp:paragraph –> <p>Ab dem 26. April berät erstmals der Bürger:innenrat über Klimapolitik in Deutschland. Unter der Schirmherrschaft von Horst Köhler werden 160 geloste Bürger:innen in zwölf Sitzungen über mögliche klimapolitische Entscheidungen beraten und abstimmen. Getragen durch den Verein BürgerBegehren Klimaschutz e.V. und unterstützt von Scientists for Future steht somit Deutschlands erste Bürger:innenrat fürs Klima. Ziel ist es aus der Zivilgesellschaft heraus Lösungen zu erarbeiten, die Deutschland ein Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens zusichern. Dafür werden die zufällig ausgewählten Bürger:innen durch Akteure aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beraten. Die Entscheidungen des Rates sind zwar politisch nicht bindend, doch können sie das starke Signal an die Politik senden, dass wirksame Klimapolitik in Deutschland möglich ist und auch auf Unterstützung in der Gesellschaft fußt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und hoffen auf eine formale Einbindung eines vergleichbaren Gremiums in die Bundespolitik, wie es auch die Petition von "Klima-Mitbestimmung jetzt" (<a href="https://www.buergerrat.de/aktuelles/petition-fuer-klima-buergerrat-erfolgreich/">https://www.buergerrat.de/aktuelles/petition-fuer-klima-buergerrat-erfolgreich/</a>) Ende letzten Jahres erfolgreich forderte. Denn unübersehbar ist: Die Klimapolitik benötigt dringend frischen Wind und wirkungsvolle Entscheidungen.</p> „Klima-Mitbestimmung jetzt“ Ende letzten Jahres erfolgreich forderte. Denn unübersehbar ist: Die Klimapolitik benötigt dringend frischen Wind und wirkungsvolle Entscheidungen.

KlimaUnion wirbt in der CDU für Klimaschutz

Der neu gegründete Verein der KlimaUnion möchte innerhalb der CDU für eine Politik des 1,5°-Ziels werben. In ihrer Präambel erkennen die Gründungsmitglieder*innen die Versäumnisse der bisherigen Klimapolitik an und fordern unter anderem, dass der wissenschaftliche Konsens zum Klimawandel durch die Union akzeptiert wird, Deutschland in den nächsten 10 bis 20 Jahren klimaneutral wird und fossile Subventionen abgeschafft werden. Diese Ziele klingen im Angesicht der aktuellen Klimapolitik Deutschlands, die maßgeblich durch die Union zu verantworten und bestenfalls als mangelhaft zu bezeichnen ist, gut, doch es bleibt offen, wie weit diese in der Union Unterstützung finden. Denn schöne Worte, entfernte Ziele und leere Versprechen reichen im Angesicht der drängenden Krisen nicht aus. #NoMoreEmptyPromises

Von Stillstand und Fortschritt – Woche 11, 12 & 13

Inmitten des Lockdowns scheint Bewegung zu kommen. In der Arktis, in den USA, in die Strukturen einer Partei und am Danni, wo ein neues Klimacamp entstehen soll. Wochenbericht in einer Zeit von widersprüchlichen alarmierenden und Hoffnung machenden Entwicklungen.

Kippender Gletscher, kippender Eisschild

Der Westeisschild der Arktis steuert auf den Kipppunkt zu. Der Pine-Island-Gletscher trägt derzeit 10 Prozent zum weltweiten Anstieg des Meerespiegels bei. Nun droht er drei kritische Kipppunkte zu überschreiten. Diese sind erreicht, wenn das Meereswasser um den Westeisschild der Arktis eine Temperatur von 1,2 Grad erreicht. In diesem Fall droht der gesamte westliche Eisschild abzuschmelzen. Dass diese Entwicklung wahrscheinlich und unumkehrbar ist, zeigt nun erstmals eine Studie der Northumbria Universität in Newcastle.

In diesem Fall droht ein Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter. Dadurch wären in Deutschland u.a. diese Städte von Überschwemmungen betroffen: Bremen (teilweise), Bremerhaven (versunken), Cuxhaven (versunken), Hamburg (teilweise), Oldenburg (teilweise).

Große Teile der Niederlande, darunter die Städte Amsterdam, Rotterdam und Den Haag, und große Teile Belgiens versänken ebenfalls im Meer. Dasselbe gälte für Teile Nordfrankreichs und Teile Südfrankreichs, insbesondere der Provence. Überschwemmungen gäbe es auch in Großbritannien. Teile Londons wären ebenfalls betroffen. Wir haben hierzu einen Sonderbericht verfasst. Den findet ihr hier.

Das zeigt: Klimagerechtigkeit  ist wichtig. Das Handeln hierzu muss jetzt erfolgen, nicht erst irgendwann.

Gipfel der Hoffnung – Leader Summit on Climate

Der US-amerikanische Präsident Joe Biden hat das erkannt. Am ersten Tag seiner Amtszeit führte er die USA zurück in das Pariser Abkommen.
Nun lädt er 40 Staats- und Regierungschefs der Welt zum Leaders Summit on Climate ein, der am 22.04.-23.04.2021 stattfinden wird. Die USA wollen dort ein neues, ehrgeiziges Klimaziel für 2030 verkünden.
Wieder ins Leben gerufen wird zudem das Major Economies Forum on Energy and Climate, das diejenigen 17 Staaten, die zusammen 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, zusammenbringt. Die Themen des Gipfels werden sein: Strategien zur Bekämpfung des Klimawandels und die finanzielle Unterstützung der Staaten und Regionen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sein werden. Zudem geht es um die Frage transformativer Innovationen, die Investitionen öffentlicher Mittel in den Klimaschutz, die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Schutz und Erhalt der natürlichen Lebengsrundlagen.
Der Leaders Summit on Climate könnte die Möglichkeit sein, Klimagerechtigkeit nachhaltig zu verhandeln und entsprechende Richtungsenscheidungen global zu treffen. Das gibt Hoffnung. Wir sollten diese Möglichkeit nutzen.
Mehr Informationen über den Leader Summit on Climate.

Stillstand in Deutschland – Chronik des Versagens

Bidens Vorstoß zeigt, dass es in Zeiten des Stillstands doch Wandel und Fortschritt gibt. Von solchen Fortschritten hin zur Klimagerechtigkeit scheint die deutsche Politik jedoch weit entfernt. Die Planlosigkeit und Versäumnisse der deutschen Politik, welche wir derzeit auch in anderen Bereichen erleben, zeigt sich im Bereich des Klimaschutzes besonders deutlich. Der Spiegel hat eine Liste erstellt, die rund 100 Mängel der derzeitigen deutschen Klimagerechtigkeitspolitiik aufzeigt. Hieraus ist ersichtlich: Der deutschen Politik fehlen entweder die Vision und der Mut zur Klimagerechtigkeitspolitik, oder die Fähigkeit hierzu. Die Liste ist hier zu finden.

The Company: Die schwarze Connection

Möglicherweise ist ein Grund für die fehlende Vision und der fehlende Wille zur Klimagerechtigkeitspolitik, dass die politsch Verantwortlichen und Abgeordeten innere Interessenskonflikte hegen, dank ihrer Nähe zur fossilen Industrie. Personen, deren wirtschaftliches Interesse darin besteht, mit klimaschädlichen Emissionen Gewinne zu erwirtschaften, dürften von Klimagerechtigkeit nur begrenzt begeistert sein. Erst recht, wenn es sich hierbei um Personen aus Staaten handelt, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, was alles andere als gerecht ist.
Diese fragwürdige Nähe von Politik und Diktaturen, die ihren Reichtum aus fossilen Energieträgern beziehen, zeigt Christian Stöcker in seiner Kolumne im Spiegel anlässlich der Aserbaidschanaffäre am Beispiel der Verquickung des aserbaidschanischen Regimes und organisierster Klimaskeptiker:innen mit Politiker:innen der Union auf.
Aserbaidschan bezieht seinen Reichtum aus Öl und Gas. Diesen nutzt es, u.a. um Abgeordnete des Europarats zu bestechen, damit sie in ihrer Funktion als Beobachter der Menschenrechtslage und Wahlen Berichte über die Menschenrechtslage in Aserbaidschan fälschen.
Wir fassen die Ergebnisse dieses sehr lesenswerten Beitrags zusammen:

  • Bundestagsabgeordneter Axel Fischer – Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
  • Bundestagsabgeordnete Karin Strenz und ehem. Mitglied des Europarats – Hausverbot im Europarat wegen Korruption
  • Eduard Lintner, ehemaliger Parlamentarischer Staatsekretär im Bundesinneminsterium und ehem. Mitglied im  Europarat – Hausverbot im Europarat wegen Korruption, Ermittlung der Staatsanwaltschaft wegen Bestechung und Bestechlichkeit
  • Nikolas Löbl – bekannt wegen der Maskenaffäre
  • Thomas Bareiß, Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Energiebeauftragter der Union bei den Sondierungsgesprächen mit der SPD – Aserbaidschan
  • Mark Hauptmann,  Bundestagsabgeordneter – bekannt wegen der Maskenaffäre

In der CDU soll es eine Gruppe geben, die jeden klimapolitischen Fortschritt verhindern will.
Zum sogenannten “Bermudadreieck der Klimapolitik” sollen gehören:

  • Thomas Bareiß – Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Energiebeauftragter der Union bei den Sondierungsgesprächen mit der SPD
  • Joachim Pfeiffer – energiepolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion
  • Carsten Linnemann – Abgeordneter

Verbindung der Union zur Kohleindustrie

  • Stanislav Tillich, ehem. Ministerpräsident Sachsens und einer der Vorsitzenden der Kohlekomission – Aufsichtsratvorsitzender des Braunkohlekonzern Mibrag

Link zur Kolumne, die wir sehr empfehlen.

