Woche 46/2019 – Katastrophen in Venedig bis Afrika

Was in der Woche vom 11.11. – 17.11. so passiert ist? Natürlich waren wir wieder auf den Straßen in ganz Deutschland – aber alles weitere fassen Josefine und Vera hier im Wochenbericht zusammen!

😟 Studie: Kinder leiden am meisten unter dem Klimawandel   

Das Konsortium The Lancet Countdown, dem rund 100 Expert*innen aus 35 verschiedenen Institutionen wie der WHO und Universitäten angehören, warnt vor den Folgen der Klimakrise für die Gesundheit: Bereits jetzt schädige der Klimawandel die Gesundheit vieler Menschen und insbesondere von Kindern, denn ihr Körper und ihr Immunsystem ist immer noch in der Entwicklung und kann daher nachhaltige Schäden für das ganze Leben mitnehmen. Unternährung aufgrund von Ernteausfällen durch Dürren oder Überschwemmungen und die Ausbreitung von Krankheitserregern durch günstigere Klimabedingungen für z.B. Dengue-Mücken und Cholera-Erreger trifft Kinder deshalb besonders stark. Auch in der Ostsee können sich beispielsweise Vibrionen, die Margen-Darm und Wundinfekte verursachen durch den Klimawandel leichter ausbreiten. „Bei einem Weitermachen wie bisher wird das Leben jedes heute geborenen Kindes tiefgreifend vom Klimawandel beeinträchtigt werden.“ Wenn die CO2-Emissionen stagnieren wie bisher, wird ein heute geborenes Kind an seinem 71. Geburtstag in einer im Schnitt um 4°C wärmeren Welt mit all den Konsequenzen leben. Ganz anders dagegen, wenn die Erderärmung auf 1,5 °C begrenzt wird, so die Wissenschaftler*innen: Dann könne ein Kind, das heute geboren wird, mit sechs Jahren den Kohleausstieg in England miterleben, mit 21 Jahren den Benzin- und Dieselautos in Frankreich Tschüss sagen und mit 31 Jahren feiern, dass nur noch so viel CO2 produziert wird, wie durch die Natur und technische Mittel aufgenommen wird. Und vor allem könnte ein heute geborenes Kind dann in einer Welt mit sauberer Luft und guter Infrastruktur aufwachsen.     

😣 Brown-to-Green-Report: G20-Staaten tun nicht genug, um 1,5°C-Ziel zu erreichen   

Die G20-Staaten sind für 80% des weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich. Laut dem ‚Brown-To-Green-Report‘ des Netzwerks ‚Climate Transparency‘ stieg der Ausstoß der Emissionen der 19 Staaten und der Europäischen Union im vergangenen Jahr sogar noch um 1,8 %. Rund die Hälfte der G20-Ländern dürften zwar ihre selbstgestellten Klimaziele erfüllen, jedoch sind diese nicht ambitioniert genug, um den entscheidenen Beitrag zur Erreichung des 1,5°C zu erreichen. Der Report zeigt auch, dass es unter den G20 Staaten in allen relevanten Bereichen gute Beispiele zur Einsparung von Emissionen gibt, doch diese guten Ansätze seien bisher auf Teilbereiche beschränkt und geschähen zu langsam in Bezug auf die ganze G20.        

🥺 Die Vergessene Krise: Hungersnot im südlichen Afrika   

Das gesamte südliche Afrika, zudem 16 Nationen gehören,  kämpft aktuell laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mit der schlimmsten Dürre seit 35 Jahren. Insgesamt 45 Millionen Menschen sind betroffen und in den kommenden Monaten von Hunger bedroht.  Alain Onibon, Koordinator der Weltorganisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) für das südliche Afrika, erklärt, dass späte Regenfälle, ausgedehnte Trockenperioden, zwei Zyklone und wirtschaftliche Herausforderungen zu einer Katastrophe für die Ernährungs- und Lebensgrundlagen geführt habe. So hat es beispielsweise in Teilen Namibias bereits seit 3 Jahren nicht mehr geregnet. Schon jetzt hat ein Viertel der in Namibia lebenden Menschen nicht genug zu essen und auch in Sambia befinden sich 2, 3 Millionen Menschen in aktuer Nahrungsunsicherheit. Sambias Präsident Edgar Lungu meldete sich per Twitter zu Wort und postete ein Bild der Viktoria-Fälle, die selbst für die Winterzeit ungewöhnlich wenig Wasser führen: „Diese Bilder machen deutlich, was der Klimawandel mit unserer Umwelt und unserer Existenzgrundlage anrichtet. Obwohl wir Etwicklungsländer am wenigsten dazu beigetragen haben, sind wir von der Erderwärmung am schlimmsten betroffen.“

