Woche 49/2019 – Neustart in Madrid und im Tagebau?

Heiheihei, das war eine wilde Woche vom 25.11.-1.12.19 – was so passiert ist, das fasst Name für Euch im Wochenrückblick zusammen.

😍 Globaler Klimastreik #NeustartKlima am 29.11.19       

Kurz vor der Klimakonferenz in Madrid haben am Freitag, den 29.11.19, wieder viele Menschen gezeigt, dass sie mehr Klimaschutz von unserer Bundesregierung fordern und dass das Klimapaket unzureichend ist. Bereits zum vierten Mal dieses Jahr haben wir in einem breiten Bündnis bunt und laut gezeigt: Wir wollen endlich wirksamen Klimaschutz! Trotz kurzer Vorlaufzeit gab es eine starke Beteiligung: 630.000 Menschen in über 520 Städten waren in Deutschland auf den Straßen!!! Luisa Neubauer kommentierte dazu auf Twitter: „So viele hatten gesagt es sei unmöglich Ende November einen Klimamassenprotest zu organisieren. Wir haben es trotzdem gemacht. Nicht weil es leicht ist, sondern weil es notwendig ist. Denn diese Klimapolitik raubt uns unsere Zukunft.“ Weltweit gab es Demonstrationen für mehr Klimaschutz in über 2.400 Städten in 158 Ländern. Auch Wissenschaftler*innen des Forschungsschiff ‚Polarstern‘ in der Aktis und der Neumayerforschungsstadion der Antarktis zeigten sich solidarisch mit den Klimaprotesten.

Im Vorfeld des globalen Klimastreiks haben Hochschulgruppen von Fridays For Future in über 80 Hochschulen und Universitäten in über 50 Städten eine Woche lang verschiedene Aktionen und für alle Interessierten offene Veranstaltungen zur Klimabildung organisiert. Im Anschluss an den globalen Klimastreiks  haben über 4000 Aktivist*innen mit Ende Gelände Kohlebagger in der Lausitz blockiert.

😡 Bundesrat stoppt Teile des Klimapakets       

Der Bundesrat hat einige im Klimapaket der Bundesregierung vorgesehene Maßnahmen gestoppt. Dazu gehören die Pendlerpauschale, die steuerliche Förderung von Gebäudesanierungen und die Steuerermäßigung auf Bahntickets im Fernverkehr. Ein grundlegender Streitpunkt, weshalb die Maßnahmen des Klimapaket nun im Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat verhandelt werden, sind die Finanzfragen. Die Länder sehen sich durch Steuerverluste im Nachteil, während der Bund dazugewinne. Andere umstrittene Maßnahmen wie der CO2-Preis, der unter Anderem von Wissenschaftler*innen, dem deutschen Städtetag und selbst Vertreter*innen der Wirtschaft zu niedrig genannt wurde, kamen trotz der kritischen Stimmen einiger Bundesländer durch. Die strittigen Punkte des Klimapakets sollen nun noch vor Weihnachten beigelegt werden.

😳 Weltwetterorganisation warnt: Treibhausgase in der Atmosphäre so hoch wie noch nie!

Laut der Weltwetterorganisation WMO der Vereinten Nationen waren die Messwerte der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und anderen schädlichen Gasen in der Atmosphäre 2018 so hoch wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Die C02-Konzentration in der Atmosphäre ist innerhalb eines Jahres auf ein Rekordhoch von 407,8 ppm (Teilchen pro Millionen Teilchen) im Vergleich zu 405,5 ppm im Vorjahr angestiegen und auch bei Methan gab es eine Steigerung, sodass der Methangehalt in der Atmosphäre nun 295 % über dem vorindustriellen Niveau liegt. Der Generalsekretär der WMO sagte dazu: „Es ist durchaus erwähnenswert, dass die Erde eine vergleichbare Kohlendioxid-Konzentration zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren erlebt hat.“ Der Ausstoß von CO2 sei klar auf das Verbrennen fossiler Rohstoffe und die Abholzung des Regenwalds zurückzuführen, zu der Anreicherung der Methanwerte führe die Rinderzucht und außerdem ziehe der starke Gebrauch von Dünger eine Anreicherung an Stickoxiden nach sich. Deshalb muss in diesen Bereichen dringend gehandelt werden, um das zukünftige Wohlergehen der Menschen zu sichern: „Es gibt keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Trends, geschweige denn einen Rückgang der Treibhausgas-Konzentrationen, trotz aller Zusagen im Pariser Klimaabkommen“       

😱 Monitoring-Bericht der Bundesregierung zeigt: Die Folgen des Klimanwandels sind in Deutschland immer spürbarer

In Zusammenarbeit mit 30 Bundes- und Landesbehörden, sowie Universitäten und Fachverbänden hat das Bundesumweltamt einen Bericht vorgelegt, der die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Wirtschaft, Gesundheit und Wetter in Deutschland zeigt. So führe der Klimawandel zu einem Anstieg der Durchschnittstemperatur in Deutschland, einer Zunahme von extrem heißen Tagen mit Temperaturen über 30°C von drei auf zehn Tage pro Jahr, was auch zu mehr hitze-bedingten Todesfällen führe. Durch hohe Temperaturen nimmt auch der Pollenflug zu, was für Asmathiker*innen und Allergiker*innen belastend wirkt. Die Erwärmung der Oberflächentemperatur in der Nordsee führt zu häufigeren Sturmfluten und Küstenerosionen. Waldbrände und Ernteausfälle durch die Hitze, sowie ein verringerter Wasserstand an den Flüssen, der den Schiffsverkehr beeinträchtigt, führt auch zu wirtschaftlichen Einbußen.

