Alle Bäume Bleiben – Klima-Update Wochen 5&6

Auch im Jahr 2022 wird die Zerstörung von Ökosystemen für Profite weiterhin vorangetrieben. Doch, ob Künstenlandschaften weltweit, ob Sterki, Osterholz, Lobau oder Lüzerath – auch unser Widerstand geht weiter. Lest die Klima-News der letzten zwei Wochen kurzgefasst im neuesten Klima-Update. 

Sterki bleibt – NRW-Zentraldemo

Dass im Jahr 2022 immer noch Bäume gefällt werden sollen, um Platz für Autobahnen zu machen, ist in Zeiten der immer zerstörerischeren Klimakrise ein absolutes NoGo und zeigt einmal mehr das Versagen der Politik auf. Wir lassen uns das nicht bieten und stellten einen kreativen und friedlichen Protest auf die Beine: Am 11.2.2022 in Oberhausen. Der NRW Zentralstreik zog mehr als 1.600 Demonstrierende an und zeigt einmal mehr deutlich: #PeopleNotProfit! 

Proteste in 19 Ländern gegen Küstenzerstörung

Eine Pipeline – Proteste in 19 Staaten: In Spanien, Perú, Uruguay, Serbien, Deutschland, Argentinien, Nigeria, Südafrika und 11 weiteren Ländern gingen am Freitag Klimaktivist*innen gegen die Zerstörung der Umwelt durch europäische Unternehmen auf die Straße.  Es könne nicht sein, dass Unternehmen auf der anderen Seite der Welt einen Ökozid verursachten und nicht zur Rechenschaft gezogen werde, so der  argentinische Aktivist Esteban Servat. Anlass der Proteste war das Austreten von Rohöl beim Verladen von einer Pipeline auf einen Öltanker in der Pampilla-Raffinerie in Ventanilla in der Hafenprovinz Callao infolge eines von einem Vulkanausbrauch in Tonga ausgelösten Tsunamis. Knapp 2 Millionen  Liter Rohöl sollen hierbei ausgetreten sein und 24 Strände in verunreinigt haben. Die peruanische Regierung und das Unternehmen Repsol, dem die Pipeline gehören soll, wiesen sich gegenseitig die Schuld zu. Die Aktivist*innen sehen diese Katastrophe als Symbol für die Ausbeutung von Ländern des globalen Südens durch Länder des globalen Nordens. Dieser Frage müssen wir uns stellen: Ist es sinnvoll oder gerecht ist, Menschen und Natur in anderen Staaten auszubeuten oder dem Risiko der Zerstörung auszusetzen? Es ist die Verantwortung von uns als Gesellschaft, Verbraucher*innen die Forderung zu erheben, dass Unternehmen Menschenrechte und Umweltstandards einzuhalten – und von unseren Parlamenten und Regierungen zu verlangen, entsprechende Recht zu beschließen und durchzusetzen. Unabhängig von der Frage, welchen Verschuldensanteil an der Ölpest Perus nun Respol hatte oder nicht. Denn die Katastrophe macht auf zweierlei aufmerksam: Erstens, die Ausbeutung des globalen Südens durch den globalen Norden besteht. Und zweitens, den globalen Süden treffen Natur-  und Umweltkatastrophen härter als den globalen Norden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Klimakrise. In der Verantwortung, dies zu lösen, ist der globale Norden. 

