Ak­tu­el­le Stun­de über Fri­days for Fu­ture

An­läss­lich un­se­res ers­ten in­ter­na­tio­na­len „Fri­days for Future“-Streiks fand am Frei­tag, den 15.03.2019 im Bun­des­tag ei­ne Ak­tu­el­le Stun­de statt. Ne­le fasst für euch zu­sam­men.

Als ers­ter Red­ner be­zeich­ne­te An­ton Hof­rei­ter (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) die Pro­tes­te der Schüler*innen als un­glaub­lich po­si­ti­ves Si­gnal. Sie sei­en ein Ap­pell an die de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en im Bun­des­tag, die Sor­gen der jun­gen Ge­nera­ti­on ernst zu neh­men. Er kri­ti­sier­te, dass die Bun­des­re­gie­rung ei­ne De­bat­te über die Ein­hal­tung der Schul­pflicht an­ge­fan­gen hät­te so­wie das An­ge­la Mer­kel das En­ga­ge­ment der Schüler*innen als gu­te In­itia­ti­ve lo­be, wäh­rend bei der Bun­des­re­gie­rung selbst kei­ne gu­te In­itia­ti­ve er­kenn­bar sei. 

Bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­li­c­zek (CDU) lob­te, dass sich die jun­gen Men­schen mit wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen aus­ein­an­der­set­ze. Dies zei­ge, dass es um die Ju­gend gut be­stellt sei. De­mo­kra­tie le­be vom En­ga­ge­ment, trotz­dem gel­te aber nach wie vor die Schul­pflicht. Vie­les sei schon lan­ge auf dem Weg, sag­te sie und ver­wies da­bei auf die Exis­tenz des Kli­ma­schutz­plans 2050. Des­wei­te­ren sei die Ein­rich­tung des Kli­ma­ka­bi­netts ein Zei­chen da­für, dass es der Bun­des­re­gie­rung ernst sei. 

Dr. Götz Fröm­ming (AfD) be­zeich­ne­te die Re­gie­rung als schlech­tes Vor­bild für die Ju­gend, da sie es den Schüler*innen ge­stat­ten wür­de, ge­gen die Schul­pflicht zu ver­sto­ßen. Er warf die Fra­ge in den Raum, ob die Bun­des­re­gie­rung das Schul­schwän­zen der Schüler*innen auch noch gut­hei­ßen wür­de, wenn die­se wäh­rend ih­rer Schul­zeit PE­GI­DA-De­mons­tra­tio­nen be­su­chen wür­den. Am En­de sei­ner Re­de sprach sich Fröm­ming für die Auf­recht­erhal­tung der Schul­pflicht aus. 

Als nächs­te Red­ne­rin be­grüß­te Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) das En­ga­ge­ment der häu­fig als so un­po­li­tisch be­zeich­ne­ten jun­gen Ge­nera­ti­on. Dies sei gut für un­se­re De­mo­kra­tie. Sie be­zeich­ne­te die Schü­ler­pro­test-Be­we­gung als Weck­ruf an die Äl­te­ren und äu­ßer­te ih­re Dank­bar­keit dar­über, dass sich die jun­gen Men­schen für die­ses wich­ti­ge An­lie­gen stark ma­chen wür­den. “Wir kön­nen nicht auf Kos­ten der jun­gen Ge­nera­tio­nen le­ben”, so Schul­ze. Noch ge­be es die Mög­lich­keit, den Schal­ter um­zu­le­gen. Es pas­sie­re be­reits ei­ni­ges, je­doch müss­te vie­les deut­lich schnel­ler er­fol­gen. Sie ver­wies auf das Kli­ma­schutz­ge­setz so­wie auf die am Abend zu­vor be­schlos­se­ne Ein­rich­tung ei­nes Kli­ma­ka­bi­netts. Der Kli­ma­schutz sei ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be und die Schü­ler­pro­tes­te soll­ten durch die Po­li­tik als An­sporn an­ge­se­hen wer­den, die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen. 