😢 Opfer des Klimawandels: Venedig ruft den Notstand aus

Das beliebte Urlaubsziel an der Küste Italiens wird seit einigen Tagen von starkem Hochwasser heimgesucht. Auch wenn es in den letzten Jahren immer wieder Überflutungen gab, stieg das Wasser in den vergangenen Tagen so hoch wie das letzte mal vor 53 Jahren. Der Markusplatz musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, Schulen und andere öffentliche Einrichtung bleiben geschlossen. Laut Medien seien Rund 70% der Stadt betroffen und am vergangenen Donnerstag rief die Italienische Regierung in Venedig den Notstand aus. Laut dem Bürgermeister Brugnaro seine alleine am Mittwoch Schäden in Höhen von einer milliarden Euro entstanden, die Kosten der letzten Tage, in denen das Wasser erneut gestiegen war, seien noch garnicht einberechnet. Neben einigen weiteren Kirchen wurde auch der bekannte Markusdom überflutet, es gäbe enorme Schäden am Kulturerbe der Stadt. Wissenschaftlerinnen führen eben diese Fluten auf die Folgen des Klimawandels zurück. Durch das Ansteigen des Meeresspiegels sei die sowieso von Hochwassern stark betroffene Stadt noch mehr gefährdet, vor allem in ihrer Bausubstanz die durch den Schifffahrtsverker ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

😡 Nächster Schritt: Bundesregierung verabschiedet Gesetz zum Klimaschutz 

Am vergangenen Freitag hat die Bundesregierung eine Reihe von Klimaschutzgesetzen beschlossen, die sicherstellen sollen, dass Deutschland seine Ziele für 2030 erreicht. Es handelt sich um wesentlich Teile des Klimaschutzpaketes, die Co2 Steuer solle erhöht und die Mehrwertsteuer für Bahntickets gesenkt werden. Was Union und Spd für einen wichtigen Schritt halten, sehen Mitgleider der Opposition allerdings als ungenügend oder sinnlos an. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen bezeichnete das ganze als einen „weiteren schlechten Tag für den Klimaschutz“, ein Sprecher der Linksfraktion sagte, die Regierung fahre den Klimaschutz durch schlecht gemachte Gesetze gegen die Wand.

🤬 Bis 2021: Europäische Investitionsbank dreht den Geldbahn zu

Nachdem die 28-Eu Mitgliedsstaaten am Donnerstag auf einem Treffen in Luxemburg bis in den Abend hinein verhandelt haben, steht nun fest, dass die Europäische Investitionsbank ab 2021 keine fossilen Energieprojekte mehr mit Krediten unterstützen wird. Die wichtigste zwischenstaatliche Investitionsbank Europas (EIB) soll zu einem fossilfreien, grünen Geldhaus werden. Dieses Vorhaben stieß bei einigen Mitgliedstaaten zumächst auf Wiederstand, auch Deutschland tat sich schwer diesem radikalen Schritt zuzustimmen.Die Bank fördert schon seit 2013 keine Öl-Vorhaben mehr, und wird durch den nächsten Schritt in zwei Jahren ganz fossilfrei.Doch die Weltweit größten Banken fördern weiterhin in großem Stil fossile Energie. Die Entscheidung der EIB sei jedoch richtungsweisend für andere Institute. Claudia Kemfert vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet die Ensscheidung der Bank als „längst überfällig“.