Aufbruch im Danni

Wenn die Politik versagt, so ist es ein gutes Zeichen, dass die Gesellschaft handelt. Zum Beispiel im Danni! Vom 9. bis zum 18. April 2021 wird dort das erste Klimacamp stattfinden.
Es geht darum, die verfehlte Verkehrspolitik nicht länger hinnehmen und einen Ort der Vernetzung und des Wissensaustauschs schaffen. Den Wandel hin zu einer klima- und sozialgerechten Zukunft möchten die Aktivist:innen nunmehr selbst in die Hand nehmen.
Um dieses Klimacamp verwirklichen zu können, rufen die Organisator:innen zu Spenden auf. Jeder Beitrag, auch noch so kleine, können helfen. Was auch hilft, ist eure Anwesenheit! Es gilt FFP2-Pflicht und du brauchst einen negativen Test, um das Camp für alle so sicher wie möglich zu gestalten. Vor Ort gibt es ein tägliches Workshopprogramm. Es gilt weiterhin: Wir streiken bis ihr handelt. Ob im Danni oder auf der Straße eurer Stadt.

Weltweit, vielfältig, laut – Der globale Klimastreik am 19.03.

Der Rückblick auf den globalen Klimastreik am 19.3.2021 fällt großartig aus!
Wir waren viele, abertausende, die für echte Klimagerechtigkeit demonstriert haben. Wir waren laut. Wir waren nicht zu überhören und nicht zu übersehen. Die Coronakrise konnte uns nicht ausbremsen. In monatelanger Arbeit haben wir einen Protest vorbereitet, der den Coronamaßnahmen entsprach und es hat sich gelohnt:  #Unitebehindthescience und #AlleFür1Komma5! Es ist möglich. 
Und unsere Erwartungen wurden übertroffen: Wir waren mit 1068 Aktionen in 68 Ländern vertreten. Dafür danken wir allen Aktivist:innen, Ortsgruppen, Vernetzungen, Bündnissen und Menschen die uns unterstützen haben! 
Die Übersicht zu den Aktionen in Deutschland spricht für sich:    

  • Bundesweit haben wir über 250 Aktionen auf die Beine gestellt.
  • 20,000 Menschen haben an unserem Onlinestreik teilgenommen. 
  • Online konnten wir mit #AlleFür1Komma5 238,181,838 Views erreichen.
  • Mehrere überregionale Medien, darunter die Tagesschau und die Nachrichten des ZDF,  haben über unseren Streik berichtet. Wir haben in vielen Formaten über die Klimakrise, globale Ungerechtigkeiten und über die Tatsache, dass wir dieses Jahr noch eine Menge vorhaben, geredet.
  • Wir haben den vielfältigsten Streik organisiert, den es jemals gab. Unser Streik umfasste riesige Schriftzüge auf den Straßen und Brücken in Berlin und Hamburg,  Stand-Demos in Heidelberg, rund 20 coronakonforme Aktionen in Dresden, eine Fahrraddemo in Neuruppin, ein starkes Zeichen in Peine, eine Bündnisaktion mit Pappe in Leipzig und viele weitere große und kleine Formen politischer Aktionskunst von Köln bis nach Berlin und Hamburg. 

Die Vielzahl der Aktionen und die Anzahl der Teilnehmenden sind unglaublich. Sie zeigen, dass wir nach wie vor da sind, nach wie vor stark sind und vor allem, dass unsere Forderung nach Klimagerechtigkeit die große Unterstützung der Bevölkerung hat. Wir sind  stark in der Gesellschaft, stark an der Basis und stark im Verändern!
Unsere Proteste fanden unter schwierigen Bedingungen statt. Seit über einem Jahr befinden wir uns in einer globalen Pandemie. Wir haben unglaublich viel Arbeit investiert und mussten Hürden überwinden, welche die Pandemie und die sich ständig ändernden Maßnahmen aufwarfen. Dennoch gelang es uns, einen einzigartigen Protest organisieren, der als historisch bezeichnet werden kann. 
Das beweist: Die Bewältigung von Krisen ist, entgegen aller Zweifler:innen, möglich. Wir haben gemeinsam ein Zeichen gesetzt: Es gelingt uns die Pandemie zu überstehen. Das gibt Mut. Es ist möglich die Pandemie und die Klimakrise gleichzeitig zu bewältigen – Wir müssen es nur wollen. Lasst uns weiter dafür kämpfen. Für Klimagerechtigkeit und eine bessere Welt. Bis die Politik endlich handelt.
Wir bedanken uns bei allen Menschen, die diesen unglaublichen und großartigen Streik möglich gemacht haben! 
Zum Schluss empfehlen wir dieses Video – es wird euch gefallen:  https://www.youtube.com/watch?v=sEot8WLcmW4&ab_mmN=FridaysForFuture

Gerechtigkeit, Überparteilichkeit und Fakten – Woche 9/10

Der neue Wochenbericht ist da! Wir berichten über Avocados in Nairobi, die Überparteilichkeit von Fridays for Future und die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Gerechtigkeit gegen Blut-Avocados

Ein Stück Gerechtigkeit gibt es in Nairobi. Camellia PLC verpflichtete sich in einer außergerichtlichen Einigung zur Zahlung von 4,6 Millionen Pfund Entschädigung für Menschenrechtsverletzungen. 
Camellia PLC ist Hauptanteilseigner des Unternehmens Kakuzi. Dieses wiederum baut Avocados in Nairobi an. Ihm werden Vertreibung der Bevölkerung, tödliche Arbeitsbedingungen und Missbrauch vorgeworfen. 

„Ich möchte euch Europäern sagen: An euren Avocados klebt unser Blut.“

79 vor allem weiblich Betroffene erhoben Klage. Mit Erfolg. Die Betroffenen möchten die Entschädigung in Nutztiere und eigene  Unternehmen investieren und weiter für Gerechtigkeit kämpfen.

Klimawahl und Überparteilichkeit

Am 14.03.2021 finden in drei Bundesländern Wahlen statt. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Landtagswahlen und in Hessen die Kommunalwahl. Die Landtagwahlen sind richtungsweisend für die Klimagerechtigkeitspolitik der nächsten Jahre. Als große Bundesländer werden beide im Bundesrat maßgeblich die Gesetzgebung des Bundes kontrollieren. In beiden Bundesländern sind die Schlüsselindustrien Automobilindustrie und Chemieindustrie vertreten, was Herausforderungen und Chancen für die Klimagerechtigkeitspolitik bietet. Kommunen sind wichtig bei der Umsetzung und Kontrolle von Maßnahmen. Entsprechend aufmerksam begleitet und kommentiert Fridays for Future die Wahlen am 14.03.2021. In Baden-Württemberg zum Beispiel mit einem Wahl-O-Mat, welcher die Parteipgromme nach Klimagerechtigkeit beurteilt. Dies führte in jüngster Zeit bisweilen zu Fragen, ob Fridays for Future sich für oder gegen bestimmte Parteien ausspräche, darunter in einem Artikel der Zeitung „Die Welt“.

Wir möchten an dieser Stelle eindeutig klarstellen: Fridays for Future ist und bleibt überparteilich. Unser Selbstverständnis bestimmt und begrenzt unser Handeln und unsere Äußerungen als Fridays for Future. Zentral für unser Selbstverständnis sind die Klimagerechtigkeit, die Basisdemokratie und die Unabhängigkeit der Ortsgruppen und Landesebenen. Klimagerechtigkeit bedeutet für uns: Achtung der Menschenrechte, globale Gerechtigkeit, Wahrheit und Wissenschaftlichkeit und Klimaschutz. Unsere Ortsgruppen, unsere Landesebenen und jede Personen bei uns hat das Recht, sich im Rahmen ihrer Meinungsfreiheit zu äußern. Sie dürfen sich auch als Vertreter:innen Fridays for Future oder unter diesem Namen zu äußern, wenn und soweit sie sich innerhalb der Grenzen unseres Selbstverständnisses bewegen. Diese Grenzen wurden nach unserer Kenntnis durch ihre Äußerungen zur Wahl oder zu Parteien nicht überschritten. Das Recht auf eine Äußerung besteht besonders dann, wenn infolge von Äußerungen, von Parteien oder öffentlicher Berichterstattung von Fridays for Future erwartet wird, sich zu äußern. Dem steht die Überparteilichkeit unserer Bewegung nicht entgegen und dies macht unsere Bewegung nicht parteiisch. Wir begleiten kritisch die Wahl und wir werden die Politik weiterhin kritisch begleiten. 
Wir werden streiken und kommentieren, bis die Politik und die sie bestimmende Parteien klimagerecht handeln.

Die Anderen und der Klimaschutz

Ein bekannter Einwand gegen Klimaschutz ist: „Aber die Anderen…“ So wird unter anderem behauptet, in China und weiteren Staaten stiegen die Emissionen an. Diese Staaten würde sich nicht um Klimaschutz kümmern, was unsere Anstrengungen um Klimaschutz zunichte machen würde. Deswegen müssten wir uns gar nicht erst um diesen bemühen. Warum sollten wir das als einzige tun? Wir setzten damit unsere Wirtschaft aufs Spiel.
Das ist schlicht falsch und Ausdruck von Überheblichkeit und Bequemlichkeit, was die Fakten beweisen:
Der Anstieg der Emissionen in China, Indien, Brasilien und anderen Staaten ist auf  die Verlagerung der Produktion in diese Staaten zurückzuführen. Dies geht zu Lasten der Klimabilanz der Staaten, in welche die Produktion verlagert wird. Wir rechnen uns unsere Klimabilanzen schön, indem wir diese Tatsache nicht berücksichtigen.