🌞 EU-Parlament in Straßburg ruft Klimanotstand aus

Mit großer Mehrheit haben die Abgeordneten des EU-Parlaments den Klimanotstand ausgerufen. Dies ist zwar ein symbolischer Akt, soll aber Druck für baldige Gesetzgebung schaffen. Die Forderung ist, dass die EU-Staaten ihre Treibhausgasemmissionen bis im Jahr 2030 um 55% im Vergleich zu 1990 reduzieren. Weltweit haben bisher tausende Städte den Klimanotstand ausgerufen.

Ein Kommentar zu „Woche 49/2019 – Neustart in Madrid und im Tagebau?

  1. Keine Frage, die Klima-Lage ist sehr ernst – und die allzu vieler Politiker ebenfalls.

    Der Widerstand muss also unbedingt weiter gehen und tut es ja auch.

    Ganz wichtig dabei: Bewahrt unbedingt die Vernunft und versucht es mit Aufklärung, Kreativität und Humor. Den kann man nicht haben? Oh doch, IMMER! Er hat Menschen schon durch wahre Apokalypsen begleitet, verleiht Kraft und – vielleicht das Wichtigste – schafft Sympathien und Anhänger. Konzentriert Euch in diesem Sinne bitte auf die zwei Drittel der Bevölkerung, die entweder bereits überzeugt oder nahe dran sind.

    Sich mit der Gefahr juristischer Folgen auf fremden Grund zu setzen und Klöppereien mit Menschen zu riskieren, denen ‚Schnäppchen‘ alles im Leben bedeuten, bringt rein gar nichts! Für 1,8 Millionen Euro ein Stadion zu mieten und 30 Euro Eintritt pro Person zu nehmen, ist ausgesprochen undurchdacht. Bitte verzichtet auf Aktionen, die Euch eine potenzielle Bevölkerungsmehrheit kaputt machen!

    Falls nicht bekannt: Für Petitionen braucht man kein Stadion. Alles (Einreichen, Zustimmen, Berichten) geht online und kostet dann fast gar nichts. Die Medien werden es trotzdem nicht übersehen. Was soll das also? Das Stadion-Event wird nur dazu führen, dass sich Viele, die heute noch mit Euch sympathisieren, von Euch abwenden. Ein gefundenes Fressen für Eure Gegner! Das Gleiche gilt, falls auf Demos Handgreiflichkeiten passieren. Die Gegner freuen sich, aber es bringt keinerlei Vorteile.

    Dabei ist Euer und unser Erfolg so unglaublich wichtig! Schöpft doch bitte die tatsächlich wirksamen (und weniger spektakulären) Mittel aus! Berichtet wird darüber mit Sicherheit, aber es klingt dann sehr konstruktiv. Das tut den Menschen gut. Die haben von ‚Sensationen‘ genug und sind total reizüberflutet. Schon jetzt sagen Viele wider jede Vernunft: ‚Es wird zuviel über Klima geredet!‘.

    Merkt Ihr nicht, dass besonders das im Sinne Eurer Gegner ist? Die sind froh, wenn ‚Klima‘ keiner mehr hören kann! Deshalb: Besinnt Euch auf Greta’s sympathische Antwort auf eine Frage nach ‚Asperger‘:

    ‚It basically means I only say something when there is something to say!‘

    Möge auch sie selbst es schaffen, dies durchzuhalten und die Profiteure des Hypes zurückzuweisen.

    Präsenz zeigen auf der Straße ist wichtig, sehr gerne mit Abwechslung, Kreativität, Mitmachaktionen. Reagiert mit neuen Sprüchen, mit Liedern zum Mitsingen. Verzichtet auf Aktionen, bei denen die Polizei eingreifen muss, wie ich es live miterlebt habe. Und verzichtet bitte auf teure Großspektakel!

    Ergreift aber bitte auch auf allen Ebenen die Hebel der Veränderung – und macht bekannt, wer warum wichtige Entscheidungen verhindert. Beispielsweise kann man in öffentlichen Ratssitzungen sein Frage- oder sogar Antragsrecht nutzen, und Petitionen gibt es nicht nur auf Bundesebene.

    Sehr positiv nehme ich übrigens Carla Reemtsma wahr. Die tauscht sich mit Anderdenkenden vernünftig, geduldig und freundlich aus, folgt aber am Ende nur ihrem Verstand, so wie gestern in ‚Jetzt red i‘ (BR). Das ist vorbildliches Demokratieverhalten, wirkt klug und bescheiden. Keine Spur von Selbstdarstellung und Effekthascherei.

    Ganz viele von Euch können das sicher ebenfalls. Lasst diese Talente machen, aber bitte nicht diejenigen, die mit FFF ‚ganz groß rauskommen‘ und im Mittelpunkt stehen wollen!

    LG Armin

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