🤨Neue Rohstoff-Strategie der Bundesregierung 

Um den Rohstoff-Hunger in der Bundesrepublik zu decken, aber gleichzeitig Umwelt- und Menschenrechtsstandarts besser einzuhalten, hat die Bundesregierung eine neue Rohstoff-Strategie vorgelegt. Diese sieht vor, vermehrt Rohstoffe  durch Bergbau in Deutschland zu fördern, um weniger abhängig von anderen Staaten zu sein. Gleichzeitig sei aber auch klar, dass Deutschland für den Ausbau von Elektroautos und Windrädern vermehrt Mineralien wie Kupfer, Lithium oder Kobalt aus dem Ausland importieren müsse. Immer wieder werden Menschenrechtsverletzungen im Prozess der Gewinnung dieser Rohstoffe kritisiert. Der Sprecher der Grünen für Industriepolitik kritiserte, dass es wichtig sei, eine bessere Kreislaufwirtschaft zu etablieren und dass Recycling energischer gefördert werden müsse. Außerdem sei es notwendig Umwelt- und Menschenrechtsstandarts verbindlicher verankert werden und generell müsse der Bedraf an Rohstoffen begrenzt werden. Die Strategie der Bundesregierung wird aktuell zwischen den Minsiterien abgestimmt und soll noch Ende dieses Jahres veröffentlicht werden.

🤬Aufreger der Woche: Altmeier bremst Windkraft aus

Am Dienstag hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Gesetz bekannt gegeben, welches für große Aufregung gesorgt hat. Obwohl klar ist, dass damit das Ziel von 65% Erneuerbare Energie bis 2030 nicht erreicht werden kann, wird in diesem Gesetzentwurf unter anderem ein Mindestabstand für Windräder von 1000 Metern zueinander und zu nahe gelegenen Siedlungen vorgeschrieben. Und das, obwohl die Krise der Windkraft ohnehin schon begonnen habe. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden so wenig neue Windräder wie noch nie in diesem Jahrtausend gebaut, es wurden Aufträge und damit auch rund 3000 Arbeitsplätze gestrichen. Die deutsche Industrie sowie mehrere Lobbys stellen sich an dieser Stelle hinter den Klimaschutz. Sie haben einen Brief an Altmaier (CDU, Bundesminister für Wirtschaft und Energie) geschrieben, mit der Erwartung, dass die Bundesregierung an einer zukunftsfähigen Co2 freien Energieversorgung arbeitet. Laut Industrie und Gewerkschaften werde diese neue Regelung die Windenergie an Land dramatisch schwächen.

5 Kommentare zu „Woche 46/2019 – Katastrophen in Venedig bis Afrika

  1. Zu den schlimmen Seiten der modernen Medienwelt gehört, dass jedes Thema bis zum Gehtnichtmehr ‚überberichtet‘ wird. Außerdem werden allzu oft Zusammenhänge nicht verstanden und einer, der keine Ahnung hat, schreibt von einem anderen, der keine Ahnung hat, ab. Gründliche Recherche ist im harten Wettbewerb um die schnellste und sensationellste Nachricht kaum noch denkbar. Bei vielen Menschen führt das zu Verdruss. Manche ‚können es einfach nicht mehr hören‘ oder gehen davon aus, dass sowieso alles überdramatisiert wird und in Wahrheit recht harmlos ist oder überhaupt nicht stimmt.

    Nicht harmlos, aber ganz gewiss auch nicht das beste Beispiel für die schlimme Klimaentwicklung, ist ein Hochwasser in Venedig. Das Problem gibt es schon ewig lange, und selbst vor einigen 100 Jahren stieg der Pegel dort schon einmal 70cm höher als bei dem Höchststand in diesem Jahr. Venedig leidet (oder zumindest: litt) unter anderem unter viel zu viel Grundwasserentnahme, wodurch der ohnehin schwierige Boden deutlich absackte. Menschengemacht, aber sicher nicht in erster Linie Folge der globalen Erwärmung. Allerdings kann diese natürlich zur Folge haben, dass wir irgendwann nicht von ‚1,87m‘ hören, oder (absoluter Rekord) ‚2,54m‘, sondern von ‚3 Meter‘ oder so.

    Schlimm, gar keine Frage, aber ein starkes heutiges Venedig-Hochwasser sagt eben gerade im Fall Globale Erwärmung nicht allzu viel aus. Wir reden da übrigens auch über ein wohlhabendes Land, das ungefähr genauso lange vergeblich eine Hochwassersperre ‚plant‘ wie andere Verantwortliche weltweit die Warnungen des Club of Rome und anderer schlicht ignoriert haben. Das jüngste Adria-Absperrprojekt verzögerte sich durch unschönes Verhalten deutlich und hätte aktuell gute Dienste leisten können.

