Storckerweiterung in Halle (Westf.) | Altkreis Halle (Westf.)

Jeder kennt die Firma Storck und die Süßigkeiten, die bei uns in Halle (Westf.) produziert werden. 🍬🍫🍭

Nun plant die Storck GmbH, die sich übrigens selbst „Fabrik im Grünen“ nennt, unter anderem, 7 ha intakten Wald 🌳🌲🌳 abzuholzen, um dort noch schneller, noch mehr Zuckerzeug herstellen zu können! 😵

Wir kritisieren diese Planung massiv und setzen uns, hier vor Ort, für den Erhalt des ökologisch intakten und artenreichen Mischwalds ein!

Unsere Stellungnahme zur Storckerweiterung – 06.12.2020

Öffentliche Auslegung gemäß § 3 Abs. 2 und § 4 Abs. 2 BauGB | Änderung „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Straße (L782), A33, und Rücknahme nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße“ in Hallewestfalen

Sehr geehrte Damen, Herren und Diverse,

Fridays for Future Altkreis Halle fordert bei der Erstellung des Flächennutzungsplans „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Straße (L782), A33, und Rücknahme nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße“ die Flächenversiegelung und den Waldverlust auf ein Minimum zu beschränken. Eine großflächige Rodung und Versiegelung der Fläche ist unter keinen Umständen mit den Klimazielen der Stadt Halle oder einer nachhaltigen Politik vereinbar!

Die Rodung des Waldes ist mit dem Verlust von ökologisch intaktem Misch- und Laubwald verbunden, in welchem Bäume stehen, die bis zu 200 Jahre alt sind. Dies ist in Anbetracht der Klimakrise und der damit einhergehenden zunehmenden Trockenheit und dem erhöhten Waldbrandrisiko inakzeptabel.

Statt weiterhin intakte Flächen zu zerstören und damit „business as usual“ weiterzubetreiben, müssen wir zu einer neuen Wirtschaftspolitik kommen, die auf Erweiterungen auf ökologisch wertvollen Flächen verzichtet. Eine unendliche Flächenversiegelung aufgrund von wirtschaftlichen Interessen ist weder mit einem intakten Klima noch einer nachhaltig intakten Ökosphäre vereinbar. Zudem sollte man Waldgebiete schützen, die noch nicht vom Borkenkäfer betroffen sind.

Der Wald erfüllt wichtige Funktionen in Halle (Westf.):

So speichert er 13-15 Tonnen CO2 im Jahr, welche zukünftig durch eine Rodung der Fläche die Luft und Umwelt belasten würden.

Er dient auch als Kaltluftentstehungsfläche für das lokale Kleinklima der Stadt Halle und als Kaltluftschneise zwischen dem Tatenhauser und Teutoburger Wald. Kaltluftentstehungsflächen sind auch für die Klimaanpassung ein wichtiger Faktor. Der IPCC sagt dazu: „Sowohl die globale Erwärmung als auch die Verstädterung können die Erwärmung in Städten und ihrer Umgebung verstärken (Wärmeinseleffekt), insbesondere bei Hitzeereignissen, einschließlich Hitzewellen (hohes Vertrauen). Die Nachttemperaturen sind von diesem Effekt stärker betroffen als die Tagestemperaturen (hohes Vertrauen). Zunehmende Verstädterung kann auch extreme Niederschlagsereignisse über der Stadt oder gegen den Wind in städtischen Gebieten verstärken (mittleres Vertrauen).“ [1]

Im Wald leben 45 verschiedene Vogelarten, von denen sechs geschützt sind (Eisvogel, Grünspecht, Mäusebussard, Sperber, Teichhuhn und Waldkauz). 38 dieser Vogelarten sind Brutvögel, ihnen würde durch die Bebauung des Gebietes ihr Lebensraum fehlen. Auch die dort heimischen 14 Fledermausarten würden ihr Zuhause verlieren. Im vorliegenden Gebiet liegt eine sehr hohe Aktivität der Fledermäuse vor. Durch die Trockenlegung der beiden Teiche geht den heimischen Amphibien der Lebensraum und das Fortpflanzungsgewässer verloren. Betroffen wäre dadurch beispielsweise die Erdkröten.