Ein Drittel der CO2-Emissionnen in China geht auf Exporte zurück. Ein Fünftel des weltweiten CO2-Emissionsanstiegs soll zwischen 1990 und 2008 durch Chinas Exporte entstanden sein, haben Forscher in einer internationalen Studie berechnet.“

China, welches oft als Argument gegen Klimagerechtigkeitspolitik eingewendet wird, liegt in der Wind- und Solarenergie an der Weltspitze.

  • China hat im Jahr 2020 doppelt so viele Windkraftanlagen gebaut, wie im Jahr zuvor. 
  • Es wurden Windkraftanlagen mit einer Kapazität von knapp 72 Gigawatt errichtet.
  • Bei Solarenergie kamen 48,2 Gigawatt hinzu.
  • Bis 2025 möchte China 25 Prozent seines Stroms aus Windkraft gewinnen.
  • China führt die Liste der weltweit größten Hersteller von Windenergieanlagen die Liste der neunten größten Windkrafthersteller mit dem dritten, fünften, sechsten, siebten und neunten Platz an. Die Liste der Top 5 (Markanteil in Prozent).
  • Vestas, 16;
  • Siemens,  15 %;
  • Godwind, 13,6 %;
  • GE Renewable Energy, 12,1  %
  • Envison 9,5 %;
  • sowie Ming Yang, Windey, Nordex SE und Shanghai Electric.

Arroganz und Bequemlichkeit, welche hierzulande eine effektive Klimagerechtigkeitspolitik verhindert, sind nicht nur für das  Weltklima fatal, sondern vor allem für die Wirtschaft. Sie schadet Unternehmen und tausenden Beschäftigen.
In Deutschland führte der Einbruch des Windmarkts dazu, dass deutsche Unternehmen von der Liste der Top 10 verschwanden. So fiel das Unternehmen Enercon aus dieser Liste heraus. Die deutsche Tochter des Windkraftenergiekonzerns Senvion beantragte im Jahr 2019 Insolvenz. Der Gewinn der Nordex SE brach 2019 um 50% ein. Betroffen von dieser Entwicklung waren tausende Arbeitsplätze. Massenentlassungen waren die Folge.
Für diesen Einbruch war eine Politik verantwortlich, welche den Ausbau der eneurbaren Energien in Deutschland systematisch verhinderte

„2016 beschloss die große Koalition einen Paradigmenwechsel in der Energiepolitik durch ein stark verändertes Fördersystem. SPD und CDU verständigten sich im Koalitionsvertrag auf Obergrenzen beim Ausbau von erneuerbaren Energien. Es gab die Befürchtung, dass die Energiewende bei einem schnellen Ausbau zu teuer würde und zugleich Kohleregionen und alte Energiekonzerne viel verlieren könnten. Nun wird über Wettbewerbsverfahren gesteuert, wer überhaupt noch Windanlagen bauen darf.“

Hintergrund dieser Politik war der Schutz von RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, die auf Strom aus fossilen Energieträgern setzten: 

„Die vier großen Stromkonzerne [RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall] investierten dagegen kaum und besitzen aus diesem Grund nur einen kleinen Anteil an den Windparks (Onshore)  in Deutschland. Durch die neue Konkurrenz der Erneuerbaren gingen ihnen große Marktanteile im Stromgeschäft verloren. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Netz liegt heute bei 40 Prozent; vor 20 Jahren waren es nur sieben Prozent.“

Wir rufen angesichts der aktuellen Wahlen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pflalz und angesichts der Bundestagswahl im Herbst die Politik dazu auf, endlich den Mut zu haben, eine konsequente Klimagerechtigkeitspolitik umzusetzen und die bisherige mutlose und partikuare Klimagerechtigkeitsverzögerungspolitik aufzugeben. Letztere schadet nachhaltig dem Klima, den Menschenrechten und der Wirtschaft.

Geht es zu Ende? Woche 5, 6, 7 & 8

Es sind verrückte Zeiten, verrückte Zeiten. Sterbender Wald, unambitionierte Klimaziele und ein Temperaturrekord – hier sind die Klimanews der vergangenen Wochen, zusammengefasst von Sophia.

🌳 Der Wald stirbt!
Aus dem aktuellen Waldzustandsbericht der Bundesregierung wurde herausgearbeitet, wie geschädigt die Wälder durch den Klimawandel und durch die daraus folgende Hitze sind. Den Zustand der Bäume ist daran erkennbar, ob die Krone weniger Äste aufweist und ob die Krone dadurch weniger dicht ist. Es wurden 10 000 Bäume untersucht. Davon sind 79% der Fichten, 80% der Kiefern und Eichen und 89% der Buchen von dem beschriebenen geschädigten Zustand betroffen. Die Hitze und die damit verbundene Trockenheit begünstigt es, dass sich Schädlinge auf den Bäumen ausbreiten. Zudem knicken die geschwächten Bäume in Stürmen schneller um. Der Waldeigentümerverband AGDW beschreibt das als eine „Jahrhundertkrise“.

🌡 Das 1,5°C-Ziel stirb!
Bisher sind es 75 Staaten von 195 die im Pariser Klimaabkommen vertreten sind, die auch neue Klimaziele bis 2030 vorgelegt haben. Der erste UN-Zwischenbericht, der jetzt veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Grundpfeiler zum jetzigen Standpunkt des Pariser Klimaabkommens. Den Staaten jedoch wird keine Vorgaben gemacht, wie sehr die Emissionen reduziert werden sollen. Es setzt auf Selbstverantwortung der einzelnen Staaten.  Die Vereinten Nationen haben das nun ausgewertet: Die weltweiten Emissionen werden mit dem jetzigen Stand nur ein halbes Prozent zum Ende des Jahrzehnts im Vergleich zu 2010 gesenkt. Der Weltklimarat spricht aber davon, dass 45 Prozent Reduzierung bis Ende 2030 nötig sind, damit im Jahr 2050 Klimaneutralität vorliegt. Die neusten Berechnungen des globalen CO2-Budgets besagen, dass wir aber noch viel mehr einsparen müssten und das alle aktuellen Handlungen und Bemühungen viel zu unambitioniert sind. Die Einhaltung des 1,5°C-Ziels rückt so in immer weitere Ferne.

🌊 Der Golfstrom stirbt!
Die Abschwächung des Golfstroms nimmt dramatische Ausmaße an, er ist mittlerweile so schwach wie vor knapp einem Jahrtausend. Dies belegt aktuell eine wissenschaftliche Studie, in der die Forscher:innen Daten aus dem Ozeanboden und dem Eis untersuchten. Diese Daten reichen zwischen 100-1.600 Jahren in die Vergangenheit zurück. Die Abschwächung des Golfstroms ist eine der akutesten Folgen des Klimawandels. Die Auswirkungen des verlangsamten Golfstroms können extreme Wetterereignisse in Europa hervorrufen, unter anderem aufgrund des steigenden Meeresspiegels an den US-Ostküsten. Außerdem können in Europa dadurch Hitzewellen begünstigt werden. Die Forschungen laufen noch. Stefan Rahmstorf hat dazu ein spannendes und ausführliches Interview gegeben, das hier nachgelesen werden kann.

❄️ Der Winter stirbt!
Zum zehnten Mal ist der Winter in Deutschland zu warm. Zu dem Schluss kam der deutsche Wetterdienst (DWD). Die durchschnittliche Temperatur des vergangenen Winters beträgt 1.8 Grad. Vergleichsweise ist es 1.6 Grad zu warm zur Referenzperiode 1961-1990. Es wurden durch das DWD 2000 Messstationen ausgewertet. Minus 26,7 Grad am 10. Februar war der bundesweite Tiefstwert. Dennoch war der Süden mit milden Temperaturen ausgestattet. Dagegen war im Norden viel Schnee und Eis.Dies war eine außerordentlich seltene Extremwetterlage. Aufgrund von massiven Schneemengen, die in den Alpen zu Hochwasser geführt haben und in den Mittelgebirgen  Tauwetter hatten, gab es immense Hochwasser im Westen und Süden. Außerdem wurde der Winter auch so warm, da das Wetter ein riesigen Umschwung hingelegt hat. In Göttingen z. B. wurde am 14. Februar minus 23,8 Grad gemessen und kaum eine Woche später der Höchstwert des Monats am 21. Februar mit 18,1 Grad. Dies sind mehr als 40 Grad Unterschied und ein neuer Temperaturunterschied-Rekord! 

Back to Paris oder mit Vollgas in die Krise? Wochen 3&4

In den letzten zwei Wochen ist so einiges passiert – Lara hat es für euch zusammengefasst. Der Weltrisikobericht zeigt deutlich auf, dass unsere Zukunft maßgeblich durch die voranschreitende Klimakrise bestimmt werden wird, außerdem hat der neue US Präsident an seinem ersten Amtstag, eine fürs Klima bedeutende Entscheidung getroffen und vieles mehr!