    Da habe ich doch deutlich mehr Mitleid mit armen Ländern, die der Meeresspiegelanstieg sehr viel massiver (und dabei teils vielfach tödlich) treffen wird als die ‚Perle der Adria‘, und die sich nicht so entschlossen und robust wehren können wie die Niederländer!

    Außerdem kann ich nur mit dem Kopf darüber schütteln, dass gerade auch viele derer, die über die Migrationswelle von 2015 geschimpft haben, einfach nicht verstehen wollen, dass durch die Erwärmung eine ganz andere Dimension von Flucht auf uns zu kommen wird! Zehnmillionenfaches oder hundertmillionenfaches Elend von Menschen, denen die Heimat verdörrt oder im Wasser verschwindet – einfach herrlich, oder? Daran kann die Weltgemeinschaft insgesamt scheitern! Das ist eine unfassbar schlimme Entwicklung, die nicht passieren darf!

    Dabei ist sie nur eine der ganz, ganz großen bösen Folgen der Erwärmung! Ja, diese ist real! Ja, sie ist in vollem Gange! Ich bin sogar davon überzeugt, dass sie schneller voranschreitet als befürchtet und der Prozess sich noch beschleunigen wird. Inzwischen versteht man, welche gefährliche Rolle Methan dabei spielt, sei es durch Massentierhaltung oder Feedbackschleifen. Methan hat einen rund 20 mal stärkeren Treibhauseffekt als CO2. Über ein Gas wird seltsamerweise noch fast gar nicht gesprochen: Lachgas. Das ist noch viel schlimmer, und auch davon kommt immer mehr in die Atmosphäre.

    Allen Skeptikern, Zweiflern und Verdrängern kann man nur sagen: Leute, werdet wach, egal wie doof Ihr die modernen Sensationsmedien findet! Den hochbrisanten Vorgängen, die derzeit in der Natur ablaufen, ist es völlig egal, was die machen oder wie Ihr darüber denkt. Fakten lassen sich davon nicht beeinflussen. Unabhängig von jeder zum Halse heraus hängenden Berichterstattung ist es dringend geboten, die Klima-Fakten zur Kenntnis zu nehmen und sehr schnell effizient zu handeln. Jeder Einzelne muss das tun, Unternehmen müssen das tun, und selbstverständlich allen voran die Politik. Die muss gestalten und lenken. Das ist ihre verdammte Pflicht, auf die ja sogar Eide geleistet werden: ‚Den Nutzen des Volkes mehren und Schaden von ihm wenden!‘.

    Das wird zur Zeit sträflich vernachlässigt. Zukünftig noch Lebende, und mehr noch die erst dann Lebenden, werden es bitterböse bezahlen und aushalten müssen! Das darf nicht sein!

    Wer in dem Zusammenhang mit Schlagwörtern wie ‚Verbotskultur‘ daher kommt, hat nichts begriffen!

    Es ist ganz einfach brutaler Diebstahl, sich mehr zu nehmen, als einem zusteht! Das entscheidet nicht der Eine über den Anderen, auch nicht das Geld, wo auch immer es hergekommen sein mag, sondern ist ganz simpel eine Frage dessen, was ingesamt da ist, wieviele Menschen es gibt, und wieviele noch nach uns kommen und das Recht auf ein glückliches Leben ohne bitterste Not und ständige Bedrohung haben.

    FFF ruft nicht umsonst: ‚… weil Ihr uns die Zukunft klaut!‘. Entscheidet selbst, ob Ihr Euch schuldig machen wollt! Ich jedenfalls kann das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren – und bin im übrigen auch mit deutlich weniger Konsum glücklich. Mehr noch: Glücklicher! Probiert es mal aus. Es klappt wunderbar, tut gar nicht weh und nimmt Euch vielleicht eine große Last von der Seele!

    LG Armin

    1. „Deutlich weniger Konsum“…- ist richtig. Trotzdem locken Angebote. 2 Wochen Zypern bei 23°C und Sonne oder 1 Woche deutsche Ostsee bei 3°C ohne Sonne, aber mit Regen und Sturm – der Preis (€) ist möglicherweise gleich. Wofür soll man sich da entscheiden? Steuern sollten dafür sorgen, daß eine Flugreise (sofern überhaupt noch möglich) immer viel viel teurer ist (ab 300%). Die Politik macht es nicht. Warum?
      Leute – Eure Texte sind sehr gut. „Es ist alles gesagt“! Immer wieder.
      Am nächsten Freitag wird es voll auf der Demo!