Waldbesetzung in Osterholz geräumt

Am 25.01. wurde die Waldbesetzung im Wald Osterholz bei Wuppertal geräumt. 2 Jahre lang haben sich Aktivist*innen und die Bürger*innen-Initiative „Osterholz Bleibt!“ für den Erhalt des etwa 1.500 Bäume umfassenden Waldstücks eingesetzt. Ca. 5 Hektar des gesunden Mischwalds sollen gerodet werden, damit das Unternehmen Kalkwerke Oetelshofen auf dieser Fläche Lehm, Sand und anderes dort abladen kann. Mischwälder sind im Kampf gegen die Klimakrise enorm wichtig. Sie sind robuster gegen die bereits bestehenden Folgen wie Hitzewellen, weniger anfällig für Waldbrände und können sogar ganze Landschaften abkühlen. Außerdem speichern sie CO2 und sind wichtig für den Erhalt der Biodiversität. Aktivist*innen und die Bürger*inneninitiative kritisierten das Vorgehen der Polizei. Diese habe Journalist*innen behindert und mitten in der Nacht Baumhäuser zerstört, sodass die dort lebenden Aktivist*innen die Nacht in der Kälte verbringen mussten. Sie fordern Aufarbeitung und werden sich weiterhin für den Erhalt des restlichen Waldgebiets einsetzen. 

Greenwashing-Taxonomie beschlossen

Trotz lauter Kritik von vielen Verbänden und der Gesellschaft insgesamt, wurde die Taxonomie kaum wesentlich verändert beschlossen. Die Taxonomie gibt Investitionsempfehlungen für eigentlich nachhaltige Projekte. Doch mit der Verabschiedung diesen Entwurfs wird Atomenergie und Gas nun ebenfalls als nachhaltig eingestuft. Kritik hagelt es von vielen Organisationen aber auch Unternehmen.

Wiener Protestcamp geräumt – aber der Protest geht weiter

Am 01.02. wurde das Protestcamp gegen den Bau des Lobau-Tunnels und der Stadtstraße in Wien geräumt. Die Verkehrsprojekte sind stark umstritten. Im Dezember letzten Jahres wurde der Bau des Tunnels, der den Nationalpark Lobau durchqueren soll, von der Umweltministerin gestoppt, weil er beim sogenannten „Klima-Check“ durchfiel. Doch die Stadt kündigte Klagen gegen die Entscheidung an. Für den Bau der Stadtstraße sollen 380 Bäume gerodet werden. Fünf Monate besetzten Aktivist*innen eine Baustelle für den geplanten Straßenbau. Nun wurde das Protestcamp geräumt. Dabei setzte die Polizei auch Pfefferspray ein und fixierte Protestierende am Boden, 48 Menschen wurden festgenommen. Umweltorganisationen verurteilten die Härte der Räumungen. Die Aktivist*innen wollen weiterhin für den Erhalt des Naturschutzgebiets und eine nachhaltige Mobilitätspolitik und gegen den Bau der Stadtstraße kämpfen.

Londoner Think Tank: Steigende Gaspreise könnten Kohleausstieg verlangsamen – politische Maßnahmen jetzt nötig

 Eine Analyse des Londoner ThinkTanks Ember zeigt auf, dass die starke Gaspreiserhöhung seit Mitte 2021 den Kohleausstieg in Europa verlangsamt. Somit ist das „ideale“ Ziel der Ampel-Koalition, bis 2030 aus der Kohle auszusteigen gefährdet. Erneuerbare Energien haben vor allem das Gas „verdrängt“, jedoch dadurch weniger die Kohlenutzung. Der Trend der sich in den letzten Jahren aufgezeigt hat, dass Kohle insgesamt immer weniger genutzt wird ist durch die hohen Gaspreise fast gesamt gestoppt. 

