Hamburg for Future sagt Moin!



grosstreik aktivwerden klimacamp woaktiv

Du bist Mutter*, Vater*, Psycholog*in, Ärzt*in, Wissenschaftler*in, Unternehmer*in, Landwirt*in, Architekt*in oder fühlst dich einer anderen gesellschaftlichen Gruppe zugehörig? Und DU möchtest dich einbringen – klicke hier!


Highlights

Hamburgs neuer Schriftzug

Die Klimakrise als Gerechtigkeits-, Freiheits-, Wirtschafts-, Sicherheits- und zukunftbedrohendste Krise unserer Zeit kann nur gemeinschaftlich angegangen und gelöst werden. Für diese Vision brauchen wir gesamtgesellschaftliche Bündnisse, die unsere Vielfalt abbilden und gemeinsam für klimagerechte Lösungen kämpfen. Dabei bedeutet Klimagerechtigkeit nicht nur eine CO2-neutrale Erde, sondern auch das Auflösen von rassistischen, patriarchalen und durch und durch ungerechten Strukturen, die uns in diese größte Krise der Menschheit geführt haben. Lasst uns gemeinsam einen neuen, klimagerechten Weg gestalten! Deswegen zeigen wir gemeinsam: »Wir alle kämpfen für 1,5°C«!
Von #MakeItStay zu #MadeItStay!

Klimaschutz bedeutet vor allem Menschenschutz

Laut aktuellem UN-Bericht reichen die definierten Klimaziele der Länder, die das Paris-Abkommen unterzeichnet haben, bei weitem nicht aus, um die 1,5 Grad Grenze einzuhalten. Im Gegenteil – die Anstrengungen müssten verdoppelt werden. So sind die Auswirkungen der Klimakrise auch bei uns bereits deutlich spürbar. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes war das aktuelle Jahrzehnt rund 1,9 Grad Celsius wärmer als die ersten Jahrzehnte (1881–1910) der Aufzeichnungen. Die Temperaturen in Deutschland sind damit sogar deutlich stärker gestiegen als im weltweiten Durchschnitt. Klar ist: Auch in Deutschland sind weder die Ziele noch die aktuellen Maßnahmen ausreichend, um der globalen Klimakrise angemessen zu begegnen. Mit dieser Politik steuern wir auf eine Erderhitzung von 3 bis 4 Grad zu! Keine Partei hat einen Plan für die Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze. Keine Partei leitet aus wissenschaftlichen Erkenntnissen jene Politik ab, die wir JETZT brauchen. Keine Partei übernimmt die notwendige Verantwortung! Deshalb streiken wir, bis die Politik handelt! Im Superwahljahr 2021 werden die Weichen für unsere Zukunft gestellt!

Unsere Vision

Ein Wahlkampf, in dem die Klimapolitik im Fokus steht und sich alle Spitzenkandidat*innen am Paris-Abkommen messen lassen. Eine neue Bundesregierung schafft den Neustart in der Klimapolitik. Die verbindliche Einhaltung des Pariser Abkommens wird im Koalitionsvertrag festgeschrieben und mit effektiven Maßnahmen möglich gemacht. Klimapolitik wird endlich als allumfassende Gesellschaftspolitik begriffen und sozial gerecht ausgestaltet.

Der erste globale Streik 2021

Wie gut erkennt man seine Freund*innen anhand ihrer Stimmen? Wir haben es herausgefunden!
Denn was passiert, wenn man weltweit einen Termin sucht, der sowohl Süd- als auch Nordhalbkugel umfassen soll, der die unterschiedlichen Corona-Zustände der unterschiedlichsten Länder berücksichtigt und basisdemokratisch beschlossen wird? Genau, man redet miteinander und man einigt sich. Nicht ganz auf den Winter, nicht ganz auf den Sommer, nicht ganz auf das Unmögliche, um das Mögliche möglich zu machen. Auf den 19.03! Global! Weil es um das Klima geht! Weil wir noch nie näher zusammengerückt sind und weil jede Stimme und jedes Land zählt.