      1. Die Flugreisen waren übrigens lange Zeit mindestens angemessen teuer. Dann kamen die ‚Billigflieger‘ auf. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ein Kollege für einen Euro von einem deutschen Flughafen aus nach Istanbul geflogen ist.

        Auch wenn ich gut gönnen kann: Genau solche Dinge dürfen nicht sein, denn mit einem Euro als Flugpreis für eine solche Strecke ist es nicht nur völlig unmöglich, kostendeckend anzubieten, sondern es kommt auch eine ruinöse Abwärtsspirale in Gang, nicht nur bei Flügen. Das Thema ‚Schnäppchenjagd‘ muss unbedingt aufhören, in allen Bereichen! Es ist die Wurzel so manchen Übels!

        Wen wundert es da noch, dass es zeitweise Menschen gab, die behaupteten, die Politik mache ihnen ihr Geschäftsmodell kaputt, weil sie etwas gegen Stundenlöhne von unter fünf Euro habe?

        Ich begrüße ausdrücklich die Absichtserklärung der Grünen, den Mindestlohn auf 12 Euro anzuheben. Sie waren diesbezüglich nicht die Ersten, und bisher ist das nicht mehr als eine Erklärung. Ob Taten folgen, wird man sehen. Aber es ist gut, dass Menschen zunehmend verstehen: Man muss ohne Wenn und Aber von einem Vollzeitjob leben können, und kein Mensch auf der Welt kann so viel leisten, dass er oder sie 100 mal soviel oder noch mehr verdient, als beispielsweise eine Krankenschwester, ein Polizist, eine Feuerwehrfrau, Reinigungspersonal uvm!

        Das ist aus humanitären Gründen wichtig, aber auch deshalb, weil die Allgemeinheit ohnehin niemanden verhungern lassen darf, juristisch und menschlich begründet. Heißt: Wer mit einem Hungerlohn abgespeist wird, muss unterstützt werden. Warum also nicht gleich für fleißige Arbeit angemessen bezahlen? Irgendwie alles sehr logisch, und trotzdem tun manche so, als würden sie das nicht verstehen. Traurig!

        Es darf in der Welt der Zukunft nicht mehr um Masse gehen, sondern nur noch um Qualität, und die Dinge müssen den Preis haben, der ihren tatsächlichen Kosten entspricht! Super wäre es, wenn niemand mehr von ‚Lohnkosten‘ sprechen würde, sondern von ‚Gegenwert für geleistete Arbeit‘.

        Das kann man bestimmt kürzer ausdrücken. Wichtig ist nur, keinem ein Schuldgefühl einzureden (‚Du kostest etwas, das ist ein Problem!‘), denn man leistet Arbeit, für die man einen hoffentlich angemessenen Gegenwert erhält. Ein völlig anderes Denken ist da wünschenswert. Eines, das die Menschen und ihren Einsatz wertschätzt.

        Exakt ausrechnen kann man faire Preise und Löhne nicht immer, aber dass ein paar Euro für eine Flugreise sogar ohne Betrachtung von Schäden, die ja auch irgendwann irgendwer bezahlen muss, ganz sicher nicht passen können, kann vermutlich sogar ein Grundschulkind leicht begreifen. Bei Erwachsenen setze ich das ebenso voraus wie das entsprechende Verantwortungsgefühl.

        ‚Rausholen was drin ist‘ treibt uns mit Volldampf ins Verderben. Geben wir Produkten und Arbeit wieder so gut wir das schaffen ihren eigentlichen Wert!

        Wenn dann noch ein bescheidener, gesunder Lebensstil mit viel Bewegung an der frischen Luft dazu kommt, wird man glücklicher und hat bestimmt nicht mehr das Bedürfnis, sich über Angeberei zu definieren, und die Lust, sich an irgendeinem heißen Strand in weiter Ferne faul in der Sonne brutzeln zu lassen kommt einem dann eh total albern vor.

        Ich jedenfalls bin mir dazu viel zu schade und bin dabei sehr glücklich. Das können unzählige andere Menschen genauso hinkriegen – wenn sie es denn einfach mal ernsthaft probieren.