Durch die Bebauung werden die bestehenden Bodenfunktionen vollständig zerstört. Durch die Bodenversiegelungen wird es zu einer Verminderung der Grundwasserneubildung sowie zu einer Verringerung der Fläche für eine Versickerung von Regenwasser kommen.

Ein ausreichender Ausgleich für die Waldfläche kann nicht realisiert werden, da es in Halle an Ausgleichsflächen mangelt und Ausgleichsflächen in benachbarten Orten, wie Werther, unzureichend oder ebenfalls Mangelware sind. Solche Flächen haben keinen Mehrwert für die heimischen Tiere, Bürger*innen der Stadt Halle und die, das Kleinklima betreffenden Veränderungen vor Ort. Außerdem ist ein neu angepflanzter Wald erst in 50 bis 60 Jahren fähig, die Funktionen eines intakten Waldes zu erfüllen.

Laut des Umweltbundesamtes liegt die derzeitige tägliche Umwidmung von unbebautem Boden in bebaute oder anderweitig genutzte Flächen in Deutschland bei circa 66 Hektar am Tag und liegt weit von dem Ziel der Bundesregierung entfernt, den Verbrauch auf weniger als 30 Hektar pro Tag im Jahr 2030 zu senken.[2] Es ist somit zwingend erforderlich, den Flächenverbrauch zu reduzieren.

Der IPCC sagt zur Flächennutzung: „Alle untersuchten modellierten Pfade, welche die Erwärmung auf 1,5 °C oder weit unter 2 °C begrenzen, erfordern landbasierte Minderung und Landnutzungsänderung, wobei die meisten verschiedene Kombinationen aus Wiederaufforstung, Aufforstung, reduzierter Entwaldung und Bioenergie beinhalten (hohes Vertrauen)“.[3] Das spricht dafür, dass die Reduktion des Flächenverbrauchs und vor allem das Schützen von Waldflächen essenziell für die Einhaltung der Pariser Klimaziele ist.

Um dieses wertvolle Gebiet zu schützen und die Erweiterung der Firma Storck so nachhaltig wie möglich zu gestalten, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Es sollte auf schon versiegelten Flächen gebaut werden und so wenig Waldflächen wie möglich verloren gehen.
  • Die Firma Storck muss sich verpflichten, ihre Produktion zeitnah, und ab 2025 ohne bzw. nur in nicht kompensierbaren Bereichen mit Kompensationszahlungen, klimaneutral zu gestalten.
  • Die Erweiterung der Parkflächen sollte möglichst platzsparend und intelligent geschehen und es sollten mit der Firma Storck Gespräche geführt werden, wie die Belegschaft möglichst auf das Auto verzichten kann, sodass weniger Parkplätze insgesamt benötigt werden. Dazu sollte die Nutzung der Bahn und die Fahrrad/E-Bike-Nutzung gefördert werden. Die Zustimmung zu den Erweiterungsplänen sollte an einen Erfolg dieser Gespräche gekoppelt werden.
  • An die Erlaubnis zum Bau von Gebäuden sollten Auflagen hinsichtlich des Energiestandards und der Installation von Photovoltaikanlagen geknüpft werden.

Zudem sollte die Stadt sich mit einer Strategie zur Verringerung der Ausweisung von neuen Gewerbeflächen auf bisher unbebauter Fläche befassen und wenn möglich, einen Stopp von Flächenversiegelung auf intaktem Boden verfügen.

Verspielen sie nicht unsere Zukunft mit der achtlosen Rodung von wertvollem Wald.

Sie sind die Politiker*innengeneration die in dieser Wahlperiode maßgeblich dazu beitragen muss, dass eine Einhaltung der Pariser Klimaziele noch möglich ist.