Am 19.03. haben wir wieder das Klima auf die Tagesordnung gesetzt. Mit unserem Schriftzug sind wir gekommen, um zu bleiben. Gleichberechtigt. Corona-konform. Entschlossen, was zu bewegen! #Nomoreemptypromises

Wir alle für eine klimaneutrale Metropole Hamburg


Was wir fordern

Die Ortsgruppe während der Pandemie

Fünf Minuten morgens mehr Zeit, um aufstehen zu können. Ein weiterer Kaffee, um sich aufzuraffen. Diskussionen, die sich im Kreis drehen, warum das nächste Jahr das bessere sein wird. Für alles. Unsere ganze Welt wurde auf den Kopf gestellt. Wir lernen und arbeiten von zuhause, sorgenfrei treffen wir uns nur noch im digitalen Raum und beobachten die Auswirkungen der Krise. Seit März 2020 ist sie mit aller Kraft auch in Deutschland angekommen, begonnen aber hat alles im Herbst 2019. Jeden Tag haben wir seitdem unsere gesamten Kräfte gesammelt und dafür gekämpft, die Auswirkungen der Krise abzuschwächen. Gemeinsam trägt jeder seinen Teil dazu bei und ist in Gedanken in der Zeit, als wir noch nicht auf so vieles zu verzichten hatten.

Alles zurück auf Anfang: auf März 2020. Oder besser noch: auf November 2019 mit Impfspritze und Teleportationsuhr. Um sich endlich wieder frei bewegen zu können. Und dann kommt dieses drängende Gefühl, dass wir bloß kein Déjà-vu erleben wollen. Bloß kein »Hätten wir doch nur«, bloß kein »Weißt du noch, wie schön war’s damals, als wir noch entspannt rausgehen konnten«. Was das Klima betrifft, ist jetzt November 2019. Jetzt haben wir es in der Hand. Und gemeinsam können wir Stärke beweisen, wenn wir miteinander reden, ehrlich sagen, was gerade weltweit geschieht und so auf uns aufpassen. Auf persönlicher Ebene und auch auf globaler. Stellt euch vor, das wäre in China im November 2019 geschehen. Stellt euch vor, was wir alles hätten verhindern können. Und was wir jetzt alles schaffen können. Dieser Gedanke lässt uns durchhalten. Wir sind nicht leiser geworden, wir argumentieren und diskutieren nur nicht mehr vor den Haustüren.

Wo wir gerade aktiv sind

Während Corona nichts zu tun? Weit gefehlt! Politik geht weiter und solange uns der Klimaplan der Regierung nicht gut schlafen lässt, bewahren wir Haltung. Haltung unserer Verantwortung gegenüber, unsere eigene Zukunft mitzugestalten. Haltung aktueller Themen gegenüber, für die gerade jetzt – versteckt hinter den Kulissen der Corona-Pandemie – Weichen gelegt werden. Es ist möglich, die großen Krisen unserer Zeit gemeinsam anzugehen. Nicht ganz ohne Abstriche. Nicht ganz ohne Disziplin und schon gar nicht ohne Zusammenhalt, aber wir sind davon überzeugt, dass auch in diesem Jahr kleine Schritte in die richtige Richtung führen können. Und uns hält keiner davon ab, von den ganz großen Schritten zu träumen, die nötig sind, um als Kollektiv jede Krise meistern zu können! Hier haben wir schon losgelegt:

AStA

Die Universität als gesellschaftliche Akteurin in der Vorreiterrolle?

Nachdem wir 2019 ins Studierendenparlament der Uni Hamburg eingezogen sind, sind wir seit dem Sommer 2020 auch im AStA vertreten. Dort arbeiten wir aktuell an den Strategien für eine klimaneutrale Universität und an einer Ringvorlesung für das Sommersemester 2021. Neben einem klimaneutralen und nachhaltigen Campus setzen wir uns auch für die Implementierung von Klimathemen in die Lehre ein. Denn eins ist klar, die Klimakrise kann nur als gesamtgesellschaftliches Problem angesehen und gelöst werden und die Uni muss ihrer Verantwortung nachkommen.

Die Ringvorlesung ist auf dem bundesweiten YouTube Kanal verfügbar. Schaut gerne vorbei!
Wenn du Lust auf Einblicke hinter die Kulissen habt, dann lies gerne hier weiter.
https://www.youtube.com/watch?v=4aqVm2qKNFY.