Klimaklagen gegen Bundesländer erfolglos

 Das Bundesverfassungsgericht hat am 18. Februar 2022 die Verfassungsbeschwerden gegen die Klimaschutzgesetze mehrerer Bundesländer nicht zur Entscheidung angenommen. Die Beschwerdeführenden, Kinder und junge Erwachsene,  hatten gerügt, dass die Landesgesetze zum Teil gar keine oder nur unzureichende Emissionsreduktionspfade und Budgets hätten. Nach der Ansicht des Bundesverfassungsgericht seien  die angegriffenen Landesgesetze nicht  verfassungswidrig. Im Kern geht es um die verfassungsrechtliche Verpflichtung, grundrechtlich geschützte Freiheit auch über die Zeit zu sichern und verhältnismäßig zu verteilen. Ausgangspunkt der Argumentation des Bundesverfassungsgerichts ist die Tatsache, dass der Klimawandel existiert und zu dessen Verhinderung oder Abmilderung seiner Auswirkungen nur noch ein begrenztes Budget bei der Emission von Treibhausgasen zur Verfügung steht. Je mehr Treibhausgase gegenwärtig bzw. bis zu einem Zeitpunkt emittiert würden, umso stärker verringere sich das Budget- weswegen die Freiheit zukünftig in dem Maße abnähme, in welchem das Budget abnähme. Allerdings gäbe es -und hier liegt der Unterschied zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu dem Klimaschutzgesetz des Bundes- keine verfassungsrechtliches vorgegebenes Emissions-Bugdet der Länder. Die Reduktionsverpflichtung des Bundes zur Begrenzung müsse nicht zwingend auf die Länder aufgeteilt werden – auch nicht gleichmäßig. Möglich seien bundesweite sektospezifische Reduktionspfade, welche Reduktionsverpflichtungen der Länder nicht erforderlich machten – der Gesetzgeber habe hier einen Gestaltungsspielraum. Deswegen sei auch keine Freiheit gefährdet, wenn die Länder keine oder unzureichende Reduktionspfade hätten. Die Deutsche Umwelthilfe zieht hierin die Verpflichtung des Bundesgesetzgebers, konsequent zu handeln und die Länder in der Pflicht, den Bundesgesetzgeber hierin zu unterstützen, anstatt eine Klimaschutzpolitik zu blockieren.

Wissing will Klimaschummler weiterhin fördern 

Trotz Kritik verschiedener Stellen wie beispielsweise dem Verkehrsexperten Tobias Austrup von Greenpeace, will Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nicht auf die finanzielle Förderung von Hybridfahrzeugen verzichten. Stattdessen wurde die sogenannte „Innovationsprämie“ sogar noch bis Ende 2022 verlängert. Konkret bedeutet das bis zu 9.000 Euro für rein elektrische Autos und bis zu 6.750 Euro für Hybride, die per Stecker geladen werden (Plug-in). Wir fordern, dass die Brückentechnologie Hybridauto nicht mehr explizit vom Staat gefördert wird. Diese „innovative“ Technologie bietet beispielsweise Toyota bereits seit 1996 an! Die Zeit der Brückentechnologie, die der Automobilindustrie lediglich hilft, noch mehr Verbrenner zu verkaufen, ist eindeutig vorbei! 

Lüzerath bereitet sich auf den Tag X vor

Die Aktivist*innen, die für den Erhalt des Dorfs Lüzerath am Rande des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler kämpfen, bereiten sich auf das Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster vor. Dieses muss über die Klage von Eckhardt Heukamp entscheiden, der gegen die Enteignung seines über 200 Jahre alten Hofs klagte. Bis zum Gerichtsurteil darf RWE keine weiteren Rodungen oder Abrisse vornehmen. Wenn das Urteil negativ ist, kann bald darauf auch versucht werden, das Dorf zu räumen. Spätestens dann werden wir alle vor Ort gebraucht, um dagegen zu protestieren. Im Dorf finden aktuell Skillshare-Wochenenden (also das Teilen von verschiedenen Kenntnissen), viele verschiedene Workshops und regelmäßig in Kooperation mit Alle Dörfer Bleiben Dorfspaziergänge statt. Mehr Infos zum Programm, Anreise, Packliste und aktueller Lage findet ihr auf der Website des Bündnis Lützerath Lebt. 

Gute Nachricht der Woche: Italien nimmt Umweltschutz in Verfassung auf 

In Italien wird Umweltschutz bald in die Verfassung aufgenommen! Der Staat muss folglich die Umwelt, das Ökosystem sowie die biologische Vielfalt schützen. Privatwirtschaftliche Initiativen dürfen Gesundheit und Natur nicht schaden, wobei rechtliche Auswirkungen offen bleiben. Die Regierung Italiens möchte die Wirtschaft nachhaltiger machen und in erneuerbare Energien investieren. Umgesetzt wird dies mit Geld aus einem Hilfspaket der EU zur Unterstützung von besonders durch die Pandemie belasteten Länder.