🇺🇸 Welcome back! – Wiedereintritt der USA in das Pariser Klimaabkommen

Am 20.01. wurden Joe Biden und Kamala Harris als neuer Präsident bzw. Vizepräsidentin der USA eingesetzt. Eine der ersten Amtshandlungen Bidens war der Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen. Der vorherige US-Präsident Donald Trump – der wissenschaftliche Fakten zur Klimakrise schlichtweg leugnete – war zuvor aus dem Abkommen ausgetreten. Während seiner Amtszeit stiegen die Emissionen der USA im Gebäudesektor, Verkehr und der Industrie – nur im Energiesektor konnte er zum Glück nicht mehr verhindern, dass Kohle sich immer weniger lohnt. Nun hat der neue US-Präsident Biden also viel aufzuholen: Zwar sind die USA mit  der Unterzeichnung des Dekrets durch den Präsidenten innerhalb von 30 Tagen wieder offizielles Mitglied des Paris-Abkommens, um aber auch wirklich vollwertiges Mitglied zu sein, muss die US-Regierung spätestens einen Monat vor dem UN-Klimagipfel in Glasgow im November 2021 einen neuen CO2-Minderungsplan einreichen. Die USA stoßen nach China weltweit die meisten Treibhausgase aus und ihre Pro-Kopf-Emissionen übersteigen auch die Chinas bei weitem. Um eine 1,5°C-konforme Politik zu machen, müssen die Emissionen bis 2030 drastisch sinken. Biden hat bereits angekündigt, 2 Billionen Dollar innerhalb von vier Jahren für saubere Energie und Umweltgerechtigkeit auszugeben und will unter anderem den Stromsektor bis 2035 CO2-frei machen. Dadurch dass die Demokratische Partei die Mehrheit in sowohl Kongress als auch Senat innehat, sind die Chancen des Projektes gewachsen . Doch Bidens Plan, bis 2050 klimaneutral zu sein, ist nicht ausreichend, es müssen jetzt schnell Taten folgen und Emissionen drastisch reduziert werden. Das schreiben auch zwölf Klima-Aktivist:innen aus der ganzen Welt, die sich in einem offenen Brief an die neue US-Regierung gewandt haben. Sie fordern, sich an wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten, das heißt jetzt schnell und effektiv Emissionen einzusparen und Klimagerechtigkeit umzusetzen, das heißt die Rechte der Menschen aus dem Globalen Süden zu achten und Ausbeutung zu stoppen. Den Brief könnt ihr hier lesen (in Englisch): https://news.trust.org/item/20210120104010-143ir

😮 Erdgas-Pipeline, Fake-Umweltstiftung und  verschleppte Energiewende – #MitVollgasInDieKrise

Die Ergas Pipeline Nordstream II ist schon seit langem umstritten. Die Pipeline soll Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren. Die Kritikpunkte daran sind vielfältig: So stimmte aktuell beispielsweise das EU-Parlament für den Stopp des Pipeline-Baus, da der bekannte Oppositionspolitiker Nawalny aktuell in Russland inhaftiert wurde, nachdem er aus Deutschland zurückkehrte, wo er sich von einem Giftanschlag erholt hatte . Auch umwelt- und klimapolitisch ist die Pipeline ein Desaster. Nicht nur gefährdet die Pipeline die Winterquartiere von Seetauchern und Meeresenten in der Ostsee – bei der Förderung, Transport und Nutzung von Erdgas entstehen auch Methan-Emissionen. Methan ist ein Treibhausgas wie auch CO2, heizt aber die Erderwärmung ca. 25 mal so stark an. Das macht eindeutig, warum der fossile Energieträger Erdgas keine Brückentechnologie in der Energiewende ist. Dies zeigt auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW). Die von der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern gegründete „Klimastiftung MV“, die den Pipeline-Ausbau fördern will, hat dementsprechend mit Klimaschutz wenig zu tun. Statt weiterhin auf fossile und klimaschädliche Energieträger zu setzen, um den Energiebedarf in Deutschland zu decken, müssen erneuerbare Energien stärker gefördert werden. Unter anderem in Rostock, Heidelberg, Hannover, Berlin, Lubmin, Warnemünde, Schwerin, Zug und Freiburg gingen deshalb Aktivisti unter Beachtung der aktuellen Corona-Vorschriften auf die Straße, organisierten Banner-Drops und andere kreative Organisationen um gegen die Pipeline zu protestieren und auch im Netz waren wir unter dem Hashtag #MitVollgasInDieKrise für eine wirkliche Energiewende laut. Doch trotz aller Kritik und Proteste wird die Pipeline im Moment weitergebaut.

❗️ Die Klimakrise ist die aktuell weltweit größte Gefahr – sagt der Weltrisikobericht

Für alle, die sich den Ausmaßen der Klimakrise immer noch nicht bewusst sind, hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) es nun nochmal schriftlich vorgelegt: Die Klimakrise, die daraus entstehenden Extremwettereignisse, die Umweltschäden und das Versagen in der Einhaltung des 1,5°C-Limits sind laut dem aktuellen Weltrisikobericht die größten Risiken weltweit. Das Forum und seine Partnerorganisationen betonen, dass beim Wiederaufbau von Gesellschaft und Wirtschaft Klimaschutz zwingend berücksichtigt werden muss. Die Geschäftsführerin des WEF rief dazu auf, neue wirtschaftliche und soziale Systeme zu gestalten, die die kollektive Wiederstandsfähigkeit verbessern und gesellschaftliche Spannung zu bekämpfen. Die Forderung nach System Change also nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf TOP-Management-Ebene des Weltwirtschaftsforum? Wie ernst das gemeint ist und ob die weltweite Politik- und Wirtschaftselite das Risiko endlich ernst nehmen, wird sich in den nächsten Tagen zeigen: Ab dem 25.01 treffen sich Staats- und Regierungschef:innen und Unternehmenschef:innen digital, statt wie sonst in Davos. Eingeladen ist auch Greta Thunberg, die in der Vergangenheit wiederholt aufrüttelnde Worte an die Teilnehmer:innen des Weltwirtschaftsforums gerichtet hat.

📉Größte jemals durchgeführte Studie zur Klimakrise: Nur 10% der Befragten glauben, dass politische Entscheidungsträger:innen genug tun 

Die größte jemals durchgeführte Studie zu Einstellungen der Menschen gegenüber die Klimakrise  „People’s Climate Vote“ befragte 1,2 Mio. Menschen in 50 Ländern, indem sie Handy-Spiele nutzten, um die Menschen zu erreichen und zu befragen. Das Ergebnis: Von den Befragten war die klare Mehrheit, 64%, der Meinung, dass die Klimakrise ein Notfall ist – und nur 10% dachten, dass die politischen Entscheidungsträger:innen weltweit genug gegen die Krise tun. Cassie Flynn, Strategic Adviser bei dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, die diese Umfrage gemeinsam mit der Universität in Oxford durchgeführt haben, sagte zu den Ergebnissen der Studie: „Zunehmend mehr Menschen sagen auch während der Pandemie: ‚Der Klimawandel ist ein Notfall und hier ist, wie wir ihn lösen wollen'“. Die Mehrheit der Befragten  aus der ganzen Welt war der Meinung, dass die Erhaltung von Wäldern und Land (54%), erneuerbare Energien (53%) klimafreundliche Landwirtschaft (52%) und mehr Investitionen in grüne Unternehmen und Jobs (50%) nötig seien, um die Klimakrise zu stoppen. Flynn weiter: „Die Menschen wollen, dass ihre Stimme gehört wird, auch wenn sie im Moment Angst haben und es so viel Instabilität gibt. Sie haben dennoch Ideen, wie wir aus dieser Krise herauskommen können. Politiker:innen und weltweite Entscheidungsträger:innen müssen zuhören!“

💶Studie zeigt: Deutschland schummelt bei der Klimafinanzierung

Die Länder, die historisch am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, sind aktuell diejenigen, die am stärksten von den Konsequenzen der Krise betroffen sind. Wiederaufbauarbeiten nach Extremwetterereignissen, Versorgung der Bevölkerung in Dürrezeiten etc. bedeuten dabei auch eine finanzielle Belastung für die Länder des Globalen Südens. Laut Brot für die Welt müssen die Länder des Globalen Südens ab 2020 ca. 150 Milliarden US-Dollar für Finanzierung jährlich für Anpassungsmaßnahmen ausgeben, ab 2030 könnten es sogar 300 Milliarden US-Dollar sein. In einem Schuldenreport warnten Miseror und „Erlassjahr“ Anfang 2020, dass Länder des Globalen Südens, insbesondere kleine Inselstaaten im Pazifik und der Karibik und Staaten in der Sahelzone, sich daher hoch verschulden müssen, um mit den Folgen der Klimakrise – die sie nicht verursacht haben – umzugehen. Das ist nicht gerecht. Daher fordern die Länder des Globalen Südens regelmäßig auf den internationalen Klimagipfeln Kompensationen für Verlust und Schäden. 2009 versprachen die Industriestaaten, die die Verantwortung für die Klimakrise tragen, jährlich 100 Milliarden US-$ für Klimafinanzierung auszugeben. Diese Klimafinanzierung soll den am stärksten betroffenen Ländern helfen, sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft zu vollziehen. Doch nicht nur ist die Summe angesichts der tatsächlich entstehenden Schäden und finanziellen Belastung zu gering – die Industriestaaten versuchen auch alles mögliche, um sich um die Zahlungen zu drücken. So wird bespielsweise Geld, das bereits jetzt für Entwicklungszusammenarbeitsprojekte ausgegeben wird, in die 100 Milliarden US-$ eingerechnet – bei den betroffenen Staaten kommt dadurch jedoch nicht mehr an. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass Deutschland fast die Hälfte der Klimafinanzierungszahlungen (44%) in Form von Krediten ausgibt – ein zynischer Gedanke, angesichts der Tatsache, dass die Länder des Globalen Südens diese Kosten überhaupt erst auf sich nehmen müssen, weil Länder wie Deutschland und die USA über Jahrzehnte hinweg ihren Wohlstand angehäuft haben, indem sie die Klimakrise angeheitzt haben. 