Dr. Lu­kas Köh­ler (FDP) kri­ti­sier­te, dass sich der Bun­des­tag nicht mit den For­de­run­gen der jun­gen Men­schen aus­ein­an­der­set­zen wür­de, son­dern statt­des­sen vom ei­gent­li­chen The­ma ab­len­ken oder in­stru­men­ta­li­siert wür­den. Er wol­le die Schüler*innen und ihr An­lie­gen ernst neh­men. Er quit­tier­te Em­pö­rung sei­tens an­de­rer Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges für den Satz „Die Uhr schlägt 5 vor 12. Wenn ich dar­über nach­den­ke, mei­ne bes­ten Näch­te be­gan­nen um 5 vor 12“. Er be­en­de­te sei­ne Re­de da­mit, dass er da­für wä­re, die Apo­ka­lyp­se ge­mein­sam zu lö­sen an­statt sie her­bei zu re­den.

„Ich hat­te Gän­se­haut“ er­zähl­te Lo­renz Gös­ta Beu­tin (Lin­ke) als er von sei­nem Be­such der frei­tä­gi­gen „Fri­days for Future“-Demonstration in Ber­lin be­rich­te­te. Er warf die Fra­ge in den Raum, wor­an Kli­ma­schutz bis­her ge­schei­tert sei. Im­mer­hin wis­se man doch seit über 30 Jah­ren von der Exis­tenz des Kli­ma­wan­dels. Er be­ton­te, dass es an die­ser Stel­le nicht um die Schul­pflicht gin­ge, son­dern um De­mo­kra­tie und dass die Schüler*innen im Rah­men ih­res En­ga­ge­ments sehr viel ler­nen wür­den. 

Dr. Ant­je Weiss­ge­ber (CDU/CSU) be­für­wor­te­te eben­falls das En­ga­ge­ment der Schüler*innen, be­ton­te je­doch, dass die Pro­tes­te mehr Ge­wicht hät­ten, wenn sie au­ßer­halb der Schul­zeit statt­fin­den wür­den und nann­te als Bei­spiel da­für den Pro­test von Schüler*innen in ih­rer Hei­mat­stadt, wel­cher nach Schul­schluss statt­ge­fun­den ha­be.

Dr. Marc Jon­gen (AfD) kri­ti­sier­te das Ver­hal­ten der an­de­ren Bun­des­tags­mit­glie­der, ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten der Jus­tiz­mi­nis­te­rin Ka­tha­ri­na Bar­ley, die via Twit­ter die jun­gen Men­schen er­mu­tigt hat­te, ih­re Pro­tes­te fort­zu­füh­ren: „Wenn man so ei­ne Jus­tiz­mi­nis­te­rin hat, braucht man kei­ne Rechts­bre­cher mehr.“ 

Dr. Mat­thi­as Miersch (SPD) be­zeich­ne­te die Pro­tes­te als rich­tig und not­wen­dig und sprach sich da­für aus, dass man sei­tens der SPD die „Trans­for­ma­ti­on“ auf den Weg brin­gen wol­le. Er bat je­doch um Ver­ständ­nis für die Si­tua­ti­on der Be­schäf­tig­ten, bei­spiels­wei­se in der Koh­le- und Au­to­mo­bil­bran­che. „Wir kön­nen mit die­sem Pla­ne­ten nicht ver­han­deln!“, so Miersch. Man müs­se jetzt be­wei­sen, dass man Kli­ma­schutz in der Re­gie­rung ernst neh­me und re­geln wür­de. 

Be­klei­det in ei­nem grü­nen T-Shirt stell­te sich auch Li­sa Badum (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) hin­ter das Redner*innenpult und ap­pel­lier­te an ih­re Kolleg*innen, dass es hier nicht um Par­tei­po­li­tik ge­he, son­dern dar­um, ob man Ant­wor­ten fin­de und be­reit wä­re, ge­mein­sam ei­ne Po­li­tik der Zu­kunft zu ma­chen. Man könn­te von Gre­ta Thun­berg und „Fri­days for Fu­ture“ ler­nen, dass es glo­ba­le Her­aus­for­de­run­gen ge­be. Zu­dem be­zeich­ne­te sie die jun­gen Men­schen als „glo­ba­le Ge­nera­ti­on“. Po­li­tik kön­ne ge­lin­gen, wenn man den Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts auch mit Ant­wor­ten aus dem 21. Jahr­hun­dert be­geg­nen wür­de. Die Mög­lich­kei­ten hät­te man be­reits, doch der Mut feh­le. 