        Übrigens, vor dem Schreiben dieses Meinungsbeitrages war ich spazieren und habe dann etwas gegessen. In einer Minute fahre ich den Rechner wieder runter und fahre Rad. PC und Internet verursachen nämlich weltweit genauso viel CO2-Ausstoß wie Flüge. Man sollte es damit also nicht übertreiben – schon gar nicht bei dem schönen Wetter heute. 😉

        LG Armin

  2. Die weltweit wachsende Bewegung für Umweltgerechtigkeit ist bewusst intersektional und zeigt auf, dass die globale Erwärmung mit Themen wie Rassismus, Armut, Migration und öffentlicher Gesundheit zusammenhängt. Ein Bereich, der eng mit der Klimakrise verknüpft ist, jedoch wenig Beachtung findet, ist der Militarismus. Der bläst nicht nur viel Dampf in die Luft und verwüstet weite Landstriche, er entzieht den Staatshaushalten auch die Gelder, die für den Klimaschutz dringend gebraucht würden. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele dafür, wie diese Probleme — und ihre Lösungen — miteinander verflochten sind.

    1. Das US-Militär schützt die großen Ölkonzerne und andere Rohstoffindustrien.

    Das US-Militär wird oft eingesetzt, um sicherzustellen, dass US-Unternehmen weltweit Zugang zu natürlichen Resourcen, insbesondere Öl, für die Rohstoffindustrie haben. Der Irakkrieg 1991 war ein eklatantes Beispiel eines Krieges um Erdöl.

    Heutzutage hängt die Militärunterstützung der USA für Saudi-Arabien mit der Entschlossenheit der US-amerikanischen fossilen Brennstoffindustrie zusammen, den Zugang zu den Erdölvorkommen weltweit zu kontrollieren.

    Hunderte der auf der ganzen Welt verbreiteten US-Militärstützpunkte befinden sich in ressourcenreichen Regionen und in der Nähe strategischer Schifffahrtsstraßen.

    Wir können die Tretmühle fossiler Brennstoffe erst dann verlassen, wenn wir das US-Militär davon abbringen, als weltweiter Beschützer der großen Ölkonzerne aufzutreten.

    2. Das Pentagon ist der weltweit größte institutionelle Verbraucher fossiler Brennstoffe.

    Wäre das Pentagon ein Land, würde ihn allein sein Kraftstoffverbrauch zum 47. größten Treibhausgasemittenten der Welt machen, größer als ganze Staaten wie Schweden, Norwegen oder Finnland.

    Die US-Militäremissionen stammen hauptsächlich aus dem Betanken von Kampfmitteln und Kriegsgeräten sowie der Beleuchtung, Heizung und Kühlung von weltweit mehr als 560.000 Gebäuden.

    3. Das Pentagon beansprucht jene finanziellen Mittel, die wir brauchen, um die Klimakrise ernsthaft anzugehen.

    Wir geben heute mehr als die Hälfte des jährlichen Ermessenshaushaltes der US-Bundesregierung für das Militär aus und das, wo die größte Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA nicht der Iran oder China, sondern die Klimakrise ist.

    Wir könnten das derzeitige Budget des Pentagons halbieren und hätten immer noch ein größeres Militärbudget als China, Russland, Iran und Nordkorea zusammen. Die Einsparungen von 350 Milliarden US-Dollar könnten dann in einen „Green New Deal“ fließen.

    Nur ein Prozent des Militärbudgets von 2019 in Höhe von 716 Milliarden US-Dollar würde ausreichen, um hiermit 128.879 Arbeitsplätze innerhalb einer „Grünen Infrastruktur“ zu finanzieren.

    4. Militärische Operationen hinterlassen ein giftiges Erbe.

    US-Militärstützpunkte zerstören die Landschaft, belasten den Boden und vergiften das Trinkwasser. Auf dem Kadena-Stützpunkt in Okinawa hat die US-Luftwaffe den dortigen Boden und das Wasser mit gefährlichen Chemikalien, wie Arsen, Blei, polychlorierten Biphenylen, Asbest und Dioxin, verseucht.

    Darüber hinaus hat die US-Umweltschutzbehörde EPA über 149 aktuelle oder ehemalige Militärstützpunkte als Standorte für den Entschädigungsfond ausgewiesen, da die Umweltverschmutzung des Pentagons den dortigen Boden und das Grundwasser hochgefährlich für menschliches, tierisches und pflanzliches Leben gemacht hat.