Danni lebt

Warum? Eine gute Frage, hundert Antworten. Hier ein paar: Weil der Vertrag veraltet ist, weil auch Anwohner auf die Anbindung verzichten können, weil uns sauberes Grundwasser und tägliche Spaziergänge im Wald mehr Wert sind, als zehn Minuten auf der Autobahn zu sparen. Weil wir Projekte angehen wollen, die für die Zukunft beschlossen werden und keine, die uns aus der Vergangenheit nachhängen.

ÖPNV

Wir sind davon überzeugt: Die Mobilität der Zukunft gehört dem ÖPNV. Wir setzen uns für einen schnellen Ausbau des Bus- und Bahn-Liniennetzes in Hamburg ein. Nur so können wir die Emissionen im Verkehrssektor effektiv senken. Ein Bus, der 50 Menschen transportieren kann, verbraucht viel weniger Rohstoffe beim Bau, Treibstoff beim Fahren und Fläche in der Stadt als 30 Autos.

Energiewende

Die Energiewende spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung der Klimakrise. Deswegen unterstützen wir aktiv als Bündnispartner die Kampagne Ökostrom, die bald als Pilotprojekt in Hamburg starten soll. Die Kampagne soll zeigen, wie einfach es sein kann, zu einem nachhaltigen Stromanbieter zu wechseln. Gemeinsam mit dem ForFuture-Bündnis und den von Robin Wood empfohlenen Ökostromanbietern hoffen wir so, die Nutzung von Ökostrom und die Energiewende deutschlandweit voran zu treiben.

Von Schüler*in an Schüler*in

Fridays for Future ist eine Schüler- und Studentenbewegung, die mit ihren Untergruppen inzwischen in der ganzen Gesellschaft einen Platz gefunden hat. Das Schulprojekt sieht die Hauptaufgabe darin, Schulen und unter 18-Jährige in die Bewegung mit einzubeziehen. Mit verschiedenen Projekten wollen wir so Aufklärungsarbeit leisten und eine Partizipation ermöglichen. Hamburger Schulen sollen in Zukunft nachhaltiger sein und dafür setzen wir uns ein.

Mit diesem Artikel richten wir uns an Schüler*innen und wollen einen Überblick und Einstieg in das relativ komplexe Thema der Klimakrise geben.

Unser Jahr 2021

Darum sind wir laut!

Noch immer behaupten unzählige Politiker*innen auf allen Ebenen, sie würden genügend tun, um die Klimakrise zu bekämpfen. Dabei ist es wissenschaftlich klar, dass weder die Maßnahmen in der EU, noch die Maßnahmen der Bundesregierung oder die des Senats reichen.

Wie Klimaneutralität bis 2035 gehen kann, zeigt unsere Machbarkeitsstudie des Wuppertaler Instituts
https://fridaysforfuture.de/studie/.




Finde heraus, wo die Folgen der Klimakrise bereits zu spüren sind

Grönland Arktik Tundra Permafrost Ozeane Westantarktis El Nino Sahel-Zone Amazonas-Regenwald Indischer Sommermonsun Nordatlantikstrom

Klima und Gerechtigkeit gehören zusammen!


Wie? Das stellt die Rosa-Luxemburg-Stiftung anschaulich erklärt mit den Plakaten »We will rise! Or: We will burn«, die in Kooperation mit dem Umweltinstitut München und PowerShift e.V. entwickelt wurden, dar.
Zum Download der Publikation geht es hier auf ihre Seite: https://www.rosalux.de/publikation/id/42979.


Über uns

Seit dem 14. Dezember 2018 streiken wir in Hamburg für globale Klimagerechtigkeit! Unsere Treffen finden wöchentlich statt, um Demonstrationen, Mahnwachen, Fahrraddemos, Clean-Ups und andere Aktionen zu planen. Ein Ende ist nicht in Sicht: Wir streiken, bis die Politik handelt und die nötigen Maßnahmen ergreift, um die globale Erderwärmung auf maximal 1.5 Grad zu begrenzen! Wann und wo unsere nächsten Aktionen stattfinden, wird immer in unseren Infogruppen auf WhatsApp und Telegram angekündigt. Dort findet ihr auch alle weiteren relevanten Informationen und Ankündigungen.
Zwischen den Aktionen bleibt aber noch eine Menge Platz für Erlebnisse und Storys, die wir euch nicht vorenthalten möchten.