Quellen:

[1]: IPCC (2019): Climate Change and Land. An IPCC Special Report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems, S. 1 43. Online verfügbar unter https:/ https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2019/08/SPM_Approved_Microsite_FINAL.pdf, zuletzt geprüft am 06.12.2020 (Eigene Übersetzung)
[2]: https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden landwirtschaft/bodenbelastungen/bebauungversiegelung Zuletzt geprüft am 06. 12.2020
[3]: IPCC (2020): IPCC Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL). Hauptaussagen des IPCC Sonderberichts über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen. Online verfügbar unter https://www.de ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_SRCCL.pdf, zuletzt geprüft am 15.07.2020. S. 5

Offener Brief zu der geplanten Erweiterung der Firma Storck

Fridays for Future Altkreis Halle und über 177 Unterstützer*innen:

Sehr geehrter Herr Oberwelland,

im Februar dieses Jahres sagten Sie, dass bei der geplanten Erweiterung Ihres Unternehmens Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden müssten. Das wünschen wir uns für Halle (Westf.) und sehen dieses in den aktuellen Planungen noch nicht verwirklicht.

Weltweit brennen die Wälder und sterben die Arten und der Klimawandel schreitet ungebremst voran. Nach großen Waldverlusten durch den Bau der Autobahn verdorren nun auch hier großflächig Fichten, Kiefern und Buchen.

Wir sind in großer Sorge, besonders um die Zukunft unserer jungen Generation und deren Kinder und Enkel. Wir können uns im Hinblick auf die Klimakrise keinen Waldverlust mehr leisten!

Auch Storck und die anderen großen Wirtschaftsunternehmen in Deutschland müssen sich Gedanken über wirtschaftliche Tätigkeiten ohne enormen Ressourcen- und Flächenverbrauch machen und zwar jetzt und nicht in 30 Jahren! 

Daher wünschen wir uns für Ihre Ausbaupläne eine intelligente Lösung, die ohne weitere großflächige Waldverluste für Halle auskommt.

Wir Bürgerinnen und Bürger fordern Sie auf, Alles zu unternehmen, um den ökologisch intakten und für Halle (Westf.) in vieler Hinsicht wertvollen „Steinhausener Wald“ zu erhalten.

Fridays for Future Altkreis Halle und über 177 Unterstützer*innen

Ausschüsse bzgl. der Storckerweiterung

Dienstag, der 26.01.2021 17:15 Uhr

Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss


Kleine Protestaktion am Dienstag (26.01.21) vor dem Haller Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss zusammen mit XR Bielefeld zur Storckerweiterung 🌳

  • Tagesordnungspunkt Nr. 8: Bebauungsplan Nr. 80 „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Str. (L782), A33“
    hier: Beratung über die während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß §§ 3(1), 4(1), 2(2) BauGB eingegangenen Anregungen,
    Beschluss zur Entwurfsoffenlage gemäß § 3(2) BauGB

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Mittwoch, der 20.01.2021 17:15 Uhr

Haupt- und Finanzausschuss, 3. Sitzung

Haller Haupt- und Finanzausschuss (3. Sitzung) am 20.01.2021 zur Storckerweiterung mit kurzer Unterbrechung von uns.

  • Tagesordnungspunkt Nr. 4: Änderung des Flächennutzungsplans „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Straße (L 782), A 33 und Rücknahme nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße“
    hier: Beratung über die bisherigen Verfahrensergebnisse, hier über die während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß §§ 3(1), 4(1), 2(2) BauGB eingegangenen Anregungen etc. und über die während der Offenlage und der Beteiligung der Behörden und der sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß §§ 2(2), 3(2), 4(2) BauGB eingegangenen Anregungen etc.
    Vorbereitung des Feststellungsbeschlusses für die 18. Flächennutzungsplan-Änderung

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Dienstag, der 15.12.2020 17:15 Uhr

Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz, 1. Sitzung

Auch am Dienstag (15.12.2020) waren wir beim Haller Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz dabei und sind vom Beschluss zum TOP der Storckerweiterung mehr als enttäuscht…

  • Tagesordnungspunkt Nr. 4: Antrag der Fa. August Storck KG auf Erteilung einer Genehmigung gemäß § 68 Wasserhaushaltsgesetz zur Umlegung des Laibaches auf dem Abschnitt zwischen der Bahnlinie „Haller Willem“ und der Autobahn A33

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Donnerstag, der 03.09.2020 17:15 Uhr

Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss, 43. Sitzung

Auch bei diesem Ausschuss waren wir wieder dabei.

