Hanau 19.02. – Schreit auf, denn Hanau ist überall

Anlässlich des zweiten Jahrestags des rassistischen Anschlags in Hanau veröffentlichen wir den Text der Hanauerin Naomi W. und rufen euch auf an den Gedenkveranstaltungen teilzunehmen.

Heute vor 2 Jahren wurden sie ermordet. Neun Hanauer und Hanauerinnen. Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Tag. Gerade erst war ich mit meinem Freund in Hanau zusammengezogen, war offiziell Hanauerin geworden. Gekommen, um zu bleiben. Mein neues Zuhause. Aber Rassismus ist überall.

Sie wurden ermordet, weil sie waren wie ich. Sie wurden ermordet, weil die Gesellschaft entschieden hat, dass sie den Stempel „Migrationshintergrund“ tragen und deshalb „anders“ sind. Das reicht in Deutschland aus, um gehasst zu werden. Um getötet zu werden.

Sie waren Hanauer und Hanauerinnen, sie waren Deutsche. Die meisten von ihnen sind in diesem Land geboren worden, sind in Deutschland aufgewachsen, so wie ich. Sie werden es gewusst haben, an diesem Abend, in den grausamen Minuten ihres Todes. Wenn man so ist wie wir, wie ich, wie sie, dann kennt man es, hat es tausendmal erlebt. Man spürt sofort, wenn er es ist. Wenn es der Rassismus ist, der dich durch die Augen eines anderen Menschen anschaut.

An diesem Abend suchte und fand ein Mann in Hanau neun Menschen, auf die er all seinen Hass projizieren konnte. Der Rassismus in ihm hat seinen Blick auf genau diese neun Menschen gelenkt. Der Rassismus in ihm hat genau diese neun Menschen getötet.

Heute vor 2 Jahren wurden sie ermordet und damals hat die Gesellschaft laut aufgeschrien. Aber diese Schreie verhallen und lassen die trauernden Familien vergessen in Stille zurück. Deshalb schreit auf. Schreit auf, wenn ihr rassistische Bemerkungen hört. Schreit auf, wenn jemand seinen Unmut auf einzelne gesellschaftliche Gruppen projiziert. Schreit auf, wenn ein Politiker einen rassistisch motivierten Mord auf die psychischen Probleme des Täters reduziert.

Schreit auf. Hanau ist überall

#SayTheirNames

Heute ist es 2 Jahre her, dass Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin in Hanau ermordet wurden.

Demo- & Aktionenhinweise:

19.02.2022

Ahrensburg | 16:30 Uhr | Gedenken | Am Rathausvorplatz Bamberg | 14:00 Uhr | 17 Uhr Gedenkkundgebung | Gabelmann Basel | 18:00 Uhr | Demo | Marktplatz Bayreuth | 14:00 Uhr | Kundgebung und Gedenkdemo | La-Spezia-PlatzBerlin Berlin | 12:00 Uhr | Gedenken und Demo | Leopoldplatz, Wedding Berlin | 16:00 Uhr | Oranienplatz, Kreuzberg Berlin | 19:30 Uhr | Zickenplatz, Kreuzberg Berlin | 15:00 Uhr | Gedenkkundgebung | Marktplatz in Berlin-Adlershof Braunschweig | 15:30 Uhr | Gedenkveranstaltung | Platz der deutschen Einheit Braunschweig | 17:30 Uhr | Kundgebung | Schlossplatz Bochum | 17:00 Uhr | Gedenkdemonstration | Hauptbahnhof | 17:00 Uhr |Gedenken | Frankenbadplatz Bonn | 15:00 Uhr |Gedenken | Münsterplatz Bonn| Darmstadt |15:00 Uhr | Gedenkkundgebung | Luisenplatz Duisburg | 16:30 Uhr | Gedenken | Dusiburg Hochfeld Düsseldorf | 14:00 Uhr | Demonstration | Oberbilker Markt Erfurt| 14:00 Uhr | Kundgebung | Angerdreieck Frankfurt | 14:00 Uhr | Kundgebung und Demo| Friedensbrücke Frankfurt | 19:00 Uhr | Kundgebung | Galluswarte Fulda | 15:00 Uhr | Kundgebung | Bahnhofsvorplatz Freiburg | 11:00 Uhr | Kundgebung | Platz der alten Synagoge Gießen | 15:00 Uhr | Kundgebung und Mahngang | Berliner Platz Graz Göttingen | 15:00 Uhr |Gedenkdemo | Auditorium Hannover | 13:00 Uhr | Kundgebung | Halim Dener Platz Halle (Saale) | 15:30 Uhr | Gedenkkundgebung | Steintor Hamburg | 13:00 Uhr | Kundgebung | Bert-Kaempfert-Platz (U/S-Barmbek) Heidelberg | 16:00 Uhr | Gedenken | Am Universitätsplatz Kassel | 16:30 Uhr | Gedenkkundgebung | Rathaus Lauf | 10:45 Uhr | Gedenken | Marktplatz Limburg | 16:00 Uhr | Gedenken | Neumarkt Marburg | 14:00 Uhr |Demo | Friedrichsplatz am Mahnmahl Memoria Magdeburg | 13:20 Uhr | Zugtreffpunkt nach Halle | Hauptbahnhof Münster | 13:00 Uhr | Gedenkdemonstration | Hauptbahnhof/Windhorststraße Nürnberg | 15:00 Uhr | Demonstration | Aufseßplatz Oberhausen | 11:00 Uhr | Kundgebung | Sterkrade/Bahnhofstraße 56 Oldenburg | 17:00 Uhr | Kundgebung und Demo | Schlossplatz Osnabrück | 14:00 Uhr | Gedenken | Theatervorplatz Recklinghausen | 15:00 Uhr | Kundgebung | Rathausplatz Rostock | 19:00 Uhr | Gedenken | Doberanerplatz Rostock | 19:00 Uhr | Gedenken | Gertrudenplatz Seligenstadt | 15:00 Uhr | Gedenken | Treffpunkt „ Zum Dialog“ / zwischen Kapellenstraße und Jahnstraße Solingen | 17:00 Uhr | Gedenken | Neumarkt Wetzlar | 19:00 Uhr | Kundgebung | Domplatz Wien | 17:30 Uhr | Demo | Yppenplatz