Unsere Ringvorlesung

Die Leitidee: ein kleines How to Ringvorlesung

Der Auftakt: Von A wie Anita Engels bis Y wie YouTube

Unser Klimacamp

Auf die immer wieder gestellte Frage, ob uns das Klima schlaflose Nächte bereitet: Ja! Ganz freiwillig. Angefangen mit zwei Paletten, unseren Forderungen und Schildern haben wir am 13. August 2020 mitten in der Hamburger Innenstadt das Klimacamp gegründet. Zuerst noch auf dem Gänsemarkt, bleiben konnten wir aber erst am Speersort in der Nähe der Mönckebergstraße. 7m*10m dürfen wir laut der neuen Auflagen einnehmen und erlebt haben wir mittlerweile schon alles: Neben Gewittern, Polizeikontrollen und Streitgesprächen mit unterschiedlichsten Passanten auch den dritten Lockdown, verbotene Lichterketten, rote Kreideherzen, Sturm und Schnee. Wir wollten eine Aktionsform finden, die unser Anliegen auch während der Pandemie präsent hält, ohne dass wir uns oder andere durch Großdemos gefährden und so auch gegen kommende Einschränkungen auf den Straßen bleiben können. Weltretten auch noch um drei Uhr nachts – so halten wir seitdem Tag und Nacht Mahnwache für das Klima.

Unser Klimacamp hat sich als wichtiger Knotenpunkt für viele unserer kleinen und großen Aktionen erwiesen. Aus den zwei Paletten sind mit der Zeit mehr geworden: ein ganzer Zaun, an dem wir unsere Forderungen aufgehängt haben, Banner, Sticker, eine Gästetafel. Wir haben Plena gehalten, Musikinstrumente mitgebracht und Diskussionen auf Getränkekisten geführt. Das Klimacamp bedeutet Austausch, Kampf mit den Auflagen und natürlich Protest. Auch im Winter ist das Übernachten im Camp dank unserer Parents, die uns mit Essen und heißem Wasser versorgen, möglich. Wichtiger denn je sind Isomatten und Powerbanks geworden. Gemütlich ist das Camp nicht wirklich, aber das muss es auch nicht - die Protestform ist es, die zählt und die zeigt, wie wichtig uns das Klima und unsere Zukunft ist.

Jeder ist jederzeit herzlich eingeladen, vorbeizukommen oder zu helfen. Schaut doch einfach mal in unserer offenen Klimacampgruppe bei Telegram vorbei (https://klimacamp-hamburg.de/).

Regengüsse und der Staatsschutz ermittelt

Das Grollen eines nahenden Gewitters, das Trommeln des Regens auf das Pflaster, Feuchtigkeit bis unter die Regenjacke bis unter die Bettdecke. Unwetter macht den Aufenthalt im Klimacamp nicht gemütlich, sondern oft sehr schwer. Besonders nachts, wenn Menschen schlafen und die Flucht vor Regen und Wind in dem kleinen 3x3m Pavillon zu einer echten Herausforderung wird. Wie das Wetter so spielt, warteten in der Anfangsphase besonders sintflutartige Regenschauer auf uns, die uns unter dem zu allen Seiten geöffneten Pavillon kaum ausreichend trockene Flecken ließen. Die Alternativen waren begrenzt. Die Auflagen der Polizei erlaubten uns kaum hinreichenden Schutz, mit dem wir unsere Versammlung aufrecht hätten erhalten können. In einer dieser Unwetternächte haben wir uns notgedrungen unter ein Zelt zurückgezogen, das wir aufgestellt hatten, um die Nacht durchzuhalten und unsere Gesundheit schützen zu können. Ein Zelt jedoch sei zum Schlafen aufgrund der Versammlungsauflagen untersagt und so trafen wir auf großes Unverständnis seitens der Polizei. Die Konsequenz waren Strafanzeigen gegen den Anmelder und Versammlungsleiter der Staatsschutz ermittelte. Neben der fraglichen Strafanzeige an sich stellte sie uns auch vor eine Entscheidung für die Zukunft, bei der keine der Alternativen wirklich akzeptabel erschien.