  • Bebauungsplan Nr. 80 „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Str. (L782), A33“
    hier: Beratung über die während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß §§ 3(1), 4(1), 2(2) BauGB eingegangenen Anregungen,
    Beschluss zur Entwurfsoffenlage gemäß § 3(2) BauGB

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Dienstag, der 01.09.2020 17:15 Uhr

Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz, 28. Sitzung

Am 01.09.2020 waren wir wieder beim „Storck-Ausschuss“ dabei und haben den Politiker*innen auf die „Finger geschaut“.

  • Antrag der August Storck KG vom März 2020 auf Änderung der gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis zur Förderung von Grundwasser sowie der Zulassung des vorzeitigen Beginns
  • Antrag der August Storck KG auf Erteilung einer Genehmigung gemäß § 68 Wasserhaushaltsgesetz zur Umlegung des Laibaches auf dem Abschnitt zwischen der Bahnlinie „Haller Willem“ und der Autobahn A33

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Mittwoch, der 19.08.2020 17:15 Uhr

Haupt- und Finanzausschuss, 52. Sitzung im Event-Center, Roger-Federer-Allee 4

Am 19.08.2020 waren auch wir beim „Storck“ -Ausschuss im Event Center dabei und hatten einen Beitrag in der WDR Lokalzeit.

  • 18. Änderung des Flächennutzungsplans „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Straße (L782), A 33, Margarethe-Windthorst-Straße und Rücknahme nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße“
    hier: Beratung über die während der frühzeitigen Öffentlichkeits-beteiligung und der Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange gemäß §§ 3(1), 4(1), 2(2) BauGB eingegangenen Anregungen (vorläufige Auswertung), Beschluss zur Entwurfsoffenlage gemäß § 3(2) BauGB. Flächennutzungsplanänderung der Stadt Halle (Westf.

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Leserbrief zum Ausschuss am 19.08.2020

Die Parteien im Rat verkennen die Realität

Sehr geehrte Damen, Herren und Diverse,

gestern in der HFA-Sitzung betonten alle Ausschussmitglieder, außer Frank Winter, wie wichtig Storcks Wachstum für Halle sei. Besonders stach dabei Herr Tappe heraus, der zunächst lobend auf Fridays For Future einging, um dann eine Kehrtwende zu machen und voll auf den Arbeitsplätze- und Wirtschaftswachstumszug aufzuspringen.
Dass er sich dabei noch auf zukünftige Generationen bezog und meinte, dies wäre ja besonders gut für diese, ist schon etwas dreist.

Was alle hier nicht verstehen ist, dass wir um den Klimawandel und das Artensterben aufzuhalten nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Das heißt konkret, dass wir Waldrodungen und CO2-Emissionen und weitere Flächenversiegelungen nicht nur minimieren, sondern auf Nettonull bringen müssen, bei den Emissionen sogar wieder etwas aus der Atmosphäre zurückholen müssen (sog. negative Emissionen).
Das läuft auf die Preisfrage hinaus: Ist diese Entwicklung mit weiterem Wirtschaftswachstum vereinbar?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten: Herr Tappe, Frau Sommer und vielleicht auch Frau Witte und auch UWG und FDP sagen ja. So auch unser Wirtschaftsminister und so ziemlich alle Politiker in Deutschland. Sie glauben, dass wir das Wirtschaftswachstum (bspw. eine Produktionserhöhung der Firma Storck) vom Ressourcenverbrauch, also CO2-Ausstoß, Flächenverbrauch und Wasserverbrauch entkoppeln können. Heißt, bei weiteren Wachstum wird die Ökosphäre nicht weiter belastet und die Belastung soll sogar sinken. Alles möglich machen soll das im wesentlichen Technologie.
Die andere Position, auf der ich und vielleicht auch einige andere in den Einwendungen stehen ist nein, diese Entwicklung ist nicht mit Wirtschaftswachstum vereinbar.

