Neue Grenzen, altes Zögern – Klima-Update Wochen 16-18

Die einen erleben Hitzeschocks und Bodentrockenheit oder stoßen als Forschende auf neue planetare Grenzen, während andere den Kohleausstieg herauszögern und Pipelinepläne tarnen – was in Deutschland gerade von Entscheidenden verhindert wird, schockiert vor allem angesichts der Zustände in anderen Regionen der Welt. Wo es im Großen fehlt, fangen viele im Kleinen an: Wie jetzt bekannt wurde, packen Bürger*innen die verpasste Verkehrswende in Deutschland wegen der hohen Spritpreise selbst an. Was genau passiert ist, haben Sophia, Juli, Lara und Hannah für euch zusammengefasst.

Public Climate School startet – Vier Tage voll Klimabildung (16.05 – 20.05.2022)

Unsere Studierenden-AG organisiert vom 16.05. – 20.05. die sechste Public Climate School. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Expert*innen, Schüler*innen und Lehrer*innen wird ein umfangreiches Programm rund um die Klimakrise und Wege, eine lebenswerte Zukunft zu gestalten gestaltet. Zu der Public Climate School gehört ein Schulprogramm, an dem Klassen und Lehrpersonen teilnehmen können, mit Unterrichtsstunden über einen Live-Stream und verschiedenen Workshop-Angeboten. Im Uni-Programm geht es die neuesten Forschungsergebnisse und verschiedene interaktive Vorlesungen von Internationaler Klimapolitik über Energiepolitik in Zeiten des Ukraine-Kriegs zum Zusammenhang von Klima-Aktivismus und Klassismus beleuchten die vielfältigen Aspekte der Klimakrise. Im Klima-TV werden schließlich die wichtigsten Klima-News thematisiert und Utopien vorgestellt, wie sich unsere Gesellschaft entwickeln könnte. Klingt interessant? – Dann schau doch einfach mal hier beim Programm vorbei.

Jeder zehnte Mensch auf der Welt erlebt gerade Temperaturen über 45 Grad – im Schatten

In Pakistan und in Indien wütet zurzeit eine Hitzewelle, die für Nahrungsknappheit sorgt. Seit 2010 starben mehrere Tausende Menschen in Indien an Extremhitze. Die diesjährige Hitzewelle ist besonders früh und besonders heftig eingetreten – und die Ursache ist eindeutig: die Klimakrise und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten, da die MAPA (Most Affected People and Areas) am meisten unter den Folgen der Klimakrise leiden, obwohl sie am wenigsten dafür können. Koloniale Strukturen und Emissionen, speziell in Indien, sorgen mit dafür, dass solche Extremwetterereignisse nicht nur besonders stark ausgeprägt sind, sondern die Menschen an den Orten auch besonders stark treffen.

Kennen wir unsere Grenzen? Ab jetzt wird das Süßwasser knapp

Internationale Forschende haben eine schockierende Entdeckung gemacht, als sie zum ersten Mal „grünes Wasser“, also das für Pflanzen verfügbare Wasser, einbezogen, als sie die planetare Süßwassergrenze ermittelten.Was mit der Süßwassergrenze gemeint ist, hat mit einem Konzept zu tun, das 2009 entwickelt wurde: Mit sogenannten planetaren Grenzen wird seitdem der Handlungsraum beschrieben, den die Menschheit hat – und eine der Grenzen ist Wasser.Als die Forscher*innen nun das grüne Wasser berücksichtigten, wurde klar, dass zum Beispiel die Bodenfeuchtigkeit für das Überleben des Amazonas-Regenwalds, der borealen Wälder und letztendlich auch unserer Äcker in Deutschland unverzichtbar ist. Für die lebensbedrohende Entwicklung macht Johan Rockström, Mitautor der entscheidenden Studie, ohne Zweifel unsere Lebens-und Wirtschaftsweise verantwortlich. Die Berechnungen zeigen also, dass der Planet Grenzen hat, derer wir uns erst in dem Moment bewusst werden, in dem sie bereits überschritten sind. 

Anteil von Bundesgebäuden mit Solaranlagen auf dem Dach noch sehr gering

Laut einer Antwort des Bauministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag haben nur 4% der Gebäude im Bundesbesitz Solaranlagen auf den Dächern. Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass alle verfügbaren Dachflächen für Photovoltaik genutzt werden sollen – geht aber selbst noch nicht mit gutem Beispiel voran.  Es besteht deutliches Ausbau-Potential.