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11 Kommentare zu „Alle Bäume Bleiben – Klima-Update Wochen 5&6

  1. Dass das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerden gegen die völlig unzureichenden Klimaschutzgesetze mehrerer Bundesländer nicht zur Entscheidung angenommen hat, zeigt nicht nur deutlich, sondern legt offen, wozu das Bundesverfassungsgericht da ist: nämlich als Teil der Staatsmaschine die Rolle des juristischen Teils des „geschäftsführenden Ausschusses“ (Marx) der auf Profitvermehrung programmierten Wirtschaftsmaschine mitzuspielen. Der beste Ort des wirkungsvollen Protests bleibt also nach wie vor die Straße. Wie sehr der Staat immer mehr sein wahres Gesicht zeigt, bewies auch die gewaltsame Auflösung des Protestcamps im Wald Osterholz und jenes gegen den Bau des Lobauer Tunnels. Die Repressionsmaschine schlägt immer ungehemmter zu. Kein Wunder, denn die demokratische Fassade hat, besonders hierzulande, schon längst zu bröckeln begonnen und der Lack blättert immer mehr ab. Ich hoffe trotzdem sehr, dass der Kampf um Lützerath beziehungsweise die Dörfer bei Garzweiler NICHT gewaltsam beendet wird, vielleicht trotz allem auch vor Gericht etwas von dem, was wir wollen, erreicht und die völlig sinnlose Räumung des Lützerather Camps verhindert wird, und schicke allen Aktivist:innen von Herzen alle solidarischen Grüße. (Mit wir meine ich alle, denen eine lebenswerte Zukunft für alle wirklich am Herzen liegt.)

    1. So ein Quatsch! Deutschland ist eines der demokratischten und liberalsten Länder der Welt. Zeig mir doch ein „besseres“ Land auf diesem Planeten.
      Jedes Bauprojekt verläuft hier ein demokratisch legetimiertes, Planfeststellungsverfahren mit Einsprungsverfahren für jeden Bürger, einschließlich Sondereinspruchsrechten für Umweltorganisationen.
      Völlig undemokratisch ist es hingegen, die in diesem Rahmen entstanden Beschlüsse zu unterlaufen.
      Manche werden es vor ideologischer Verblendung und Fanatismus nie oder erst dann begreifen, wenn es zu spät ist.
      Linke und rechte Extrmisten in ihrer grundsätzlichen Ablehnung unserer demokratischen Grundordnung tun sich da anscheinend auch nicht viel, jede Ideologie ist einfach nur für die Tonne! Ihr wollt angeblich die Welt retten und verliert euch doch nur in symbolträchtigen Aktionismus und selbstverliebt, aufgeplusterten Moralistengetue.

      1. Kein „grüneres“ Land habe ich noch vergessen. Wo sonst ist die Ökologiebewegung und letzlich auch FFF auf so fruchtbaren Boden gestoßen.
        Hängt wahrscheinlich mit unserer dunktlen Geschichte zusammen, Wiedergutmachung und so.
        Die Deutschen tendieren dazu alles 150% richtig machen zu wollen, bloß keine Fehler und so man könnte sich ja blamieren (vielleicht drifte ich gerade auch in Chlicheehafte ab…)

  2. Die Öko-Bewegung sollte sich mit der konservativen Bewegung verbünden. Zudem muss das Christentum erneuert werden. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

    1. Der Link wird in meinem Browser als fragwürdig eingestuft LOL, sonst hätte ich glatt mal reingeschaut.
      Ich bin zwar auch formal Christ und eher konservativ (aber nicht explizet), habs aber generell nicht so mit Religionen und auch nicht mit Ersatzreligionen.
      Die Menschen sollten einfach genügsamer sein und respektvoll miteinander umgehen, dann wäre schon viel erreicht.