Der offensichtlichste Grund ist, wir leben auf einem endlichen Planeten, sowohl hinsichtlich Platz, als auch hinsichtlich der Ressourcen. Damit ist ein unendliches Wachstum nicht möglich. Nun ist das Gegenargument, wir könnten das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. Wir verbessern die Effizienz einfach so, dass wir pro Tonne Süßigkeiten nicht 6 Kubikmeter sondern nur noch 3 verbrauchen, wie Storck ja gezeigt hat. Das ist auch erstmal was Gutes. Nur führt das nicht zur besagten Entkoppelung. Scheinbar verwechseln die meisten Politiker in Deutschland und auch in Halle, eine relative Entkopplung mit einer absoluten Entkopplung. Relativ zur hergestellten Menge an Süßigkeiten wird der Verbrauch von Wasser natürlich weniger. Aber absolut wird er mehr. Genauso beim Flächenverbrauch. Durch flächensparendes Bauen wird relativ zur Produktionskapazität der Firma weniger Platz benötigt. Aber absolut wird mehr Platz verbraucht. Und diesen Konflikt kann man nicht auflösen. Mit einem Wachstum bei Storck geht zwingend Ressourcenverbrauch einher.

Nun stellt sich zum Schluss noch eine Frage: Sollten wir noch weiter wachsen oder nicht? Ist das vertretbar?
Hier sage ich und ganz viele andere nein. Weil die planetaren Belastungsgrenzen schon dermaßen überstrapaziert sind, dass wir sehenden Auges bis Mitte und Ende des Jahrhunderts in eine gigantische Klimakrise wandern.
Das heißt, dass die Fortführung des Verfahrens der Firma Storck wieder zur Zerstörung der Umwelt beträgt und mehr Ressourcen in Anspruch nimmt, die wir nicht besitzen. Wir leben auf Pump, was meine Generation und nachfolgende Generationen noch viel mehr, ausbaden dürfen. Wir müssen aufhören mit einem Wachstum, das darauf basiert, die planetaren Belastungsgrenzen zu überschreiten.

Leider fehlt es den meisten Menschen, wie Herrn Tappe oder seinem Parteikollegen Herrn Altmeier an Vorstellungskraft, wie eine Wirtschaft ohne Wachstum oder ein „Degrowth“, ein Absinken der Wirtschaftsleistung aussieht. Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich wäre. Jedoch ist dabei eines klar: Wir leben über unsere Verhältnisse. In Zukunft wird der Wohlstand nicht mehr ewig und immer schneller wachsen. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft ohne die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse auskommen müssen und alle arm wie im Mittelalter werden, sondern einen Gedanken von Suffizienz verfolgen müssen, indem wir uns von all den umweltschädlichen Aktivitäten in unserem Leben verabschieden.

Natürlich müssten wir dafür auch alles andere umkrempeln, wie die Steuereinnahmen der Kommunen, unseren Sozialstaat und vieles mehr, dennoch bleibt uns keine großartige Alternative übrig. Auch der IPCC kommt zu diesem Schluss: „Die Temperatur auf 1,5 Grad zu begrenzen würde schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Aspekten der Gesellschaft erfordern.“
Ich hoffe, dass wir die Kurve noch hinbekommen, weg vom unendlichen Wachstum und dem Gedanken an ein grünes Wachstum hin zu einem Lebenstil der verträglich mit einer für Menschen habitablen Ökosphäre ist.

„Die Menschen leiden, sie sterben, ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Anfang eines Massensterbens und alles, worüber ihr sprechen könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wirtschaftswachstum – Wie könnt ihr es wagen?“ (Greta Thunberg 2019)

Folgen der Storckerweiterung

Was verändert sich durch die Storckerweiterung an der betroffenen Fläche?