1. Bei Regen müssten Teilnehmende die Versammlung verlassen, da es nicht möglich ist, sich zu schützen.
2. Um alle Menschen vor Regen zu schützen, müssten wir eng unter dem Pavillon zusammenstehen unverantwortlich in einer Pandemie.
3. Die Teilnehmenden stehen stundenlang im Regen und gefährden ihre Gesundheit fahrlässig. Auch dieses Verhalten ist während der Pandemie äußerst fahrlässig.

Da zu den Teilnehmenden gerade Minderjährige gehören, für deren Schutz wir besondere Verantwortung übernehmen müssen, war ein Zelt für uns die einzige akzeptable Option. Nicht jedoch in den Augen der Polizei. Die rettende Unterstützung haben wir von einem Anwalt erhalten, der sich um den Vorfall und das Strafverfahren kümmerte, sodass es letztendlich eingestellt wurde. Die Auflage, keine Zelte zum Schlafen aufstellen zu dürfen, blieb allerdings bestehen auch bei Unwetter. Unsere Argumentation überzeugte die Polizei nicht, auch wenn diese Auflagen unserer Meinung nach die Versammlungsfreiheit in unserem Fall stark einschränken. Mittlerweile jedoch konnten wir durch einen Gerichtsprozess einen größeren und zumindest zu zwei Seiten geschlossenen Pavillon bewirken. Eine dritte Wand jedoch und sei sie noch aus Schnee dürfe die Luftzirkulation unter dem Zelt keineswegs behindern. Auch bei minus 12 Grad hielt die dritte Wand darum kaum einen Tag lang.

Schlafen ist nicht erlaubt

Die Anmeldung des Klimacamps war nichts anderes als ein kleines Abenteuer diese Form der Versammlung war sowohl für uns, als auch für die Polizei und die Versammlungsbehörde neu. Viele Diskussionen und Verhandlungen gingen voraus, bis wir schließlich recht spontan das Klimacamp errichten durften. Und dennoch gibt es bis heute Unstimmigkeiten und regelmäßige Kooperationsgespräche über die Infrastruktur im Camp, die im Voraus nicht geklärt werden konnten – gerade weil alles so unabsehbar war und ist.

Eine dieser ungeklärten Fragen: Dürfen wir eigentlich auf der Versammlung schlafen?

Sind schlafende Klimaaktivist*innen mit Forderungen auf Schildern an einem Ort, den sie als Klimacamp bezeichnen, in ihrer Aussagekraft eingeschränkt? Schon mit der ersten Nacht im Camp begann der Kampf mit den Auflagen der Versammlungsbehörde, als wir nachts um 2 Uhr Besuch von der Aufweck-Polizei bekamen, die das Schlafverbot ein bisschen ernster nahm als wir. Ein bisschen zu ernst vielleicht. Als die Polizist*innen des PK14 bei der Versammlung auftauchten und Schlafende vorfanden, mussten die anderen Versammlungsteilnehmenden diese Aktivist*innen wecken. Für uns ein total absurder Moment. Es ist uns bis heute nicht ersichtlich, wieso das Schlafen auf Versammlungen problematisch sein sollte oder gar die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden könnte. Die schlafenden Versammlungsteilnehmenden waren ebenso unglücklich über die Auslegung, denn ganz ehrlich … wer wird schon gerne mitten in der Nacht geweckt?!

½ ⋅ g ⋅ h = ein Camp mit 70m² Versammlungsfläche

Am 28.08.2020 zog das Klimacamp zum Speersort um. In den ersten Tagen sammelten wir schon viele Erfahrungen – gerade im Kontakt zur Polizei. Besonders amüsant verlief die Besprechung um den neuen Versammlungsort. Der Anmelder hat mit mehreren Polizist*innen des PK14 den neuen Versammlungsort begutachtet. Besonderes Augenmerk wurde auf die maximale Größe der Versammlungsfläche gelegt, da das Camp nicht größer werden durfte, als es am bisherigen Standort war: 70m². Exakte 70 m².