  3. Zeigt hier wieder einmal ein wiedergeborener Christ beziehungsweise ein Jericho-Marschierer sein wahres, das heißt erzkonservatives Gesicht. Als ob eine Religion, die schon von Anfang an die Verneinung der Welt predigte und das Ende der Welt erwartete, noch etwas Neues hervorzubringen imstande wäre. Sehr geehrter Herr Freichrist343, bitte googeln Sie einmal Investiturstreit. Denn der Investiturstreit war unter anderem die Ursache dafür, dass es in der Alchimistenküche eines Mönchs namens Berthold Schwarz einen großen Knall gab, was wiederum zur Erfindung der Feuerwaffen führte. Worauf die Erfindung dieser neuen Waffen auch schon sehr bad zu deren immer weiter um sich greifenden Einsatz führte. Der erstmalige Einsatz dieser bis dahin ungeahnt mörderischen Distanzwaffen wurde erstmal im Jahr des HERRN 1343 dokumentiert in einem Krieg, den es in Regensburg in ebendiesem Jahr gab. Außerdem sollten Sie, sehr geehrter Herr Freichrist 343, bedenken, was das Wort konservativ wirklich bedeutet: nämlich das Bestehende bewahrend. In diesem Fall also: Die gesellschaftliche Ursache der das Überleben der Menschheit gefährdenden Klimakrise bewahrend. Bedeutet das auch: den strukturellen Rassismus bewahrend, dessen Ursache im Kolonialismus zu suchen ist? Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und die Unsichtbarmachung von nicht der zwangsheterosexuellen Norm entsprechenden Minderheiten? Und warum benennt der geehrte Herr Freichrist 343 nicht genau, welche konservative Bewegung er genau meint? Ich und wohl auch andere, die diesen letzteren Kommentar gelesen haben, wären gespannt darauf, dies bzw. Genaueres über die erwähnte konservative bBewegung zu erfahren.

    1. Schwarzpulver haben die Chinesen erfunden, das war mit bekannt und lt. Wikipedia auch als Waffe benutzt (war mir neu ist aber eben auch völlig plausibel). Inzwischen bekanntermaßen mit die größten Kapitalisten neben den USA. Übrigens waren die Chinesen während der Ming-Dynastie Anfang des 15 Jahrhunderts zur führenden Seefahrernation aufgestiegen. Hätten sie diesen expansiven Kurs beibehalten, wäre die weitere Weltgeschichte wohl um Einiges anders verlaufen.
      Es sind eben nicht immer die bösen weißen Menschen/Männer, die für das Unheil auf diesem Planenten verantwortlich sind (worauf ihre Beiträge ja wohl anspielen).
      Und immer wieder diese boshaften Unterstellungen gegen Andersdenkende (hier hat der Poster ja kaum seine Meinung kundgetan), wozu das Ganze, ihr wollt doch andererseit so tolerant sein? Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Brauchen Sie unbedingt ein Feindbild, nur um sich davon distanzieren zu können und sich selbst als Gutmensch inszenieren zu können?