  • Rodung von ca. 7ha ökologisch intaktem Wald
  • Neuversiegelung von ca. 4,4ha Fläche; danach dort versiegelte Fläche: 6,3ha
  • Umlegung des Biotops Laibach
  • Trockenlegung und Überbauung der beiden Teiche
  • Wegfall des Paulinenwegs (kann nicht mehr als Zuweg zum Tatenhausener Wald genutzt werden)
  • Wegfall des hintereren Teils des Steinhauser Wegs (wird hinter der Siedlung an der Arrode auf die Arrode geleitet)
  • Nebau einer Verbindungsstraße zwischen der Arrode und der Autobahnbrücke

Weitere Argumente in unserer Argumentationshilfe

Karte: © OpenStreetMap contributors

(Klick auf das Bild zum Vergrößern)

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Waldspaziergänge

1./.2 Waldspaziergang am 12. Juli 2020

Am 12.07.2020 um 11 Uhr und 13:30 Uhr haben wir zusammen mit Hartmut Lüker vom BUND und dem Förster Alois Tenkhoff einen informativen Spaziergang veranstaltet, der durch den von der Storckerweiterung gefährdeten Wald führte. Über 60 interessierte Bürger*innen hatten sich im Vorfeld angemeldet.
Jeweils zwei Stunden zeigten unsere Referenten den Teilnehmer*innen den noch ökologisch intakten Wald und haben erfahren, was genau durch die Storckerweiterung zerstört und stattdessen neu gebaut werden soll. Bei den Teilnehmer*innen entstand eindeutig der Eindruck wie grundlegend sich die gesamte Fläche und die Wegesituation für Spaziergänger und Radfahrer verändern wird.
Wir sehen weiterhin die Storckerweiterung und die damit verbundene Zerstörung von 7ha Wald und Trockenlegung von zwei Teichen sehr kritisch und fordern die Firma Storck sowie alle politischen Entscheidungsträger auf, ihr Denken in der Flächenverbrauchspolitik zu verändern!


3./ 4. Waldspaziergang am 02. August 2020

Nach unseren beiden ersten Waldspaziergängen, haben wir am 02. August 2020 um 11 Uhr und 13:30 Uhr wieder, zusammen mit Hartmut Lüker vom BUND und dem Förster Aloys Tenkhoff, zwei weitere informative Spaziergänge, durch den von der Storckerweiterung gefährdeten Wald, angeboten. Auch dieses Mal war das Interesse wieder sehr groß, sodass wir insgesamt über 60 interessierte Bürger*innen am Sonntag begrüßen durften. Wir sehen die Storckerweiterung weiterhin als sehr kritisch an (siehe unsere Stellungnahme).

Film: LIEBER WALD – Klimakrise und Waldsterben 2020

Hier ein sehr bewegender Film über den Zustand des Waldes mit aktuellen Bildern aus OWL – auch der „Storckwald“ und wir sind vertreten. Schön, aber auch traurig!

Zum Film auf YouTube

Unsere Stellungnahme zur Storckerweiterung – 15. Juli 2020

Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 BauGB

Sehr geehrte Damen, Herren und Diverse,

Fridays forFuture Altkreis Halle stellt sich klar gegen die aktuellen Erweiterungspläne und alle damit verbundenen Verfahren der Firma Storck.

Das Gebiet, auf dem Storck die Erweiterung durchführen möchte, ist aus ökologischen und sozialen Gründen schützenswert und nicht für die Erweiterung geeignet.

Das Waldgebiet östlich von Storck ist ein sehr geschätztes Erholungsgebiet, welches für viele Spaziergänger, Radfahrer und Jogger ein beliebter Ort ist, um die Natur zu genießen und sich den jeweiligen Aktivitäten zu widmen. Auch würde der Weg in den Tatenhauser Wald erschwert und deutlich unattraktiver.