Wie zu­vor auch schon die Red­ner der AfD stell­te Ma­rio Mie­ruch (frak­ti­ons­los, ehe­mals Mit­glied der AfD) die Ei­gen­stän­dig­keit der Schü­ler­pro­test-Be­we­gung in Fra­ge und be­zeich­ne­te die Schü­ler wie zu­vor schon sei­ne ehe­ma­li­gen Par­tei­ge­nos­sen als von Ideo­lo­gen und Or­ga­ni­sa­tio­nen in­stru­men­ta­li­siert. Er sprach von ei­ner In­dok­tri­nie­rung der Ju­gend­li­chen und ver­wies dar­auf, dass sich ähn­li­che Er­eig­nis­se in der deut­schen Ge­schich­te fin­den wür­den. 

Dr. Ni­na Scheer (SPD) ver­trat die Auf­fas­sung, dass Deutsch­land hin­ter­her hin­ken wür­de und dass ei­ne Dis­kre­panz zwi­schen Er­kennt­nis und Han­deln lie­ge. Sie be­zeich­ne­te den Kli­ma­wan­del auch als frie­dens­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung, da er im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Kampf um Res­sour­cen und die Mensch­heit ste­he. Es folg­te ei­ne Re­de von Sy­bil­le Ben­ning (CDU), wel­che ähn­li­che An­sich­ten ver­trat, wie ih­re Frak­ti­ons­mit­glie­der zu­vor auch schon. An­schlie­ßend er­klär­te Mar­ja-Li­sa Völ­lers (SPD), dass sie stolz sei auf die jun­ge Ge­nera­ti­on, wel­che für ih­re Zu­kunft auf die Stra­ßen ge­he und pro­tes­tie­re. Sie warf ei­nen Blick in Rich­tung FDP-Frak­ti­on und frag­te „Wo ist Herr Lind­ner ei­gent­lich? Ist er mal wie­der als Pro­fi un­ter­wegs, um das Kli­ma zu ret­ten?“ 

Ins­ge­samt deu­te­te sich im Rah­men der ak­tu­el­len Stun­de, wel­che durch die Par­tei Bünd­nis 90/Die Grü­ne in­iti­iert wur­de, sehr stark ab, dass vor al­lem Die Grü­nen, die SPD und auch die Lin­ke den Wunsch der Schüler*innen nach kon­se­quen­te­rem Kli­ma­schutz ernst neh­men. CDU/CSU und FDP kri­ti­sier­ten, dass die Schüler*innen wäh­rend der Schul­zeit de­mons­trier­ten und schie­nen ins­ge­samt der Ein­hal­tung der Schul­pflicht mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men, als dem tat­säch­li­chen An­lie­gen der „Fri­days for Future“-Aktivist*innen. Die AfD-Red­ner be­zeich­ne­ten die Schüler*innen als in­stru­men­ta­li­siert und stell­ten ih­re Mo­ti­va­ti­on und ih­re Selbst­in­itia­ti­ve in Fra­ge. Man be­zog sich auf Aus­sa­gen Gre­ta Thun­bergs und the­ma­ti­sier­te zu­dem ih­re Asper­ger-Er­kran­kung.

Die gan­ze Ak­tu­el­le Stun­de lässt sich zum Bei­spiel hier bei Phoe­nix auf You­Tube an­schau­en.