    Laut einem Regierungsbericht aus dem Jahr 2017 hat das Pentagon bereits 11,5 Milliarden US-Dollar für die Umweltsanierung geschlossener Stützpunkte ausgegeben und schätzt, dass weitere 3,4 Milliarden US-Dollar benötigt werden.

    5. Kriege verwüsten fragile Ökosysteme, die für die Aufrechterhaltung menschlicher Gesundheit und Klimaresistenz von entscheidender Bedeutung sind.

    Direkte Kriegsführung beinhaltet grundsätzlich eine Zerstörung der Umwelt durch Bombenangriffe sowie den Einmarsch von Bodentruppen, die das Land und die Infrastruktur zerstören. Im Gazastreifen, einem Gebiet, das zwischen 2008 und 2014 drei größere israelische Militärangriffe durchlitten hat, zielten die israelischen Bombenangriffe auf Kläranlagen und Kraftwerke. Infolgedessen sind 97 Prozent des Frischwassers in Gaza mit Salz- und Abwasser kontaminiert und somit für den menschlichen Verzehr ungeeignet.

    Im Jemen hat die von Saudi-Arabien angeführte Bombardierungskampagne eine humanitäre und ökologische Katastrophe ausgelöst. Mittlerweile werden täglich mehr als 2.000 Cholerafälle gemeldet.

    Unter den Umweltgiften, die im Irak durch die verheerende Invasion des Pentagons im Jahr 2003 zurückgelassen wurden, befindet sich unter anderem auch abgereichertes Uran. Kinder, die in der Nähe von US-Stützpunkten leben, haben deshalb ein erhöhtes Risiko für angeborene Herzkrankheiten, Wirbelsäulendeformation, Krebs, Leukämie, Lippenspalten sowie fehlende beziehungsweise missgebildete und gelähmte Gliedmaßen.

    6. Der Klimawandel ist ein „Bedrohungsverstärker“, der die bereits bestehende alarmierende soziale und politische Situation weiter verschlimmert.

    In Syrien führte die schlimmste Dürre seit 500 Jahren zu Ernteausfällen, die die Landwirte in die Städte trieb und hierdurch die Arbeitslosigkeit sowie die politischen Unruhen, die im Jahr 2011 zum Aufstand beitrugen, weiter verschärfte.

    Ähnliche Klimakrisen haben Konflikte in anderen Ländern des Nahen Osten ausgelöst, von Jemen bis Libyen. Da die globalen Temperaturen weiter ansteigen, werden ökologische Katastrophen, Massenmigrationen und Kriege weiter zunehmen.

    Außerdem wird es mehr bewaffnete Zusammenstöße — einschließlich Bürgerkriege — geben, die Grenzen überwinden und ganze Regionen destabilisieren könnten. Die am stärksten gefährdeten Gebiete sind Subsahara-Afrika, der Nahe Osten sowie Süd-, Mittel- und Südostasien.

    7. Die USA sabotieren internationale Abkommen zum Schutz des Klimas und gegen Krieg.

    Die USA haben die weltweiten Bemühungen zur Bewältigung der Klimakrise durch eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen und einen beschleunigten Übergang zu erneuerbaren Energien absichtlich sowie konsequent untergraben.

    Die USA weigerten sich, dem Kyotoprotokoll von 1997 beizutreten, und der Ausstieg von Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ist das jüngste Beispiel für diese offensichtliche Missachtung von Natur, Wissenschaft und Zukunft.

    Ebenso weigern sich die USA, den Internationalen Strafgerichtshof — der Kriegsverbrechen untersucht — anzuerkennen, verstoßen mit einseitigen Invasionen und Sanktionen gegen das Völkerrecht und ziehen sich nun auch dem Atomabkommen mit Russland zurück.

    Durch die Entscheidung, ihr Militär über die Diplomatie zu stellen, senden die USA die Botschaft aus, dass „Macht vor Recht“ komme und erschweren so die Lösung der Klimakrise als auch militärischer Konflikte.

    8. Massenmigration wird sowohl vom Klimawandel als auch von Konflikten geschürt, wobei Migranten häufig militärischen Repressionen ausgesetzt sind.