Die Rodung des Waldes wäre mit dem Verlust von ökologisch intaktem Misch-und Laubwaldverbunden, in welchem Bäume stehen, die bis zu 200 Jahre alt sind. Dies ist in Anbetracht der Klimakrise und der damit einhergehenden zunehmenden Trockenheit und dem erhöhten Waldbrandrisiko inakzeptabel.

Statt weiterhin intakte Flächen zu zerstören und damit „business as usual“ weiterzubetreiben, müssen wir zu einer neuen Wirtschaftspolitik kommen, die auf Erweiterungen auf ökologisch wertvollen Flächen verzichtet. Eine unendliche Flächenversiegelung aufgrund von wirtschaftlichen Interessen ist weder mit einem intakten Klima, noch einer nachhaltig intakten Ökosphäre vereinbar. Zudem sollte man Waldgebiete schützen, die noch nicht vom Borkenkäfer betroffen sind.

Der Wald erfüllt wichtige Funktionen in Halle (Westf.): So speichert er 13-15 Tonnen CO2 im Jahr, welche zukünftig durch eine Rodung der Fläche die Luft und Umwelt belasten würden. Er dient auch als Kaltluftentstehungsfläche für das lokale Kleinklima der Stadt Halle und als Kaltluftschneise zwischen dem Tatenhauser und Teutoburger Wald.

Kaltluftentstehungsflächen sind auch für die Klimaanpassung ein wichtiger Faktor. Der IPCC sagt dazu: „Sowohl die globale Erwärmung als auch die Verstädterung können die Erwärmung in Städten und ihrer Umgebung verstärken (Wärmeinseleffekt), insbesondere bei Hitzeereignissen, einschließlich Hitzewellen (hohes Vertrauen). Die Nachttemperaturen sind von diesem Effekt stärker betroffen als die Tagestemperaturen (hohes Vertrauen). Zunehmende Verstädterung kann auch extreme Niederschlagsereignisse über der Stadt oder gegen den Wind in städtischen Gebieten verstärken (mittleres Vertrauen).“ [1]

Im Wald leben 45 verschiedene Vogelarten von denen sechs geschützt sind. (Eisvogel, Grünspecht, Mäusebussard, Sperber, Teichhuhn und Waldkauz) 38 dieser Vogelarten sind Brutvögel, ihnen würde durch die Bebauung des Gebietes ihr Lebensraum fehlen. Auch die dort heimischen 14 Fledermausarten würden ihr Zuhause verlieren. Im vorliegenden Gebiet liegt eine sehr hohe Aktivität der Fledermäuse vor. Durch die Trockenlegung der beiden Teiche geht den heimischen Amphibien der Lebensraum und das Fortpflanzungsgewässer verloren. Betroffen wäre dadurch beispielsweise
die Erdkröten.

Durch die Bebauung werden die bestehenden Bodenfunktionen vollständig zerstört. Durch die Bodenversiegelungen wird es zu einer Verminderung der Grundwasserneubildung sowie zu einer Verringerung der Fläche für eine Versickerung von Regenwasser kommen.

Ein ausreichender Ausgleich für die Waldfläche kann nicht realisiert werden, da es in Halle an Ausgleichsflächen mangelt und Ausgleichsflächen in benachbarten Orten, wie Werther, unzureichend oder ebenfalls Mangelware sind. Solche Flächen haben keinen Mehrwert für die heimischen Tiere, Bürger*innen der Stadt Halle und die, das Kleinklima betreffenden Veränderungen vor Ort. Außerdem ist ein neu angepflanzter Wald erst in 50 bis 60 Jahren fähig, die Funktionen eines intakten Waldes zu erfüllen.

Laut des Umweltbundesamtes liegt die derzeitige tägliche Umwidmung von unbebautem Boden in bebaute oder anderweitig genutzte Flächen in Deutschland bei circa 66 Hektar am Tag und liegt weit von dem Ziel der Bundesregierung entfernt, den Verbrauch auf weniger als 30 Hektar pro Tag im Jahr 2030 zu senken. [2] Es ist somit zwingend erforderlich den Flächenverbrauch zu reduzieren.