5 Kommentare zu „Ak­tu­el­le Stun­de über Fri­days for Fu­ture

  1. Zu­nächst möch­te ich be­to­nen, dass ich Asper­ger nicht als Krank­heit an­se­he, son­dern als Norm­va­ri­an­te. Ich be­grü­ße die ak­tu­el­le Stun­de im Bun­des­tag, bin aber er­staunt, wie man­che Par­tei­en die Ak­tio­nen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler, Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten be­wer­ten. Die­se zum neo­li­be­ra­len Teil der Ge­sell­schaft zäh­len­den Par­tei­en ha­ben nichts ver­stan­den. Sie steu­ern un­se­ren „blau­en Pla­ne­ten“ wei­ter­hin mit Voll­gas in den Ab­grund. Nach an­nä­hernd 40 Jah­ren als Ak­ti­vist, aber auch So­lar­teur (Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en), darf ich die­se Ein­schät­zung ab­ge­ben. Beim Streik in Düs­sel­dorf hat­te ich stän­dig Trä­nen in den Au­gen, weil ich lan­ge nicht mehr so vie­le jun­ge und en­ga­gier­te Men­schen er­le­ben durf­te. Ich se­he die­se Ak­tio­nen auch als ei­nen be­deu­ten­den Bei­trag für Frie­den. Wenn Men­schen in mehr als 100 Län­dern ge­mein­sam für ei­ne le­bens­wer­te Zu­kunft strei­ten, ist das ein deut­li­ches Zei­chen, wel­ches die No­mi­nie­rung für den „Frie­dens­no­bel­preis“ mehr als recht­fer­tigt. Ich wün­sche al­len Ak­ti­vis­tin­nen und Ak­ti­vis­ten viel En­er­gie und Durch­hal­te­ver­mö­gen. Dies­mal wer­den wir am En­de ge­win­nen. Ja, wir müs­sen es so­gar! „Ima­gi­ne … I ho­pe so­me­day you will join us
    and the world will live as one.“ https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​C​X​4​a​x​8​A​s​Dhg

  2. Als Mut­ter (die auf die 50 zu­geht) und selbst strei­ken­de Ju­gend­li­che hat, bin ich ganz Ih­rer Mei­nung Herr Neu­mann. Ich selbst war auch bei ei­ner De­mo in Kon­stanz mit ca. 1500 TN und das trotz all­er­mie­ses­tem Wet­ter. Ja, ich war eben­so über­wäl­tigt von den vie­len jun­gen Men­schen, die mit Tat­kraft, Be­geis­te­rung und Durch­blick die­se De­mo zu et­was ganz Be­son­de­rem mach­ten!
    Ja, ich hof­fe sehr, das Ihr nicht auf­hört, auch wenn Ihr mit noch mehr Stei­nen auf dem Weg rech­nen müsst! Und nehmt die­se Schul­pflicht nicht so ernst, denn was Ihr bei die­sen De­mos al­les ler­nen könnt ist viel nach­hal­ti­ger und ef­fek­ti­ver als ei­ne z. B. ei­ne Ma­the­stun­de am Frei­tag­nach­mit­tag…
    Nun ist je­der ein­zel­ne Teil­neh­mer auch auf­ge­ru­fen, sei­ne Be­weg­grün­de zu hin­ter­fra­gen und selbst sei­ne Le­bens­ge­wohn­hei­ten even­tu­ell zu än­dern… das ist für uns al­le nicht im­mer ein­fach. Al­so, bit­te MACHT WEITER SO!!! Dan­ke Euch!!

  3. Und es wird schon wie­der nur ge­quatscht. Es be­steht Hand­lungs­be­darf und zwar jetzt. Al­so soll­te je­der Mensch jetzt z.B. Bie­nen­fut­ter­blu­men und Bäu­me pflan­zen oder auch nur ein­fach Müll aus der Na­tur sam­meln. Je­der kann im Na­bu oder WWf oder Plant for the plants oder Green­peace, mit­ar­bei­ten ent­we­der in­dem er spen­det oder in der Na­tur mit an­pakt. Es gibt viel zu tun… dann tut doch auch et­was. Bald ist Os­tern dann bren­nen wo­mög­lich wie­der vie­le Os­ter­feu­er. Os­ter­feu­er ge­hö­ren ver­bo­ten. Ich den­ke je­der der hin­ter der Ak­ti­on Fri­day for Fu­ture steht, ist da auch mei­ner Mei­nung. An al­le Men­schen die es wirk­lich ernst mit Kli­ma­schutz mei­nen, ver­hin­dert das Os­ter­feu­er in eu­rer Ge­mein­de. Das ist Um­welt­schutz den wir jetzt so­fort brau­chen.