      Weswegen ich überhaupt hier poste:
      Im t-online wurde von einer FFF-Veranstaltung berichtet auf der eine Künstlerin aufgrund ihrer Frisör (Dreadlocks) wieder ausgeladen wurde. Begründung „Kulturelle Aneignung“:
      https://www.t-online.de/region/hannover/news/id_91888826/dreadlocks-fridays-for-future-laedt-musikerin-von-demo-aus.html
      Finden Sie so etwas auch gut???
      Ich meine gehts noch, das ist halt der Gipfel an Arroganz, Borniertheit und Scheinheiligkeit.
      Ihr wollt Gutes tun und produziert in eurem Übereifer nur das Gegenteil (ist nicht das erste Mal in der Geschichte, müssten Sie als Geschichtsinteressierte, was ich super finde, ja eigentlich wissen). Spaltet damit letzlich die Gesellschaft und treibt die Menschen in die „rechte“ Ecke (bzw. rechtsextrem, großartig differenziert wird hier ja eh nicht, Hauptsache man diskretiert seine Mitmenschen auf übelste Weise, zwecks Machterhalt und Prestigegewinn).
      Mannomann, was solltet ihr zur Abwechselung mal für Gegenwind bekommen!
      Glaubt bzw. merkts du nicht , dass ihr selbst Teil eines Machtsystems geworden seit? Das ihr letzlich euren Einfluss nutzt, um Macht über andere Menschen auszuüben? Dass sich hier leider auch eine totalitäre Denke breitgemacht hat!
      Letzlich ist meiner Meinung alles Charaktersache (weniger die der politischen Orientierung), es sind sicher nicht alle FFF’ler so anmaßend, nur oft setzten sich die Maulhelden (zumindest kurzfristig) gegen über den vernünftigen Leuten durch.
      Letzlich werden hier auch nur amerikanische Diskussionen 1:1 auf Deutschland übertragen, (dieser ganze Poltical Corectness-Kram kam ja aus den USA), weil ja generell (nicht nur bei euch) jeder US-Hype nachgeäfft werden muss, anstatt mal zu einer eigenständigen Kultur/Denkschule wie auch immer, zu gelangen.
      Meil man sich garnicht mehr traut eigenständig zu denken (könnte man ja „Falsches“ sagen, um dann von den eignen Leuten in die Pfanne gehauen zu werden, siehe Boris Palmer).

      Ich habe dann mal gegoogelt:
      Fridays For Future:
      – 97,6 % in Deutschland geboren
      – fast alle Schüler auf Gymnasien
      – mehr als die Hälfte zählt sich selbst zur oberen Mittelschicht oder Oberschicht, weniger als 10 % zur Arbeiterschicht

      Alles klar, dachte ich. Vermutet hatte ich so ein Ergebnis aber nicht in der Deutlichkeit.
      Da hat in letzter Zeit ein wirtschaftlich saturiertes Milleu die Moral als neues Statussymbol für sich entdeckt, und erdreitstet sich nun, als Weiße über andere Weiße urteilen zu müssen. Traut ihr euch natürlich auch nur bei „Biodeutschen“ (alles andere wäre ja unkorrekt, welch geistige Sackgasse) die sich das meist auch noch gefallen lassen. Dümmer ist kein anderes Volk.

      Also nichts gegen Gebildete/Besserverdienende, und keine Pauschalurteile, habe ja selbst Abitur.
      Damals gab es natürlich auch verschieden politsche Lager:
      – die Jusos
      – die von der jungen Union
      – die unpolischen (zumindest was Parteipolitik angeht), so wie ich

      Einer hing erst mit NPD-Sympatisanten rum, und war dann plötzlich links. Er der später Lehrer wurde und eine selbsternannte Feministin sind mir ein paar mal blöd gekommen(also im Sinne von hochnäsig/meiner Person abwertend gegenüber), Seit dem, na ja… (alles halt kommt irgendwoher). Habe mich trotzdem früher eher als Links gesehen, meist SPD oder sogar Grün gewählt. Heute sehe ich mich irgendwo in der Mitte also sozial/liberal/konservativ.

      Insgesamt habe ich die Zeit der Jugend also 80er/90er Jahre unbeschwert wahrgenommen. Es gab ja auch genug politische Diskussionen, aber nicht so „abgehoben“ wie heute. Im Vergleich zu heute ein viel ausgewogener, in den ersten Sendungen des Politmagazin Frontal ,Anfang der Neunziger gab es das Duo Ulrich Kienzle/Bodo H. Hauser, die jeweils eine sozialdemokratische und eine Konservative Position vertreten haben („Noch Fragen, Kienzle?“ – „Ja, Hauser“, war einfach Kult)
      Die Diskussion über Klimawandel gab es damals ja auch schon, und ich denke auch damals schon eine weitgehende Übereinstimmung unter den Wissenschaftlern.