    Einem Bericht der Weltbankgruppe von 2018 zufolge könnten die Auswirkungen des Klimawandels in den drei am dichtesten besiedelten Entwicklungsregionen der Welt — Subsahara-Afrika, Südasien und Lateinamerika — bis zum Jahr 2050 zur Vertreibung und internen Migration von mehr als 140 Millionen Menschen führen.

    Bereits jetzt fliehen Millionen von Menschen aus Mittelamerika, Afrika und dem Nahen Osten vor Umweltkatastrophen und Konflikten.

    An der US-Grenze werden Migranten in Käfigen eingesperrt und in Lagern festgehalten. Im Mittelmeer sind Tausende Flüchtlinge bei gefährlichen Mittelmeerpassagen ums Leben gekommen.

    Unterdessen profitieren die Waffenhändler, die die Konflikte in diesen Regionen schüren, in erheblichem Maße von Waffenverkäufen und dem Bau von Auffanglagern, um die Grenzen gegen eben diese durch die mitverantworteten Flüchtlinge zu sichern.

    9. Militarisierte staatliche Gewalt richtet sich gegen jene Gemeinschaften, die sich der von Konzernen verursachten Umweltzerstörung widersetzen.

    Gemeinden, die darum kämpfen, ihr Land und ihre Dörfer vor Ölbohrungen, Bergbauunternehmen, Viehzüchtern der Agrarindustrie und so weiter zu schützen, sind häufig staatlicher und paramilitärischer Gewalt ausgesetzt.

    Wir sehen dies heute im Amazonas, wo indigene Völker ermordet werden, weil sie versuchen, das Abholzen und Verbrennen ihrer Wälder zu stoppen. Wir sehen es in Honduras, wo Aktivisten wie Berta Caceres niedergeschossen wurden, weil sie versucht haben, ihre Flüsse zu schützen. Im Jahre 2018 gab es weltweit 164 dokumentierte Fälle von ermordeten Umweltschützern.

    In den USA trafen die indigenen Gemeinschaften, die gegen Pläne zum Bau der Keystone-Ölpipeline in South Dakota protestierten, auf eine Polizei, die gegen die unbewaffneten Demonstranten mit Tränengas, Beanbag-Geschossen und Wasserwerfern vorging — die absichtlich bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eingesetzt wurden.

    Regierungen auf der ganzen Welt weiten ihre Notstandsgesetze dahingehend aus, dass sie auch auf klimabedingte Unruhen angewendet werden können, und ermöglichen dadurch auf verdrehte Weise die Ausschaltung von Umweltaktivisten, die als „Öko-Terroristen“ bezeichnet und Einsätzen zur Aufstandsbekämpfung ausgesetzt werden.

    10. Klimawandel und Atomkrieg sind die beiden existenzielle Bedrohungen für den Planeten.

    Der verhängnisvolle Klimawandel und der Atomkrieg sind einzigartig in Bezug auf die existenzielle Bedrohung, die sie für das Überleben der menschlichen Zivilisation darstellen. Die Herstellung von Atomwaffen — und ihre Ausweitung — wurde vom weltweiten Militarismus vorangetrieben, dennoch werden Atomwaffen selten als Bedrohung für das zukünftige Leben auf diesem Planeten verstanden.

    Selbst ein sehr „begrenzter“ Atomkrieg, an dem weniger als ein halbes Prozent der weltweiten Atomwaffen beteiligt wäre, würde zu katastrophalen globalen Klimastörungen und einer weltweiten Hungersnot führen und bis zu zwei Milliarden Menschen gefährden.

    Das „Bulletin of the Atomic Scientists“ hat seine legendäre Weltuntergangsuhr auf zwei Minuten vor zwölf gestellt und damit die dringende Notwendigkeit für die Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags aufgezeigt.

    Die Umweltbewegung und die Anti-Atomwaffen-Bewegung müssen Hand in Hand arbeiten, um diese Bedrohungen in Bezug auf das Überleben auf der Erde zu verhindern.

    Um Milliarden von Pentagon-Dollar für Investitionen in maßgebliche Umweltprojekte freizusetzen und die Zerstörung der Umwelt durch Kriege zu beseitigen, muss für Bewegungen, die sich für einen lebenswerten, friedlichen Planeten einsetzen, der Punkt „Kriege beenden“ an erster Stelle ihrer To-do-Liste stehen.

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