  4. „Schü­ler an die Macht“
    Lie­be Schü­le­rin­nen und Schü­ler,
    Ihr seid mitt­ler­wei­le auf­ge­wacht. Ihr habt ge­merkt, dass die Kli­ma­kri­se die mit Ab­stand größ­te Be­dro­hung Eu­rer Zu­kunft ist. Ihr streikt frei­tags und ver­langt, dass et­was da­ge­gen un­ter­nom­men wird. Das ist über­fäl­lig, macht wei­ter so!
    Ihr könnt noch mehr tun:
    Macht in der Klas­se das Licht aus und erst wie­der an, wenn LED’s in­stal­liert sind.
    Ver­langt von Eu­ren Phy­sik­leh­rern ei­ne Un­ter­richts­ein­heit zum Kli­ma­wan­del, pas­send zu Eu­rem Jahr­gang. Ver­langt das­sel­be von Eu­ren Che­mie­leh­rern, von Eu­ren Bio­lo­gie­leh­rern, von Eu­ren Erd­kun­de­leh­rern, von Eu­ren Ge­schichts­leh­rern und Po­li­tik­leh­rern, von al­len Leh­rern. Man kann auch auf eng­lisch oder auf fran­zö­sisch ei­nen Auf­satz da­zu be­ar­bei­ten oder er­ar­bei­ten und in Ma­the­ma­tik z.B. En­er­gie­ver­bräu­che, Kli­ma­gas­emis­sio­nen und Op­ti­mie­run­gen be­rech­nen.
    Ver­langt, dass als nächs­ter Film nicht ir­gend­was son­dern z.B. „To­mor­row“ oder ein an­de­rer Kli­ma­film an­ge­schaut wird. Ver­langt ei­ne Un­ter­richts­ein­heit dar­über.
    Ver­langt von Eu­rer Schul­lei­tung und Stadt­ver­wal­tung, dass die Hei­zun­gen sa­niert wer­den, dass funk­tio­nie­ren­de Wär­me­reg­ler ein­ge­baut wer­den, um im Win­ter nicht mehr durchs Fens­ter die Wär­me re­geln zu müs­sen. Ver­langt, dass in je­de Schu­le ein Block­heiz­kraft­werk ein­ge­baut wird.
    Be­treibt mit Eu­rer Schul­lei­tung und der Stadt­ver­wal­tung, dass ei­ne PV-An­la­ge auf der Schu­le in­stal­liert wird.
    Geht not­falls sam­meln für die Fi­nan­zie­rung die­ser Pro­jek­te. Macht schu­li­sche Ver­an­stal­tun­gen jeg­li­cher Art um Geld zu ge­ne­rie­ren, mit dem ihr Euch an der Fi­nan­zie­rung die­ser Pro­jek­te be­tei­ligt.
    Re­det in der Fa­mi­lie über den Kli­ma­wan­del.
    Macht zu Hau­se das Licht aus und schal­tet es erst wie­der ein, wenn die Glüh­lam­pen durch LEDs er­setzt sind. De­ren warm­wei­ßes Licht ist in den letz­ten zwei Jah­ren so viel bes­ser ge­wor­den, dass nie­mand mehr sa­gen kann, das Licht sei „kal­kig“.
    Messt den Strom­ver­brauch der Tief­kühl­tru­he im Kel­ler und be­rech­net den Ge­samt­an­teil am Strom­ver­brauch der Fa­mi­lie und die dar­aus re­sul­tie­ren­den CO2-Emis­si­on. Über­legt ge­mein­sam, ob das not­wen­dig und an­ge­mes­sen ist, ob und wie das ge­än­dert wer­den kann.
    Wei­gert Euch, im nächs­ten Ur­laub an der Flug­rei­se teil­zu­neh­men. Schlagt statt­des­sen ei­ne Rad­tour oder ei­ne Fern­wan­de­rung vor. Fahrt auf Kli­ma-Camps, or­ga­ni­siert sel­ber wel­che. Fahrt so oft es ir­gend geht mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln.
    Wei­gert Euch im SUV der El­tern mit­zu­fah­ren. Er­klärt es für un­cool. Falls bei Euch in der Fa­mi­lie ein Au­to an­ge­schafft wer­den soll, nehmt Ein­fluss: stellt in Fra­ge, ob ein neu­es Au­to schon nö­tig ist (ein gro­ßer Teil der Kli­ma­gas­emis­si­on ei­nes Au­tos ent­steht bei der Pro­duk­ti­on). Wenn es un­ver­meid­lich ist: kei­ne gro­ße Ben­zin­schleu­der! Kon­sul­tiert die Au­to-Um­welt­lis­te und lest die Kri­te­ri­en, nach de­nen dort die Kli­ma­schäd­lich­keit von Au­tos und ih­rer Her­stel­ler­un­ter­neh­men be­ur­teilt wird. Dis­ku­tiert das zu Hau­se oder im Un­ter­richt und ver­langt, dass dar­aus Kon­se­quen­zen ge­zo­gen wer­den.