      Was ich bei euch „Linken“ oder „Progressiven“ beobachte und kritiisere, scheint ihr vom Grundansatz in häufig stereotypenhafen Denkmustern irgendwo aus den 70er/80er Jahren stehengeblieben zu sein. Die Welt hat sich inzwischen weitergedreht. Habt Ihrs nicht gemerkt???
      Das Zeitalter der weißen Vorherrschaft ist eh vorbei, alleine schon rein demografisch, es betreten andere Großmächte, die Bühne: China, Indien, etc. Deutschland ist halt nicht die Welt und wird tendenziel immer unwichtiger.
      Der Drops ist gelutscht, zumindest hierzulande, also wozu noch dieses ganze Echauffieren in euren Kreisen?

      Die Hälfte der Deutschen sind garnicht mehr in der Kirche. Religion wird hier schon lange überwiegend moderat gelebt und hat generell bei den Biodeutschen einen immer geringeren Stellenwert. Bei den Menschen mit Migrationshintergrund eher höher, d.h. tendenzel dürften Zugewanderte, da es kaum ein liberaleres Land gibt als Deutschland, konservativer sein, z.T. auch – nach deutschen Maßstäben – erzkonservativ sozialisiert.
      D.h. bei anhaltender Zuwanderung wird Deutschland wieder zu einem konservativeren Land werden, da die Politik nicht zuletzt dank Leuten wie euch nicht gewillt ist, für diesen Bereich so etwas wie einen vernüftigen Plan hinsichtlich zukünftiger Entwicklung zu machen.
      Könnt ihr euch bzw. euren späteren Nachwuchs schon mal drauf einstellen.

  4. Ich habe mich beim gestrigen Kommentar vertan. Nachweislich im Jahr 1334 erstmals eingesetzt wurde ein Geschütz, also eine Kanone, in einem Krieg nicht um Regensburg, sondern um die Stadt Meersburg. Alles andere stimmt, vor allem die Tatsache, daßßdamit das Zeitalter der Feuerwaffen angebrochen war.Der Kapitalismus begann tatsächlich mit der Efindung der Feuerwaffen bzw. wurde dadurch in die Welt geschossen, so abwegig das für die meisten klingen mag. Zum Thema, was es mit dieser Herrschaftsform auf sich hat und wie sie sich weiterentwickelte, kann ich zwei Bücher wirklich empfehlen: einmal ‚Weltkrise und Ignoranz‘ von Robert Kurz und einmal ‚Zivilisation und Wahrheit, Bd 2, Unmaskierte Götter und nackte Könige‘ von Abdullah Öcalan. Denn der Kapitalismus, das heißt die Marktwirtschaft, ist in Wirklichkeit nicht Wirtschaft, sondern Herrschaft, wie der Autor des letzteren Buches dies formulierte. Das warenproduzierende System der Moderne (der Kapitalismus also) ging nicht auf friedliche Weise aus dem Mittelalter hervor als eine Gesellschaft friedlichen Handels und Wandels, bürgerlichen Fleißes, wissenschaftlicher Neugierde und fortschrittlichen Erfindergeistes. Ganz im Gegenteil. Denn Handel und Warenbeziehungen über ferne Märkte gab es schon in der Antike und im als so schrecklich finster dargestellten Mittelalter, so rückständig die Welt des christlichen Mittelalters im Vergleich zu der beispielsweise des islamischen Mittelalters sowie zur vormodernen Welt des fernen Ostens auch gewesen war. Diese explosiven Wunderwaffen wollte von da an jeder kleine und große Herrscher (einer davon war der Bischof Nikolaus I. aus Konstanz) in seinen Besitz bringen. So begann ein immer eifrigeres Wettrüsten und als Folge davon wurden auch die Kriege immer brutaler und blutiger. Wer sich in der auf das Jahr 1492 folgenden und sich bis heute auf demselben Weg fortsetzenden Geschichte auskennt, kenn auch die Folgen, die der Verlauf der bürgerlichen Moderne für die Welt seither hatte. Zwischen den Jahren 1334 und 1492 waren es hauptsächlich die frommen Christen Europas, die die feuerwaffen immer erbitterter gegeneinander einsetzten und entsprechend unersättlicher danach gierten. Soviel nur vormeweg. Wer sich wirklich damit, das heißt, mit der Entstehungsgeschichte des Kapitalismus befassen möchte, kann ich, wie gesagt, ersteres der beiden obengenannten Bücher empfehlen.