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3 Kommentare zu „Hanau 19.02. – Schreit auf, denn Hanau ist überall

  1. Moin. Ich wurde 4 mal Überfallen und nix ist in MV in den 90er Jahren passiert. Bis heute wird es nicht anerkannt und vertuscht. Den Menschen sind die Opfer ,meiner Erfahrung nach ,meist egal oder wie ein hässliches Spiegelbild von der ,unserer ,Gesellschaft ,welche keiner jeden morgen sehen will. Da muss sich was aendern, denn den Opfern muss geholfen werden und nicht den Tätern und ihren Erziehungsberechtigten. Die vielleicht auch noch als Opfer dargestellt werden. Wir haben alle einen freien Willen und Geist und wissen das man Menschen nicht kaputt macht. Täter sund keine Opfer, Opfer sund Opfer. Meine Meinung als Opfer von Nationalisten un Mecklenburg Vorpommern. Chris.

  2. Gerade, weil der Aufschrei kurz nach dem rassistischen Amoklauf in Hanau wieder verhallt ist, konnte das Gedenken von Leuten vereinnahmt werden, denen die Hinterbliebenen der neun Mordopfer völlig egal sind. Deshalb muss jedesmal aufgeschrien werden, wenn Rassisten ihren meist dumpfbackigen, unreflektierten, vor allem aber blinden Hass auf gesellschaftlich am Rande stehende Gruppen projizieren. Was denn sonst, denn Hass ist immer blind. Und die Leiche im Keller der Mehrheitsgesellschaft in Bezug auf Rassismus ist, wie auch Alice Hasters feststellte, folgender: Die meisten „Normalos“ wollen nicht mit ihrem Rassismus konfrontiert werden, den sie in sich tragen und der meistens in unbedachten Momenten aus ihnen hervorbricht. Offenbar kommt diese Konfrontation bei ihnen an, als wäre das R-Wort ein (mit meinen Worten ausgedrückt) nasser, sandiger Scheuerlappen, der ihnen um die Ohren gehauen wird. Sie begreifen tatsächlich nicht, dass es zwischen Rassismus im Großenund Rassismus im Kleinen einen untrennbaren Zusammenhang gibt. Und haben in der Tat so gut wie keine Übung darin, damit überhaupt umzgehen. So wenig eben, dass sie sich geradezu auf der Ansicht festbeißen, das Thema sei hochgekocht und übertrieben. Und was noch schlimmer ist: Sie folgen den Hetzern in Politik und Medien, die ständig schreien, dass unter dieses Thema sowie unter das Thema des schlimmsten Völkermords der Menschheitsgeschichte „ein Schlussstrich gezogen werden müsse“. Unter den schlimmsten Völkermord der Menschheitsgeschichte, bei dem über sechs Millionen Menschen planmäßig ermordet wurden! So wenig Rückgrat haben die hiesigen „Normalos“ bzw. Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft in bezug auf die Leiche im Keller! Kein Wunder, dass sie auch auf die menschenfeindliche Leiche im Keller, die Rassismus heißt, so gut wie kein Rückgrat haben. Was die Erinnerung an die Shoa bzw. den Holocaust betrifft, musste diese auch von den Überlebenden selber erkämpft werden. Der deutsche Staat und dessen Mehrheitsgesellschaft bzw. die deutsche Mehrheitsgesellschaft und ihr Staat kümmerte sich einen Dreck darum, sondern wollte dieses Menschheitsverbrechen am liebsten so bald wie möglich unter den Teppich gekehrt sehen und dort liegen und vergessen lassen. Aus den Augen, aus dem Sinn, sozusagen. Klar gibt es Rassismus auch in den USA, in Frankreich, in Russland, in Spanien oder sonstwo, aber nirgendwo anders als in Deutschland ist die Verantwortung größer, dagegen anzugehen und dem strukturellen Rassismus einen strukturellen Antirassismus entgegenzusetzen, wie Serpil Unvar mehr als zu Recht sagte. Mein Appell an alle, die sich nicht mit ihrem eigenen Rassismus konfrontieren lassen wollen: Seht die Konfrontation mit eurem Alltagsrassismus nicht als sandigen nassen (Moral?)Putzlappen, der euch um die Ohren gehauen wird, sondern als Waschlappen, mit dem ihr die braunen Schmutzflecken auf eurem Gesicht waschen könnt und der euch hilft, mit eurem Gewissen ins Reine zu kommen. Denn Rassismus ist und bleibt nun einmal ein Verbrechen, das tötet, und ein Verbrechen ist keine Meinung. Solidarische Grüße an die Familien der neun Opfer von Hanau sowie an alle anderen, die unter dem strukturellen Rassismus zu leiden haben. Einschließlich Chris. Silvia

  3. Gut dass der Toten von Hanau gedacht wird, schade dass der Toten und Verletzten des Breitscheidplatzes in Berlin nicht erinnert wird.

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