    Wei­gert Euch im Au­to mit­zu­fah­ren, wenn schnel­ler als 120 kmh ge­fah­ren wird. Das spart im Schnitt 9% der kli­ma­schäd­li­chen Emis­sio­nen die­ser Fahrt.
    Wei­gert Euch sie­ben Ta­ge die Wo­che Fleisch zu es­sen. Macht Euch schlau über die Kli­ma­gas­emis­si­on der Mas­sen­tier­hal­tung und der in­dus­tri­el­len Land­wirt­schaft.
    Ver­langt von Eu­ren El­tern, dass mehr re­gio­nal er­zeug­te Le­bens­mit­tel ge­kauft wer­den. Wei­gert Euch z.B. von der an­de­ren Sei­te der Welt ein­ge­flo­ge­ne Erd­bee­ren oder Wein­trau­ben im Win­ter zu es­sen. Macht euch schlau über die Kli­ma­ef­fek­te der ganz­jäh­ri­gen Be­schaf­fung von sai­so­na­len Le­bens­mit­teln.
    Wei­gert Euch, bei vol­lem Schrank noch mehr Kla­mot­ten zu kau­fen, son­dern tragt sie län­ger. Tragt Se­cond Hand. Macht Euch schlau über die Kli­ma- und sons­ti­gen Um­welt­fol­gen z.B. des Baum­wollan­baus.
    Ver­han­delt mit Eu­ren El­tern oder mit Eu­ren Ver­mie­tern, dass auf Eu­er Haus­dach ei­ne PV-An­la­ge oder ei­ne ther­mi­sche So­lar­an­la­ge (oder bei­des) kommt. Wenn das Haus in dem ihr wohnt mit Öl be­heizt wird, ver­langt ei­ne Um­stel­lung we­nigs­tens auf Gas-Brenn­wert und spä­tes­tens beim nächs­ten Schritt auf ei­ne noch we­ni­ger kli­ma­schäd­li­che Al­ter­na­ti­ve. Ver­langt, dass das war­me Was­ser für die Du­sche in der Hei­zungs­an­la­ge er­wärmt wird und nicht mit Strom. Macht Euch schlau, um Ar­gu­men­te für die­se Ver­hand­lun­gen zu ha­ben. Schreibt die Her­stel­ler an und lasst Euch er­klä­ren, war­um ih­re Pro­duk­te kli­ma-freund­li­cher sein sol­len als an­de­re und lasst Euch da­bei nicht mit bun­ten Bil­dern ein­lul­len. Seid kri­tisch!
    Falls Eu­re Fa­mi­lie dar­an denkt, ein Haus zu bau­en: Be­sprecht ob ihr 50% der Kli­ma­gas­emis­sio­nen des Hau­ses ver­mei­den könnt, in­dem ihr nicht mit Be­ton baut son­dern ein su­per mo­der­nes Holz­haus, mög­lichst für meh­re­re Fa­mi­li­en.
    Ver­langt von Eu­rer Stadt­ver­wal­tung, dass kurz­fris­tig al­le Stra­ßen­la­ter­nen auf LED um­ge­rüs­tet wer­den. Lasst Euch nicht ver­trös­ten auf die nächs­te Ge­ne­ral­über­ho­lung. Rech­net vor, dass sich das auf je­den Fall für’s Kli­ma lohnt und wahr­schein­lich auch fi­nan­zi­ell.
    Fragt Eu­re El­tern, ob sie Geld an­ge­legt ha­ben und ge­ge­be­nen­falls wo. Ver­langt, dass sie an der so­ge­nann­ten Di­ve­st­ment oder Fos­sil Free Be­we­gung teil­neh­men und al­le In­vest­ments in fos­si­le Un­ter­neh­men (oder Fonds, die dort in­ves­tiert ha­ben) ab­sto­ßen, und zwar schnell, bald sind Fos­sil­un­ter­neh­men wo­mög­lich viel we­ni­ger oder gar nichts mehr wert. Mit dem durch die Ver­käu­fe sin­ken­den Ak­ti­en­kurs nimmt man den Un­ter­neh­men das Ka­pi­tal für ihr kli­ma­schäd­li­ches Ver­hal­ten. Das Geld soll­te in kli­ma­freund­li­che Un­ter­neh­men, Wind­parks, So­lar­parks etc., zu­min­dest aber kli­ma­neu­tral re­inves­tiert wer­den.
    Ver­langt von Eu­ren Stadt­ver­wal­tun­gen, dass die von ih­nen be­trie­be­nen Koh­le­kraft­wer­ke auf kli­ma­freund­li­che­ren Be­trieb um­ge­stellt wer­den. Ver­langt von ih­nen, dass al­le In­vest­ments der Städ­te in fos­si­le Un­ter­neh­men ab­ge­sto­ßen wer­den und zwar schnell, bald sind sie nichts mehr wert.