  5. @ Silvia
    Konservativ zu sein bedeutet nicht, gar keine Veränderungen zuzulassen. Es bedeutet, keine unvernünftigen Veränderungen zuzulassen. Und sich an Höheren Werten zu orientieren. Wünschenswert ist eine schwarz-grüne Koalition. Genaueres erfahren Sie im Manifest (siehe dazu meinen ersten Kommentar).

  6. Jux und Trollerei liegt mir nicht, und auch den die Kommentare Moderierenden von FFF möchte ich diesen nervenaufreibenden Unsinn ersparen.

  7. Ich kann es grundsätzlich verstehen, wenn man gegen Braunkohletagebaue demonstriert, ich bin auch für den Ausstieg aus fossilen Energien. Andererseits benötigen wir gerade jetzt, da ja Russland als (fossiler) Energieimporteur boykottiert werden soll (und muss!!!) unsere heimische Kohle umso dringender als Übergangslösung. Die Tagebauten laufen bis ca. 2040, da ist nicht mehr soo lang und werden anschließend rekultiviert.
    Wenig bis kein Verständnis habe ich für die Leute, die z.B. den Ausbau von Verkehrswegen behindern, erst recht nicht, wenn es sich nur um Ausbaumaßnahmen wie 3-spurige Erweiterung oder Lückungschlüsse (A49, A66 Riederwaldtunnel – wenige 100 m Autobahn, Entlastung des innerstädischen Verkehrs) handelt.
    Das sind Projekte, die teilweise seit Jahrzehnten bestehen und sich dank Bürokratie und Querulantentum sich ewig in die Länge ziehen.
    Wir benötigen eine vernünftige Infrastruktur, Deutschland liegt mitten in Europa, niemand baut „einfach so“ oder um Umweltschützer zu ärgern neue Straßen! In absehbarer Zukunft wird der PkW-Verkehr mit elektrischem Antrieb aus nachhaltigen Enegien ablaufen. Für alle Eingriffe in die Natur sind gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen, ich hoffe auch für diesen in meiner Nachbarschaft:
    https://www.google.de/maps/@48.7515616,10.1594515,1458m/data=!3m1!1e3
    Dort wurde ein riesiges Waldstück (mehrere Fußballfelder groß) für eine PV-Großanlage plattgemacht.
    (weiß nicht, ob der Link funktioniert, es ist zwischen Aalen und Heidenheim auf Höhe von Königsbronn, zwischen der Ortschaft Ochsenburg und der A7).

    Ich bin definitv für die Energiewende aber nicht so! PV-Anlagen gehören auf schon versiegelte Flächen, sprich Hausdächer o.ä. Man sollte einen Fond o.ä. bilden, in dem z.B. Geldgeber einzahlen, aus denen dann Privatleute, welche nicht über entsprechende Mittel verfügen, ihr Hausdach für PV-Anlagen zur Verfügung stellen können. Man könnte sicher viel mehr in dieser Hinsicht machen (und muss es auch, wenn wir die Energiewende schaffen wollen) und kreative Lösungen finden. Leider ist in diesem Land vieles überbürokratisiert, so dass es oft Großbetreiber sind, wie auch bei Windparks, wo ja eigentlich auch Engagement in Form von Bürgerwindparks angedacht war, die aber eben mit der Bürokratie überfordert sind.

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