Zur Überprüfung der ausgewählten Fläche brachte die Polizei professionelles Messequipment mit. Ein Messrad beispielsweise eignet sich besonders gut für längere Strecken. Mit einer Rolle fährt man über den Boden, die gelaufene Strecke wird auf einer Anzeige sichtbar. Ganze 45 Minuten haben die Beamt*innen damit zugebracht, die Versammlungsfläche auszumessen. Besonders schwierig schien dabei die Berechnung des Dreieckes, das aufgrund der lokalen Begebenheiten die Grundform des Camps werden sollte. Jedoch kamen wie bei jeder guten Matheaufgabe bei ein und derselben Strecke immer und immer wieder andere Messwerte heraus. Wir beobachteten. Auch schien die Formel zur Berechnung des Flächeninhaltes nicht mehr so präsent wie nötig zu sein. Mit der Zeit drängte sich uns die Frage auf, ob die Polizei nichts Besseres zu tun habe, als über ein oder zwei Meter Streckenlänge zu grübeln, wenn diese mehr oder weniger für uns keinen wirklichen Unterschied machten. So beobachteten wir weiter. Und bekamen schließlich unser Camp zugewiesen.

Jan Böhmermann solidarisiert sich

Unwetter wiederholen sich, wir lernen aber dazu. Beim nächsten Regen informierten wir die Polizei im PK 14 darüber, dass wir unsere Versammlung aufgrund des Wetters und den geltenden Versammlungsauflagen nicht aufrechterhalten können. Wir führten erneut unsere Argumente auf, wieso das Aufstellen eines Zeltes aus unserer Sicht elementar wichtig für die Durchführung der Versammlung sei. Auch dieses Mal erhofften wir uns mehr Verständnis der Polizei und waren doch mit unserem Verantwortungsgefühl allein. Wir teilten also dem Polizeikommissariat mit, dass wir das Zelt auch ohne ihre Erlaubnis aufstellen werden. Unser Unverständnis und die Fassungslosigkeit waren so groß, dass wir uns daransetzten, öffentlich auf dem deutschlandweiten Twitteraccount von Fridays for Future unsere Situation zu erklären. Wenig später wurde eben dieser Post geteilt von Jan Böhmermann, der die absurd strengen Versammlungsauflagen mit einem rechtspolitischen Camp in Berlin direkt vorm Bundestag verglich, das trotz fehlender Anmeldung und fragwürdiger Ausführung lange Zeit geduldet wurde.

Auch wenn sich noch während der Vorbereitung des Tweets die Situation änderte und ein freundlicher Polizist uns das Aufstellen von zwei Schlafzelten für die Nacht genehmigte, entschlossen wir uns, den Tweet trotzdem zu veröffentlichen. Aus unserer Sicht ist dieser Polizist seiner Aufgabe, das Versammlungsrecht zu schützen, nachgekommen! Das grundsätzliche Problem der Auflagen bestand jedoch weiterhin und sollte mit diesem Tweet gehört werden.

Die Stellungnahme der Polizei erfolgte am nächsten Tag ebenfalls öffentlich auf Twitter. Sie bestätigten die Situation und fügten hinzu, dass wir uns an die Absprache, das Zelt morgens abzubauen, gehalten haben und somit kein Einschreiten der Polizei nötig war.

Die Herzen auf Bäumen

Am 20.01.2021 trafen drei Polizist*innen vom PK14 beim Klimacamp ein. Ihr Grund: Herzensangelegenheiten mag man sagen. Genauer betrachtet: mit roter Kreide auf Bäume gesprühte Herzen in der Nähe der Versammlungsfläche. Verdächtiges habe der Versammlungsleiter in letzter Zeit nicht beobachtet. Immerhin seien die Herzen schon vor mehreren Monaten von der Polizei aufgenommen worden. Die Überprüfung der Farbe ergab, dass es sich aufgrund der Wasserlöslichkeit wohl um Sprühkreide handele. Der Versammlungsleiter zeigte der Polizei die eigenen Vorräte, die Polizistin testete die Farbe der verschiedenen Dosen auf ihrer Hand und verglich diese mit der an den Bäumen. Bei einer noch feuchten Dose erkannten sie den gleichen Farbton und nahmen die Dosen zur Beweissicherung mit. Anschließend erklärte uns die Polizei, dass eine Strafanzeige gegen »Unbekannt« gestellt wird. Daraufhin sollten die Personalien aller Versammlungsteilnehmenden festgestellt werden. Nach einer Empfehlung des Versammlungsleiters sagten diese, dass sie die Aufnahme gerne verweigern möchten. Die Polizistin besprach sich erst mit ihrem männlich gelesenen Kollegen und später mit der Einsatzleiterin der Polizei. Diese telefonierte und entschied, dass die Personalien trotzdem aufgenommen werden sollten, da die Teilnehmenden als Zeug*innen im Strafverfahren stehen werden. Aus unserer Sicht eine fragwürdige Entscheidung, die ungeachtet ließ, dass wir von der Tat nichts mitbekommen haben.