    Un­ter­sucht, ob die Un­ter­neh­men, bei de­nen die Fa­mi­lie ih­re Ver­si­che­run­gen ein­ge­deckt hat, sich zum Di­ve­st­ment be­ken­nen. Drängt ge­ge­be­nen­falls auf ei­nen Wech­sel. Ver­si­che­run­gen, die ih­re Rück­la­gen in Fos­sil­un­ter­neh­men in­ves­tiert ha­ben, sind kei­ne ver­trau­ens­wür­di­gen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men.
    Ver­langt von Eu­ren El­tern, dass sie ei­ne Par­tei wäh­len, die wirk­lich den Kli­ma­schutz vorn­an stellt. Prüft, wel­che Par­tei nur re­det, aber nichts wirk­lich ge­gen die Kli­ma­kri­se un­ter­nimmt. Prüft wel­che Par­tei über­haupt den Kampf ge­gen die Kli­ma­kri­se zur Haupt­auf­ga­be macht. Prüft, wel­che Re­gie­rungs­par­tei kon­tra­pro­duk­tiv han­delt, z.B. den Aus­bau der Er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en de­ckelt oder durch stän­di­ge Ge­set­zes­wech­sel und über­flüs­si­ge neue Vor­schrif­ten den Aus­bau der Er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en be­hin­dert. Macht Euch im Un­ter­richt schlau, was die Par­tei­en pro­kla­miert ha­ben, was sie als Re­gie­rungs­par­tei da-von zu­stan­de ge­bracht ha­ben und wo sie – oft mit vor­ge­scho­be­nen Ar­gu­men­ten – der En­er­gie­wen­de im We­ge ste­hen.
    Fragt Eu­re El­tern wo ihr Ar­beit­ge­ber En­er­gie ver­schleu­dert oder kli­ma­schäd­lich En­er­gie ver­braucht und wie das ab­ge­stellt wer­den könn­te. Fragt sie wel­chen Ein­fluss sie neh­men kön­nen und ob sie sich für ih­ren Ar­beits­lohn ei­gent­lich zu Kom­pli­zen der Kli­ma­zer­stö­rer ma­chen las­sen.
    Deutsch­land ge­hört zu den reichs­ten Län­dern der Welt. Wenn wir das nicht be­zah­len kön­nen, wer dann? Es kann nicht sein, dass wir wie die Ver­rück­ten kon­su­mie­ren und ei­nen Le­bens­stil füh­ren, bei dem wir mehr als fünf mal so viel CO2 emit­tie­ren als uns zu­steht, und be­haup­ten, al­les an­de­re könn­ten wir uns nicht leis­ten.
    Deutsch­land kann als füh­ren­des In­dus­trie­land ei­ne Rol­le bei der En­er­gie­wen­de und dem Kli­ma­schutz ein­neh­men. Bei dem Ge­setz über Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en hat Deutsch­land vor bald 20 Jah­ren ei­ne Vor­bild­funk­ti­on ein­ge­nom­men. Über 80 Län­der der Welt ha­ben das Ge­setz an­schlie­ßend in ähn­li­cher Form be­schlos­sen. Des­halb gibt es heu­te welt­weit zu­min­dest ei­nen An­fang der En­er­gie­wen­de. Mitt­ler­wei­le hat Deutsch­land die­se Vor­bild­funk­ti­on auf­ge­ge­ben. War­um? War­um muss Chi­na uns vor­ma­chen, wie man Elek­tro­au­tos und Bus­se baut, Wind­parks er­rich­tet, Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen baut und Kli­ma­schutz be­treibt?
    Die­ser Text be­schreibt nur ei­nen klei­nen Teil des­sen, was ge­gen die fort­schrei­ten­de Kli­ma­kri­se ge­tan wer­den kann und war­um ihr ge­gen das Nichts­tun der Re­gie­ren­den strei­ken müsst. Er be­schreibt aber auch, was ihr dar­über hin­aus selbst tun und be­wir­ken könnt. Nicht al­les, was hier steht, passt für je­den von Euch. Sucht die zu Euch in­di­vi­du­ell pas­sen­de Ak­ti­vi­tät ge­gen die Kli­ma­kri­se her­aus und bleibt am Ball. Seid hart­nä­ckig! Hal­tet durch! Ihr tut es für Eu­re Zu­kunft.
    Ihr seht, der Streik und Eu­re kon­struk­ti­ven Ak­ti­vi­tä­ten kön­nen noch deut­lich aus­ge­wei­tet wer­den.
    Lasst Euch nicht ver­trös­ten. Lasst Euch nicht ein­re­den, das sei al­les zu teu­er. Die Fol­gen der Kli­ma­kri­se wer­den viel teu­rer sein als Kli­ma­schutz heu­te. Ihr wer­det die Fol­gen der Kli­ma­kri­se be­zah­len müs­sen!