❓ Das K in CDU steht für Klimaschutz – Armin Laschet wird CDU-Vorsitzender

Die CDU hat einen neuen Parteivorsitzenden gewählt. Armin Laschet setzte sich gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen durch. Diese Wahl ist wichtig, zum einen aufgrund des Einfluss des Parteivorsitzenden auf die Partei, zum anderen, weil in der Vergangenheit der Parteivorsitz auch oft mit der Kanzler:innen-Kandidatur einherging. Klimapolitisch hatte keiner der drei Kandidaten viel zu bieten. Als amtierender Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zeigt sich bei Armin Laschet konkret in der Praxis, dass er die Sorgen der Menschen, die aufgrund der Klimakrise Angst um ihre Zukunft haben und derjenigen, die schon jetzt aufgrund verfehlter Energiepolitik ihr Zuhause zugunsten von Koheltagebau verlieren, auf die leichte Schulter nimmt. Laschet mahnt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, es mit dem Klimaschutz doch bitte nicht zu übertreiben und bremst den Kohleausstieg in NRW aktiv aus . Unter seiner Regierung wurde der Hambacher Forst für den Kohleabbau trotz massiver Proteste in großen Teilen gerodet und zahlreiche Dörfer zerstört, wie aktuell beispielsweise Lüzerath. Außerdem wurde mit Datteln IV ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb genommen, trotz  Menschenrechts- und Umweltbedenken. In dem Zukunftspapier, das Laschet und Spahn kürzlich vorlegten, kam das Wort „Klima“ nur ein einziges Mal vor – als es um gutes „Klima“ für „Unternehmergeist“ ging. Es lässt sich also bezweiflen, ob die CDU und ihr neuer Parteivorsitzender für die Zukunftsaufgabe Klimaschutz aktuell gewappnet sind. Dementsprechend protestierten wir am Tag der Wahl auch in mehreren Städten u.a. vor den Büros der drei Kandidaten.

🏘Lützerath zerstört – Pödelwitz bleibt

Nur zwei Tage nach der Wahl Armin Laschets wurde in NRW, wo er als Ministerpräsident regiert, das Dorf Lüzerath abgerissen – trotz Protesten von Anwohner:innen und Klimaschützer:innen. Zuletzt hatte eine Studie gezeigt, dass fünf der der Dörfer im rheinischen Braunkohlegebiet gerettet hätten werden können, da die Kohle, die in ihrem Boden steckt, nicht für den Betrieb des Kohelkraftwerks Garzweiler II benötigt wird. Doch die fünf Dörfer, Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Beverath, wurden der Zerstörung preisgegeben und die Hälfte der Anwohner:innen bereits umgesiedelt. Auch wenn Lüzerath nicht zu den in der Studie erwähnten Dörfern gehört, ist klar: Kein Mensch sollte mehr sein Zuhause verlieren für einen viel zu verspäteten Kohleausstieg, der die Klimakrise anheizt. 
Anderorten konnte unterdessen ein Erfolg errungen werden: Nach zahlreichen Protesten hat die sächsiche Regierung schon im Koalitionsvertrag 2019 zugesichert, das Dorf Pödelwitz nicht wegbaggern lassen zu wollen. Nun ist es auch amtlich: Pödelwitz bleibt! Andere Dörfer sowohl in der Lausitz, als auch im rheinischen Braunkohlegebiet sind jedoch weiterhin bedroht. Daher werden wir uns auch 2021 weiterhin dafür einsetzen, dass alle Dörfer bleiben.

⛺️ Klimacamp Augsburg ist weiterhin im Widerstand und auch medial vertreten! 
Das Klimacamp Augsburg ist das am längsten und am häufigsten medial vertretende Klimacamp in Deutschland. Es existiert bereits seit dem 1.7.2020 und zählt seit dem heutigen Tag (30.1.21) 214 Tage durchgehenden Widerstands gegen die Klimakrise. Nun haben es die Ausburger:innen mit Vorstellung des Klimacamps in die Tagesthemen geschafft. Schaut rein! – Hier die ganze Folge!

Ein Dorf bleibt standhaft, während das Stadtleben immer heißer wird! Woche 1&2

In unserem ersten Wochenbericht des Jahres 2021, fassen Sophia und Nikah euch die wichtigsten klimarelevanten Ereignisse der letzten zwei Wochen zusammen. Sie bechreiben, wie ein Dorf standhaft bleibt, warum das Stadtleben immer heißer wird und vieles mehr.

🏡 Das Dorf der Unbeugsamen

Letztes Jahr gab es noch Großdemos, Ende Gelände Aktionen und seitdem existiert auch die Dauermahnwache. Die Rede ist von Lützerath, einem Dorf direkt am Tagebau Garzweiler II. Das Dorf soll dem Tagebau weichen, der Großteil der ursprünglich 100 Bewohner wurde schon umgesiedelt. Als letztes Jahr dann die L277 von RWE aufgerissen wurde, war der Aufschrei nicht nur bei Alle Dörfer bleiben groß. Jetzt soll das Dorf den Baggern von RWE weichen. Die haben allerdings mal wieder nicht mit Widerstand gerechnet: Aktivisti vor Ort besetzten an Tag X, dem 05.01.2021, zu fünft ein Haus. Alle Aktivisti wurden auf Antrag von RWE von der Polizei geräumt und kassierten natürlich Anzeigen. Doch das hält dort niemenschen auf, der Widerstand geht weiter! Immer aktuell informiert werdet ihr auf dem Twitteraccount von Lützi Bleibt: twitter.com/LuetziBleibt. 

🛰Satellitenbilder zeigen Regenwaldzerstörung

Dass 43 Millionen Hektar Amazonas Regenwald einfach vollends zerstört wurden und die Zerstörung weiter voranschreitet, ist ungeheuerlich. Noch ungeheuerlicher ist, dass diese immens große Zerstörung nun auch auf Satellitendaten sichtbar ist, die Satelliten uns senden. Diese massive Zerstörung ist aus dem All erkennbar! Diese Daten wurden in 27 Gebieten zwischen 2004 – 2017 gemessen. Die am stärksten betroffenen Länder sind um den Amazonas, also z. B Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien etc. Bolsonaro treibt seit seinem Amtseintritt ab 2019 die Regenwaldzerstörung gezielt an und nimmt der indigenen Bevölkerung immer mehr Rechte weg und bringt sie gezielt um.Nur als Vergleich: 33.5 Millionen Hektar beträgt die Fläche von ganz Deutschland! 

🔥Brände in Australien schwelen weiter

Anfang 2020 brannten immens große Gebiete in Australien ab. Die Bilder von den Bränden gingen um die Welt. Zurzeit bedrohen Buschbrände die Vororte der Millionenstadt Perth seit Samstag letzter Woche. Rund 230 Hektar wurden verbrannt, die Brände rund um Perth sind nicht gelöscht und lodern weiter. Diese Brände sind brennend gefährlich! Etwa 60 Menschen mussten um ihr Leben fliehen und wurden vorerst in Notunterkünften untergebracht. Als ob das noch nicht genug wäre, brannte vor Wochen die Hälfte einer Insel östlich von Australien ab. 

🥵Heiß, heißer, Stadtleben

Ein amerikanisch-kanadisches Wissenschaftsteam hat sich mit den Folgen der kommenden Erdwärmung speziell für Städte auseinandergesetzt. Ihren Berechnungen zufolge wird es in Städten um 1,9 bis 4,4 Grad heißer sein als in der ländlichen Umgebung. Was erstmal icht dramatisch klingt, wird schlimer je höher die Umgebungstemperatur steigt: Bei 40 Grad im Schatten machen knappe zwei Grad mehr einiges aus. Verheerende Folge hat das besonders für alte, kranke und sehr junge Menschen. Deren Körper können mit extremer Hitze noch schlechter umgehen als gesunde Menschen, was einen tödlichen Ausgang haben kann. Die Reaktion unter Anderem der Bundesregierung sind Maßnahmen, um die Städte herunterzukühlen, zum Beispiel mit der immer wieder gerne genutzten Begrünung und Entsiedelung von innerstädtischen Flächen. Was wirklich notwendig wäre, ist ein radikales Umdenken in Politik und Gesellschaft. Es ist noch nicht zu spät für 1,5 Grad! Doch dafür müssen wir handeln. Das Schlimmste an der Studie sind nämlich nicht die Zahlen, sondern dass die Wissenschaftler*innen nicht einmal mehr mit einem Ausgang der Erwärmung unter zwei Grad rechnen.Studie zu Klimawandel in den Städten: Noch heißer als die Umgebung

📄Leag bekommt Studienauftrag zur Braunkohlerenaturierung

Das Umweltbundesamt hat die dringend notwendige Studie zum Wasserhaushalt in der Lausitz und die damit verbundenen Renaturierungsmaßnahmen für stillgelegte Tagebaue ausgerechnet an eine Leag-Tochter vergeben. Wie der Spiegel vorsichtig formuliert, äußern „Kritiker“ Bedenken an der Unbefangenheit der Tochterfirma. Für uns ist klar, dass diese Studie nicht einmal ansatzweise objektiv sein kann. 400.000 Euro bekommt die GmB GmbH dafür, rauszufinden, welche Anteile der Renaturierung Leag zahlt – und welche der Staat. Aktuell gibt es keine andere Möglichkeit, als die durch den Braunkohleabbau entstandenen Löcher mit Wasser zu füllen. So ist in der Lausitz die größte von Menschenhand erschaffene Seenplatte entstanden. Das Problem dabei? Die Region leidet schon jetzt seit Jahren unter Wasserknappheit. Wo das Wasser für die Befüllung der riesige Kraterlandschaft herkommen soll, weiß keiner. Ob durch den Braunkohleabbau oder den Klimawandel, Fakt ist, das Trinkwassermangel in der Region Auswirkungen bis zum 200km entfernten Berlin haben kann. Hinzu kommt, dass in großen Seen im Sommer große Mengen Wasser verdunsten, die nicht wieder nachregnen. Anstatt also weiterhin die Zerstörung mit Wasser abzudecken, ein Konzept, dass schon jetzt beim Ostsee versagt, wird es dringend Zeit, sich nach Alternativen der Renaturierung umzusehen. Es könnte natürlich auch helfen, die Landschaft nicht bis 2038 weiter abzubaggern, aber wir sind ja keine Experten. 