Der IPCC sagt zur Flächennutzung: „Alle untersuchten modellierten Pfade, welche die Erwärmung auf 1,5 °C oder weit unter 2 °C begrenzen, erfordern landbasierte Minderung und Landnutzungsänderung, wobei die meisten verschiedene Kombinationen aus Wiederaufforstung, Aufforstung, reduzierter Entwaldung und Bioenergie beinhalten (hohes Vertrauen)“. [3] Das spricht dafür, dass die Reduktion des Flächenverbrauchs und vor allem das Schützen von Waldflächen essentiell für die Einhaltung der Pariser Klimaziele ist.

Für den Fall, dass einer Erweiterung der Firma Storck zugestimmt wird, fordern wir, nicht auch noch bei der Umsetzung der Erweiterung in veraltete, nicht zukunftsweisende Denkmuster zu verfallen und einige Dinge zu beachten:

Die Erweiterung sollte auf schon versiegelten Flächen stattfinden und so wenig Waldflächen wie möglich beanspruchen.

Die Firma Storck muss sich verpflichten ihre Produktion zeitnah, und ab 2025 ohne, bzw. nur in nicht kompensierbaren Bereichen mit Kompensationszahlungen, klimaneutral zu gestalten.

Die Erweiterung der Parkflächen sollte möglichst platzsparend und intelligent geschehen und es sollten mit der Firma Storck Gespräche geführt werden, wie die Belegschaft möglichst auf das Auto verzichten kann, sodass weniger Parkplätze insgesamt benötigt werden. Dazu sollte die Nutzung der Bahn und die Fahrrad/E-Bike-Nutzung gefördert werden. Die Zustimmung zu den Erweiterungsplänen sollte an einen Erfolg dieser Gespräche gekoppelt werden.

Zudem sollte die Stadt sich mit einer Strategie zur Verringerung der Ausweisung von neuen Gewerbeflächen auf bisher unbebauter Fläche befassen und wenn möglich, einen Stopp von Flächenversiegelung auf intaktem Boden verfügen.

Wir fordern, dass die politischen Entscheidungsträger erkennen, dass eine Weiter-so-Politik bei der Flächenversiegelung und der Zerstörung intakter Waldflächen keine Zukunft hat und daher auf die Flächenversiegelung verzichtet wird!

Quellen:

[1]: IPCC (2019): Climate Change and Land. An IPCC Special Report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes interrestrial ecosystems, S. 1–43. Online verfügbar unter
https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2019/08/4.-SPM_Approved_Microsite_FINAL.pdf, zuletzt geprüft am 15.07.2020 (Eigene Übersetzung)
[2]: https://www.umweltbundesamt.de/themen/bodenlandwirtschaft/bodenbelastungen/bebauung-versiegelung Zuletzt geprüft am 15.07.2020
[3]: IPCC (2020): IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL). Hauptaussagen des IPCC-Sonderberichts über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen. Online verfügbar unter https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_SRCCL.pdf, zuletzt geprüft am 15.07.2020. S. 5

Stellungnahmen der BUND Kreisgruppe Gütersloh zur Storckerweiterung

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  • 18. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Halle (Westf.)
    „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Str. (L 782), A 33, Margarethe-Windthorst-Straße“
    Aufstellung Bebauungsplan Nr. 80 „Östliche Erweiterung Firma Storck, Paulinenweg, Theenhausener Straße (L 782), A 33“

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  • Änderungsantrag zur gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis für div. Brunnen und zur Integration des geplanten Neubrunnens
    sowie Antrag auf Zulassung des vorzeitigen Beginns hinsichtlich der Aufhebung der Deckelung der bestehenden Alt-Brunnen der Fa. August Storck KG

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Bildergallerie

Soll dieser ökologisch intakter Wald (70.000m²) wirkich gerodet werden?


Fridays for Future Altkreis Halle | Kontakt: altkreishalle[at]fridaysforfuture.de