  5. Die De­bat­te im Bun­des­tag zeig­te deut­lich, dass es wei­ter­hin kei­nen brei­ten grund­le­gen­den Wer­te­wan­del in den im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en gibt: Die Sor­gen der jun­gen Ge­nera­ti­on wur­den ver­sucht zu be­schwich­ti­gen mit ei­nem „mehr For­schung wie die Zu­kunfts­auf­ga­ben zu lö­sen sind, ist nö­tig und wird ge­för­dert“ und „un­se­re in der Re­gie­rung ver­abre­ten Maß­nah­men wer­den zur Ein­hal­tung der Kli­ma­zie­le füh­ren“.
    Da­bei zei­gen al­le Pro­gno­sen, dass Deutsch­land nicht im 1,5-Grad Ziel­kor­ri­dor ist. Es ist in der De­bat­te kei­ne Stra­te­gie er­kenn­bar, wie die­se Zie­le er­reicht wer­den sol­len und auch kein Ehr­geiz, die­se ernst­haft zu er­rei­chen. Und Zeit wei­ter auf For­schungs­er­geb­nis­se zu war­ten, ha­ben wir nicht. Der Po­li­tik feh­len er­kenn­bar Vor­den­ker und Vi­sio­nen, so­wie der Mut zu den not­wen­dig har­ten Ent­schei­dun­gen. Sie läßt sich statt­t­des­sen lei­ten von der Be­sitz­stands­wah­rung für Kon­zer­ne und der äl­te­ren Be­völ­ke­rungs­hälf­te. Bei­de ha­ben pro­fi­tiert vom bil­li­gen Öl und bei­de wie auch un­se­re Po­li­ti­ker wer­den die Fol­gen für al­le kom­men­den Ge­nera­tio­nen nicht tra­gen müs­sen.
    Es pas­siert da­her wei­ter nicht an­satz­wei­se ge­nug, um das 1,5 Grad Ziel ein­zu­hal­ten und die kom­men­de Apo­ka­lyp­se ge­gen En­de des Jahr­hun­derts auf­zu­hal­ten. Die Jun­ge Ge­nera­ti­on ist jetzt ge­fragt nicht nur zu pro­tes­tie­ren son­dern auch ih­re Vi­sio­nen zu ar­ti­ku­lie­re und po­li­tisch durch­zu­set­zen.
    Als Mensch, der auf ei­ne Zu­kunft hofft, nicht nur als Schü­ler, muß man strei­ken bis zum Wan­del – und ganz ehr­lich: Fak­ten las­sen sich nach­le­sen, ei­ne Spra­che auch im Al­ter noch er­ler­nen aber ei­ne ka­put­te Welt aber nicht be­woh­nen! Wei­ter so!

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