🌳Hambi brennt

Auch vor dem Hambi machten Brände nicht halt. Montagabend, am 11.01.2021, brannte das Baumhaus einer besetzenden Person.Sie erlitt schwerste Verletzungen und wird in einem Krankenhaus behandelt. Zurzeit ist die Ursache des Brandes noch nicht geklärt, wir hoffen das Beste für die verletzte Person.Die Löscharbeiten waren aufgrund der von der Besetzung errichteten Barrikaden schwierig, trotzdem gelang es den Feuerwehrmenschen ein Übergreifen des Brandes auf andere Bäume und Baumhäuser zu verhindern. Auch im Angesicht von Katastrophen bleibt unsere Devise: Hambi bleibt! 

#FightForOnePointFive – Woche 48/49

Hinter uns liegen ereignisreiche Wochen: Das Pariser Klimaabkommen wurde fünf Jahre alt und weltweit haben wir corona-konform ein Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Ziels gesetzt. Das ist dringend nötig, denn die Klimakrise ist jetzt schon zu spüren und mit jedem Zehntelgrad Erderwärmung steigen auch die negativen Folgen – beispielsweise für unsere Gesundheit, wie eine aktuelle internationale Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es noch viel Nachbesserungsbedarf bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen, beispielsweise bei der europäischen Agrarpolitik (GAP) oder beim Kohleausstieg in Deutschland. Mehr dazu lest ihr in unserem aktuellen Wochenbericht.

Fight for One Point Five – Weltweiter corona-konformer Protest und ein Versprechen

Am Freitag, den 11.12 wurde das Pariser Klimaabkommen 5 Jahre alt – und mit weltweit mehr als 3.400 Aktionen online und offline haben wir ein deutliches und corona-konformes Zeichen für die Einhaltung des 1,5°C Limits gesetzt. So hat zum Beispiel unsere Ortsgruppe in Berlin die Botschaft „Fight for 1,5°C“ zum Leuchten gebracht, in Köln gab es einen Banner-Drop und eine Demo mit Abstand und Maske, in Heidelberg gab es eine Lichtinstallation am Heidelberger Schloss und überall in Deutschland gab es viele weitere coole Aktionen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wurde gestreikt, in insgesamt 1934 Städten in 147 Ländern von Chania in Griechenland bis Kampala in Uganda. Gemeinsam haben wir ein klares Zeichen an die Entscheidungsträger*innen gesandt: Wir brauchen jetzt entschlossenes Handeln für Klimagerechtigkeit! Die Zeit der leeren Worte ist vorbei. 

Denn schon jetzt spüren wir die Folgen der Klimakrise: Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen – mehr dazu lest ihr in unserem Sonderbericht zu fünf Jahren Paris: https://fridaysforfuture.de/5-jahre-paris-kein-grund-zu-feiern/

Jedes Zehntelgrad Erderwärmung zählt und hat Auswirkungen auf Menschenleben, das sagt auch der Sonderbericht 1,5°C des Weltklimarats. Deshalb haben über 6.950 Menschen und über 300 Gruppen aus 90 Ländern unser Versprechen unterzeichnet, gemeinsam für eine gerechtere und sichere Gegenwart und eine nachhaltige Zukunft für uns alle zu kämpfen. Bist du schon dabei? Wenn nicht dann kannst du hier unterzeichnen: https://fridaysforfuture.org/fightfor1point5/promise/

Nachschärfung der Klimaziele – 55% sind nicht genug

Fünf Jahre ist es her, seit die meisten Staaten weltweit das Pariser Abkommen unterzeichnet haben und damit versprochen haben, die Erderwärmung unter 2°C möglichst unter 1,5°C zu begrenzen. Bisher hat sich insbesondere im globalen Norden kaum ein Land wirklich gut bei der Umsetzung dieses Versprechens geschlagen. Im Pariser Abkommen ist vorgesehen, dass die Länder alle fünf Jahre ihre Ziele überprüfen und nachschärfen müssen. Das haben sie nun auch bei dem digitalen Gipfel getan: China will bis 2060 klimaneutral werden,  unter anderem Japan, Südkorea, Kanada, Neuseeland und Südafrika, ebenso wie Deutschland und die EU wollen bis 2050 klimaneutral werden. Laut Berechnungen des Climate Action Trackers würden die nachgeschärften Ziele, wenn sie denn umgesetzt würden, dazu reichen, um die Erderwärmung bis 2100 auf ca. 2,1°C im Vergleich zum vordindutriellen Niveau zu begrenzen. 
Wer sich bewusst macht, was 2°C Erderwärmung im Gegensatz zu 1,5°C bedeutet, weiß, dass wir aber hier nicht stoppen können: Wenn die Erde sich um 2°C erwärmt werden wir 99% aller Korallenriffe mit all ihrer wichtigen Bedeutung für das Ökosystem Meer verlieren. Es werden dreimal so viele Insektenarten aussterben, wie schon bei 1,5°C und damit unsere Ernährungssicherheit betroffen sein. Bei 2°C Erderwärmung werden wir in neun von zehn Jahren Hitzewellen wie im Sommer 2016 erleben mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen für alte und chronisch kranke Menschen und Kinder. Viele der pazifischen Inseln stehen bei 2°C unter Wasser, ihre Bewohner*innen verlieren ihr Zuhause.

Deshalb wollen und können wir uns nicht mit Zielen zufrieden geben, die nur für 2,1°C reichen, zumal bei vielen der jetzigen nachgeschärften Ziele die konkreten Pläne fehlen, wie diese umgesetzt werden. Deshalb werden wir uns auch nicht mit dem Ziel der EU, die Emissionen bis 2030 um 55% zu senken zufrieden geben. Denn dieses Ziel ist nicht mit dem 1,5°C Ziel vereinbar und pockert mit unserer Zukunft. Mehr dazu, warum 55% Emissionsreduktion zutiefst ungerecht und nicht zukunftsfähig ist findet ihr in unserem aktuellen Sonderbericht: https://fridaysforfuture.de/wie-uns-die-europaeische-union-zerstoererische-politik-als-pariskonform-verkauft/

Zugleich sind die Nachbesserungen beim digitalen Klimagipfel, wenn auch noch nicht ausreichend, ein gutes Zeichen: Denn es zeigt sich, dass unser Protest wirkt, kein Staat kann heute mehr begründen, nichts gegen die Klimakrise zu tun. Daher lasst uns gemeinsam weiterhin den Druck aufrecht halten und dafür sorgen, dass wirklicher Klimaschutz im Einklang mit dem 1,5°C Limit durchgesetzt wird! 

Offener Brief an die EU Komission: Gemeinsam für Klimagerechtigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft

Gemeinsam mit dem Bündnis junge Landwirtschaft, junges Bioland, dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft, dem jungen Netzwerk freier Bäcker und vielen mehr haben wir einen offenen Brief an Ursula von der Leyen, Frans Timmermans, Janusz Wojciechowski und Stella Kyriakides geschrieben. Denn die aktuelle europäischen Agrarpolitik führt zum Sterben landwirtschaftlicher Höfe, dem Verlust an Artenvielfalt und hohen Treibhausgasemissionen. Als junge Menschen aus der Landwirtschaft und entlang der Wertschöpfungskette von Nahrungsmitteln und als Aktivist*innen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung fordern wir zusammen eine gemeinsame europäische Agrarpolitik, die den Herausforderungen unserer Zeit gerecht wird. Den gesamten offenen Brief könnt ihr hier nachlesen: https://fridaysforfuture.de/landwirtschaft/

Klimakrise macht krank

Eine Studie, die von 120 Wissenschaftler*innen aus 38 akademischen Institutionen sowie UN-Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank erarbeitet wurde, zeigt, dass die Klimakrise tiefgreifende Veränderung für unsere Gesundheit haben wird und bereit hat. Schon jetzt sind die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise auch in Deutschland deutlich zu spüren, zum Beispiel durch stärkere Hitzewellen und die Verschiebung der Pollenflugsaison, die Allergiker*innen Schwierigkeiten macht. Weltweit sind die hitzebedingten Todesfälle bei älteren Personen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast 54% gestiegen. Dazu kommen indirekte Folgen der Klimakrise, wie zum Beispiel die Gefahr von Verbrennungen und Rauchvergiftungen durch häufiger auftretende Waldbrände, Mangelernährung und Folgen von Wirbelstürmen. Die Autor*innen der Studie weisen auf die enorme globale Ungerechtigkeit hin: Während jedes Land von gesundheitlichen Folgen der Klimakrise betroffen ist, trifft es ganz besonders hart die Länder und Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und sich häufig am schlechtesten schützen können. Die Autor*innen schreiben: „Trotz dieser klaren und eskalierenden Anzeichen ist die globale Antwort auf den Klimawandel verhalten, und die nationalen Bemühungen bleiben weit hinter den im Pariser Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zurück.“ Deshalb müssen wir für unsere eigene Gesundheit und für Klimagerechtigkeit da drauf bestehen, dass jetzt endlich gehandelt wird, um das 1,5°C Ziel einzuhalten.

Rodungen im Danni beendet 

Über ein Jahr haben Aktivist*innen den Dannenröder Forst besetzt, um die Rodung für eine Autobahn zu verhindern. Nun wurden die Baumhäuser geräumt und der jahrhunderte-alte Wald ist den Rodungen zum Opfer gefallen. Wenn du mehr erfahren willst, wie das Leben im Danni vor der Rodung war, dann schau mal in unseren Gastartikel von Lene rein:  https://fridaysforfuture.de/ein-ort-an-dem-ich-gluecklich-und-hoffnungsvoll-bin-gastartikel-aus-dem-danni/

Auch wenn der Wald geräumt wurde, haben die Aktivist*innen und viele der Anwohner*innen klar gemacht: Rückwärtsgewandte Verkehrspolitik im Jahr 2020/2021 wird nicht einfach mehr nur so hingenommen. 