Bereit mitzumachen?

»Wie informierst du dich über aktuelle Klimathemen?«

Die Anzahl guter Nachrichtenportale steigt glücklicherweise. Mittlerweile gibt es viele Wissensformate im Netz, die wissenschaftlich fundierte Antworten auf alltägliche Fragen zum Klimawandel und zur notwendigen Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zusammentragen. Politisch gesehen ist die Transparenz der klimarelevanten Entscheidungen allerdings verbesserungsfähig, wir vermuten: und das ganz bewusst. Wir versuchen über unsere Kanäle rechtzeitig auf die wichtigen Entscheidungen aufmerksam zu machen und Druck auszuüben, umweltfreundliche Maßnahmen zu priorisieren. Unser Informationsnetz konnten wir in den letzten Jahren immer weiter ausbauen. Wenn du also mehr darüber erfahren möchtest, was zwischen den Entscheidungen in der Politik und der Bewegung abläuft, tritt am besten einer unserer Infogruppen bei oder werde ein aktiver Teil von FFF Hamburg.

»Was tust du, wenn du über das Klima reden möchtest und dir niemand zuhören will?«

Sich für das Klima einzusetzen oder nicht, ist für uns ein Privileg. In anderen Teilen der Welt können sich junge Menschen in unserem Alter nicht so einfach dafür oder dagegen entscheiden, weil die Klimakrise jederzeit mit Überschwemmungen, Stürmen und Bränden vor ihrer Haustür steht. Wenn sich deine Mitmenschen diesem Thema verschließen, liegt es also daran, dass es uns gut geht und wir diese Entscheidung noch treffen dürfen. Bedenke aber, dass das Thema gerade von älteren Generationen persönlicher aufgefasst werden kann, als du erwartest. Etwa, weil sie sich angegriffen fühlen, wenn sie durch ihre wirtschaftlichen Erfolge mitschuldig an der Krise gemacht werden. Diese Menschen werden dir wahrscheinlich nicht zuhören, bis du sie als Teil der Lösung und nicht als Verursacher in das Gespräch einlädst. In dieser Situation hilft es, sachlich zu argumentieren oder aber weiche Anknüpfungspunkte zu finden, die dein Gegenüber auf individueller Ebene mit dem Klimawandel verbindet, wie gesundheitliche Probleme durch anhaltende Hitzeperioden, trockene Rasenflächen aufgrund von Wassernotständen, zukünftig unzugängliche Urlaubsorte, die zunehmende Wahrscheinlichkeit von Wetterphänomenen, die man nur aus den Nachrichten aus anderen Ländern kennt oder aber die unzähligen, bedrohten Tierarten. Diese Ungerechtigkeit unseres Privilegs gegenüber der absoluten Dringlichkeit, die der Klimawandel in anderen Teilen der Welt verursacht, macht es notwendig, diese Gespräche schon heute zu führen. Also lass nicht nach, informier dich und rede darüber.

»Wie findest du die Sicherheit, Politiker*innen gegenüberzutreten?«

Das, was wir zu sagen haben, ist relevant. Darüber respektvoll und auf Augenhöhe zu reden, hat für alle Seiten erst einmal ausschließlich positive Aspekte. Umso tiefer du in die jeweiligen Themen eingestiegen bist, desto sicherer finden sich die richtigen Worte, um das auszudrücken, was dich beschäftigt. Das unterscheidet Klimadiskussionen nicht von anderen Gesprächen. Die Selbstsicherheit, diese Gespräche fern vom Küchentisch zu führen, kommt mit der Zeit und der Übung. Wir alle haben naiv und unsicher angefangen. Aber: Wenn du etwas bewegen möchtest, musst du das Gespräch mit denen suchen, die etwas bewegen können. Genau das ist es, was dir den Mut gibt, das Wort auch an Politiker zu ergreifen.

Bleib immer auf dem Laufenden!