Deutschlands Kohleausstieg: „unambitioniert und überholt“

Die auf Datenanalyse und Kohlekraftwerke spezialisierte Nichtregierungsorganisation Ember hat Deutschland bescheinigt in seiner Strategie zum Kohleausstieg zu langsam zu sein und unnötig teuer. Ember hat für eine Studie die Wirtschaftlichkeit von Steinkohlewerken überprüft und kam zu dem Schluss, dass selbst „modernere“ Kraftwerksblöcke, wie Moorburg A und B von Vattenfall sowie Westfalen E von RWE, die erst nächstes Jahr stillgelegt werden sollen, seit 2019 Verluste machen, die sich durch die Corona-Pandemie noch verschlechtert haben. Marktbedingt sei der Kohleausstieg also schon im vollen Gange. Spätestens bei einem CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne, so der Think-Tank Agora Energiewende, seien Kohlekraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig. Dennoch wird in Deutschland an dem späteren Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle mit hohen Entschädigungszahlungen festgehalten, obwohl es Millionen von Steuergeldern kosten könnte und unsere Zukunft aufs Spiel setzt. 

Studie: Alle Parteien außer der sogenannten AfD würden von der Priorisierung von Klimaschutz profitieren

Eine repräsentative Studie der Open Society Foundation, die diesen August durchgeführt wurde zeigt: Mehr als die Hälfte der Befragten sagten, dass Klimapolitik eines der drei wichtigsten Anliegen der Bundesregierung sein sollte. 90% der Grünen-Wähler*innen, 45% der Wähler*innen der Unionsparteien und 57% der SPD-Wähler*innen geben an, die Klimapolitik zu ihrem Maßstab zu machen, welche Partei sie wählen wollen.  „Das kann natürlich gut oder schlecht für eine Partei sein“, sagt Leiter der Studie Jan Eichhorn. „In den meisten Fällen ist es aktuell eher schlecht.“ Der Auftrag an euch ist also klar, liebe Parteien – setzt den Wähler*innen-Willen um und legt endlich überzeugende Pläne für eine nachhaltige und gerechte Klimapolitik die im Einklang mit dem 1,5°C Ziel steht vor. Daran werden wir euch bei der Bundestagswahl messen. 

5 Jahre Paris – (K)ein Grund zu feiern

Vor fünf Jahren ereignete sich historisches: Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder in Paris die Klimakrise ernst zu nehmen und ihr entschlossen und geschlossen entgegenzutreten.

Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen. Ein Abkommen, das lange und zähe Verhandlungen benötigte, das zwischen Ländern, die besonders früh und stark unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden werden und den reichen Industriestaaten, die den größten Teil zur Entstehung der Klimakrise beitragen, vermittelt. Ein Abkommen, das unter hohem Druck der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung entstanden ist und, das bereits einen Kompromiss darstellt.

Das Pariser Abkommen formuliert das Ziel der Begrenzung des globalen mittleren Temperaturanstiegs auf deutlich unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten, bestenfalls solle der Anstieg auf unter 1,5 Grad begrenzt werden [1]. Deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad – schnell wird klar, dass diese Grenzen nicht willkürlich gewählt wurden. Ganz im Gegenteil: Die Grenzen sind darauf ausgelegt die Auswirkungen der Klimakrise weltweit in einem kontrollierbaren Rahmen zu halten, sie sind darauf ausgelegt das Eintreten von Klimakipppunkten zu vermeiden. Mit deutlich unter 2 Grad, bestenfalls 1,5 Grad wurde also ein Ziel gewählt, das abwägt zwischen weltweiter Umsetzbarkeit und einem Ausmaß der Klimakrise, welches unbedingt verhindert werden muss. Es wurde ein Kompromiss gewählt zwischen den reichen Industriestaaten und den Ländern, die schnell und stark unter der Klimakrise leiden werden. Dass dieser Kompromiss sinnvoll ist wurde auch im Nachhinein vielfach wissenschaftlich bestätigt. So veröffentlichten beispielsweiße 2016 Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf und Ricarda Winkelmann, Wissenschaftler*innen des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ein Paper mit dem Titel „Warum die richtigen Klimaziele in Paris beschlossen wurden“ [2]. Darin zeigen sie auf, dass das Überschreiten von 1,5 Grad um jedes weitere zehntel Grad zu unumkehrbaren Folgen führen könnte, Kipppunkte ausgelöst werden könnten und die Klimakrise nicht mehr zu kontrollieren sei. Bei 2 Grad sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Kippunkte überschritten werden.

Am 12. Dezember 2015 beschlossen 196 Länder also wahrlich historisches. Historisches, das, wie bereits erwähnt, auch schon damals unter hohem Druck der Klimagerechtigkeitsbewegung entstand. So gab es beispielsweiße im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens etliche Aktionen. Allein am 28. und 29. Dezember 2015 waren weltweit 2.173 Veranstaltungen geplant [3]. Mit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens wurde also nicht nur von den 196 Ländern historisches geschaffen, sondern auch von der internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung.

Ist der 12. Dezember also ein Grund zu feiern?

Um das zu beantworten darf man nicht nur den 12. Dezember 2015 betrachten. Stattdessen muss man sich auch anschauen, was sich seit 2015 getan hat. Schnell wird einem klar, dass sich effektiv sehr wenig getan hat. Zurzeit steuern wir auf eine circa 4 Grad heißere Welt zu, vom 1,5 Grad-Ziel sind wir weit entfernt. Auch Deutschlands Klimaziele reichen bei Weitem nicht für die Erfüllung des Pariser Abkommens und verfehlen dabei sogar die 2-Grad-Grenze, wie auch nochmal die 1,5-Grad-Studie des Wuppertal Instituts in Auftrag von Fridays For Future Deutschland zeigt [4]. Eine Studie des Roten Kreuzes zeigt währenddessen, dass bereits heute 4 von 5 Naturkatastrophen sich auf Folgen der Klimakrise zurückführen lassen und, dass die Anzahl der wetterbedingten Katastrophen und Extremklimaereignisse pro Jahrzehnt um 35% steigen [5]. Schon heute leiden also vor allem die Länder, die 2015 auf ein ambitioniertes Pariser Klimaabkommen und die Festschreibung des 1,5-Grad-Ziels gedrängt haben, sehr stark unter den Folgen der Klimakrise.

Woran aber liegt es, dass das Pariser Klimaabkommen nicht umgesetzt wird?

Die internationale Klimagerechtigkeitsbewegung kämpft seit 2015 weiter für eine gerechte Klimapolitik. Derzeit kämpft sie in Deutschland unter anderem im Dannenröder Wald für eine Verkehrswende, sie verhinderte im April eine Abwrackprämie, kämpft für einen angemessenen Ausbau der erneuerbaren Energien und brachte am 20.09.2019 allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen [6]. Unterstützung fehlt jedoch aus der Politik. So weigern sich alle großen Parteien ein 1,5-Grad-kompatibles Parteiprogramm vorzulegen. Bislang hat noch keine Partei untersucht, wie man 1,5 Grad in Deutschland umsetzen könnte. Stattdessen wird gegen die Aktivist*innen im Dannenröder Wald vorgegangen, es wird ein unzureichendes Erneuerbaren-Energien-Gesetz vorgelegt, was den Ausbau der erneuerbaren Energien blockieren soll und es wird weiter an einer Klimapolitik festgehalten, die nicht mit dem Pariser Abkommen vereinbar ist.

Fünf Jahre nach dem Pariser Abkommen kämpft die Klimagerechtigkeitsbewegung also weiter, die Politik scheint sich aber nicht mehr an das Abkommen zu erinnern. Der 12. Dezember ist für die Klimagerechtigkeitsbewegung ein Grund zu feiern, ein Grund einmal Inne zu halten und sich selbst für alles erreichte zu loben. Für die Politik jedoch ist der 12. Dezember ein Tag zum Aufwachen. Ein Tag an dem es gilt endlich Mut zu fassen und Versäumtes aufzuholen.

Verweise

[1]United Nations, „Paris agreement,“ 2015. [Online]. Available: http://unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/english_paris_agreement.pdf. [Zugriff am 7 12 2020].
[2]S. R. R. W. Hans Joachim Schellnhuber, „Why the right climate target was agreed in Paris,“ Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung , 11 04 2016. [Online]. Available: http://www.pik-potsdam.de/~ricardaw/publications/schellnhuber_rahmstorf16.pdf. [Zugriff am 07 12 2020].
[3]wikipedia.org, „UN-Klimakonferenz in Paris 2015,“ [Online]. Available: https://de.m.wikipedia.org/wiki/UN-Klimakonferenz_in_Paris_2015. [Zugriff am 07 12 2020].
[4]Wuppertal Institut, „CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze,“ Wuppertal, 2020.
[5]Zeit online, „Klimawandel und Extremwetter lösen immer mehr Naturkatastrophen aus,“ 17 11 2020. [Online]. Available: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2020-11/rotes-kreuz-studie-naturkatastrophen-klimawandel-extremwetter. [Zugriff am 07 12 2020].
[6]ZDF, „Rekordzahlen bei Klimademos – Wo die meisten Menschen auf die Straße gingen,“ 20 09 2019. [Online]. Available: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/fazit-fridays-for-future-und-beschluesse-klimakabinett-100.html. [Zugriff am 07 12 2020].

Der Danni, die Grünen und das Klima – Wochen 47/48

Ein Jahr 29.11, verheerende Rodungen im Danni und #BlockFriday – das und alle anderen Klimarelevanten Themen fassen euch Nikah und Nils in unserem Klimaupdate zusammen!

Klimakippunkte in Asien bereits erreicht?

In der Klimawissenschaft spielen sogenannte Kipppunkte eine große Rolle. Wenn ein Kipppunkt erst einmal erreicht ist, lässt sich die daraus folgende Entwicklung nicht mehr aufhalten. Nach diesem Prinzip ist das 1,5 Grad Ziel aufgebaut. Ziel ist es, keine Kipppunkte mit verheerenden Folgen zu erreichen. In Zentralasien scheint nun einer dieser nicht rückführbaren Kipppunkte erreicht zu sein.

Peng Zhang von der Universität Chonnam in Südkorea und von der Universität Göteborg in Schweden und seine Kollegen vermuten, dass Dürreperioden und Hitzewellen nun dauerhaft das Klima in Zentralasien prägen werden. Zu diesem Ergebnis sind sie durch die Analyse von Jahresringen von Lärchen, Fichten und Kiefern in der Region gekommen. Anhand von diesen konnten sie die sommerlichen Temperaturen und die Bodenfeuchtigkeit der letzten 260 Jahre rekonstruieren. Die Forscher sind auf zwei auffällige Entwicklungen in der Vergangenheit gestoßen. Hitzewellen im Sommer sind seit den 1990er Jahren häufiger und die Feuchtigkeit der Böden nimmt seit der Jahrtausendwende sehr stark ab. In den vergangenen 260 Jahren war die Bodenfeuchte nie so niedrig und genau diese Entwicklung könnte sich selbst verstärken: Die Bäume steigern die Trockenheit der Böden, da sie ihnen in trockenen Jahren weiterhin Wasser entziehen. Die Temperatur wiederum steigt mit zunehmender Bodentrockenheit. 

Die Forscher vermuten, dass dieser Kipppunkt, welcher Hitzewellen und Dürreperioden mit sich bringt, bereits überschritten ist. „Wenn man sicher sein will, dass ein Kipppunkt bereits überschritten ist, sollte man solche Kombinationen aus Hitzewellen und Dürreperioden allerdings viel länger als zwei Jahrzehnte beobachten“, gibt der Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zu bedenken.

In der Geschichte wurden schon verheerende Kipppunkte erreicht, was z.B. die Savanne, welche heute als Dauerwüste bekannt ist und früher mehrere Jahrtausende eine grüne Savannen-Landschaft war, deutlich macht. Ähnliche Rückkopplungen könnten in einigen Regionen im Osten und in der Mitte Deutschlands erfolgen. Jedoch würde die Entwicklung zu einem anderen Ergebnis führen – aus Waldland dürfte hier keine Wüste, sondern eher eine Savanne werden. 

Die Grünen und das Klima

Die Grünen haben sich auf ihrem Parteitag als erste Partei zum 1,5 Grad Ziel bekannt. Das heißt, dass ihre Politik im Rahmen des 1,5 Grad Ziels bleibt. Das ist ein super wichtiger Schritt, jedoch reicht das alleine natürlich nicht aus. Nun müssen die Grünen sowie jede andere Partei zeigen, dass auf Worte ernstgemeinte Taten folgen. Das 1,5 Grad Ziel sollte für jede Partei der Rahmen für alle politischen Entscheidungen sein, damit Deutschland das Pariser Klimaabkommen einhält.

Egal ob CDU/CSU oder Bündnis 90 die Grünen – alle müssen sich im ersten Schritt zum 1,5 Grad Ziel bekennen und dann dementsprechende Politik, welche eine soziale und ökologische Wende zur Folge hat, realisieren. Damit eine Chance bleibt, das Ziel zu erreichen, muss das innerhalb der nächsten Jahre passieren. 

Gespräche mit Timmermans zur GAP

In den letzten beiden Wochen gab es Tweetstorms, jede Menge Input auf Social Media und Gespräche – Anuna De Wever, Adélaïde Charlier, Greta Thunberg und Luisa Neubauer haben sich am 25.11.2020 mit Klimakommissar Frans Timmermans getroffen, um mit ihm über unsere Forderung, die GAP zu kippen, zu reden. Obwohl Timmermans einsieht und bereits angekündigt hat, die GAP in ihrer aktuellen Verfassung nicht durchwinken zu wollen, bestand er im Gespräch darauf, dass die GAP zu kippen nicht die Lösung ist. Von unserer Seite aus gibt es ein klares Nein zu seinem Ansatz. 

Warum es so wichtig ist, die GAP auch im letzten Verhandlungsstadium noch zurückzuziehen, ist vor allem die Art der Verteilung des Geldes. Laut Timmermans eigener Aussage gehen aktuell 80% des Geldes an nur 20% der Landwirte. Es ist klar, dass so kleinbäuerliche Biobetriebe untergehen – wie viele es schon getan haben. Wir haben nicht die Zeit, nochmal sieben Jahre lang Agrarfabriken und Massentierhaltungsbetrieben das Geld zu geben, das für ein Umdenken und eine Umstrukturierung gebraucht wird. Wir brauchen eine GAP, die nicht nur grün aussieht, sondern es auch hinter der Fassade ist. Unsere Landwirt*innen brauchen finanzielle Unterstützung, um mit den bereits geschehenen Konsequenzen des Klimawandels fertig zu werden und ihre Betriebe mit Blick auf die Zukunft gestalten zu können. 

Tag X im Danni- wie ist die Lage jetzt?

Immer wieder kam es seit dem verheerenden Tag X vor drei Wochen zu Unfällen und Verletzungen. Bäume sind gefallen und dank Fahrlässigkeit und in manchen Fällen Vorsätzlichkeit der Polizei, mit ihnen auch viele Aktivisti. Ob der eigene Tripod oder der Baum daneben gefällt wird, an Sicherungseilen gespielt oder gegen Hängemattenseile getreten wurde, die Vorkommnisse der letzten Wochen zeugen von einem unverantwortlichen Auftreten der Polizei und teilweise auch der Waldarbeitenden. Pfefferspray und auch bei diesen Temperaturen Wasserwerfer im Einsatz kennen wir schon. Neu ist, Menschen in 20 Metern Höhe zu tasern. Die Gewalt, die die Aktivist*innen im Danni aktuell erfahren, ist unmenschlich. Und das, wir wiederholen uns, für eine neue Autobahn mitten in der Klimakrise. 

Laut BUND geht aus einem Gerichtsurteil vom Juli hervor, dass der hessische Verkehrsminister Tarek AL-Wazir Handlungsspielräume hat, die er selbst allerdings entschieden abweist. Laut seiner Aussage könnte allein die Bundesregierung den Bau noch stoppen. Umwelt- und Klimagruppen mobilisieren weiter, Ende Geländes Aktion am 22.11. ist nur ein Beispiel für den andauernden und immer noch wachsenden Protest. Es bleibt also weiterhin spannend, jeden Tag kann etwas Neues passieren. Wir hoffen, dass keine weiteren Menschen in Gefahr geraten und alle, inklusive dem Danni, unbeschadet aus den Aktionen wieder herauskommen. 

29.11. – kurzer Jahresrückblick #fighteverycrisis

Ein Jahr ist der letzte „normale“ Klimastreik her. Der 29.11.2019 war der insgesamt vierte globale Klimastreik von Fridays for Future. Seitdem ist viel passiert, so viel, dass es uns manchmal vorkommt, als wäre es schon ewig her. In Anbetracht einer neuen globalen Krise, die es zu meistern gilt, kämpfen wir immer wieder an unterschiedlichen Fronten damit, dass der Klimawandel, auch wenn er gerade nicht im Vordergrund stehen mag, weiterhin unsere Aufmerksamkeit erfordert. 

Im aktuellen Weltkatastrophenbericht der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC) wird das Jahr 2019 aufgearbeitet. Viel Positives ist nicht zu verzeichnen, denn mehr als drei Viertel der Naturkatastrophen, in denen Tausende von Menschen ihr Leben verloren haben, hängen direkt oder indirekt mit dem Klimawandel zusammen. Denken wir zurück an die Wirbelstürme im letzten Wochenbericht, ist die Lage 2020 alles andere als besser geworden. Umso wichtiger war es, dass wir trotz globaler Pandemie physisch und online Präsenz gezeigt haben und mit unserem Aktivismus das Thema Klimaschutz weiterhin präsent halten. Wir haben dieses Jahr zwei globale Streiks unter erschwerten Bedingungen gemeistert und auch im kommenden Jahr werden wir uns nicht aufhalten lassen. 

Blackfriday #Blockfriday

Am Freitag, den 27.11 fanden bundesweit Blockadeaktionen auf Autobahnen bzw. über Autobahnen statt. Aktivist*innen seilten sich mit Transparenten an Autobahnnrücken ab, um Aufmerksamkeit auf den Ausbau der A49 zu lenken. In Jena z.B. seilten sich zwei Aktivist*innen von einer Brücke ab und verursachten somit einen kilometerlangen Stau. ,,Wir brauchen jetzt eine Mobilitätswende hin zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Es kann nicht sein, dass völlig unzeitgemäße Pläne von vor Jahrzehnten, wie der Bau einer neuen Autobahn, weiterverfolgt werden und ein gesunder, 300 Jahre alter Mischwald dafür gerodet wird. Ohne Verkehrswende kann das Pariser Klimaabkommen nicht eingehalten werden und es werden unumkehrbare Kipppunkte erreicht, die uns alle bedrohen.“, teilen die Aktivist*innen mit.

Natürlich ist der Aktionstag nicht zufällig am Black Friday, dem Tag, an dem unsere Konsumgesellschaft entblößt ist wie an keinem anderen. Dabei werden weniger die Konsumenten selbst, sondern das gewinnmaximierende System, welches für solche Ereignisse sorgt, kritisiert.