UN Bericht zu Wüstenbildung – knapp die Hälfte der Böden ist beschädigt 

Bis heute sind 70% der weltweiten Böden von Menschen verändert worden. 40 % der Böden sind beschädigt und nicht mehr so fruchtbar wie ursprünglich. Das hat Auswirkungen für die Hälfte der Menschheit. Die Ursache ist klar erkennbar: die kapitalistische Landwirtschaft und die Klimakrise. UNCCD (UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung) -Chef Ibrahim Thiaw sagt dazu:  „Wir müssen dringend unsere globalen Lebensmittelsysteme überdenken, die für 80 % der Entwaldung und 70 % des Süßwasserverbrauchs verantwortlich sind und die größte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt auf dem Land darstellen.In diesem Fall würden weitere 12 % der Böden weltweit bis 2050 geschädigt, eine Fläche so groß wie Südamerika. Außerdem würden bis dann weitere 253 Milliarden Tonnen CO2 emittiert durch einen Verlust an Kohlenstoff in den Böden, die Rodung von Wäldern und die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Das entspricht den aktuellen Emissionen in fünfeinhalb Jahren. Der Bericht kommt daher zu dem Schluss: „Ein Weiter-so ist kein gangbarer Weg für unser weiteres Überleben und unseren Wohlstand“.

Earth Overshoot Day ’22 – ab jetzt lebt Deutschland auf Kosten anderer Länder und zukünftiger Generationen 

Deutschland hat seinen Earth Overshoot Day am 4. Mai erreicht. Wir haben innerhalb von vier Monate alle Ressourcen aufgebraucht, die uns für ein Jahr zur Verfügung stehen. Diese Ressourcen können nicht wieder reproduziert werden. Wir mehr Bäume gefällt, als welche nachwachsen können, und mehr CO2 ausgestoßen, als Ozeane und Wälder aufnehmen können. Ab jetzt lebt Deutschland für dieses Jahr also auf die Kosten von anderen Ländern und auf Kosten von zukünftigen Generationen. Der globale Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) wird voraussichtlich im Hochsommer anfallen. Letztes Jahr war er am 29. Juli 2021.

UN Warnung: Menschheit unterschätzt die Folgen der Klimakrise 

„Die Menschheit befindet sich auf einer Spirale der Selbstzerstörung.“ Das Zitat stammt von Amina J. Mohammed, Vizechefin der Vereinten Nationen (UN). Es bedeutet, dass Naturkatastrophen häufiger vorkommen, zum Ende des Jahrzehnts werden bis zu zwei Naturkatastrophen pro Tag auftreten –  in etwa 560 pro Jahr. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 400. In den letzten fünf Jahren sind mehr Naturkatastrophen zu verzeichnen als dem halben Jahrzehnt davor. Die Flutkatastrophe von 2021 war neunmal wahrscheinlicher durch den Klimawandel. Die Erde ist bereits um 1 Grad aufgeheizter als im  Vergleich vor der Industrialisierung des Globalen Nordens.

„Klima“Stiftung?! Schwerin geht auf die Straße

Nach etwas, gegen das wir mit Fridays for Future auf die Straße gehen sollten, klingt eine „Klimastiftung“ nicht. Was vor ca. einem Jahr in Schleswig-Holstein als solche gegründet wurde, ist aber vielmehr eine Fake-Stiftung, ein gescheiterter Versuch, Nord Stream 2 unter einem grünen Deckmantel fertigzustellen. Dass sich dahinter nicht nur ein Stück Klimakrise, aktiv vorangetrieben von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihrer Landesregierung, sondern auch ein Schritt in die Abhängigkeit von Russland versteckt, haben Aktivisti Ende April in der Landeshauptstadt Schwerin klar gemacht.

Wir brauchen anderen Klimajournalismus: neue Charta ermöglicht neue Perspektiven 

Eine neue Charta des Netzwerk Klimajournalismus verdeutlicht, wie unumgänglich es ist, dass sich die Berichterstattung zur Klimakrise verändert. Obwohl das Klima essentielle und bedrohte Grundlage des alltäglichen Lebens ist und es eine Vielzahl an Nachrichten gibt, wird ihnen medial oft nur die Priorität eines Randthemas eingeräumt – dabei sei das Klima „kein Thema, sondern – analog zu Demokratie und Menschenrechten – eine Dimension jedes Themas“. Insbesondere Redaktionen und Chefredaktionen sollen durch die Veröffentlichung dazu angeregt werden, sich fortzubilden und infolgedessen anders über das Klima zu berichten.

Ukraine-Krieg: Deutschland setzt sich bei G7 nicht mehr für vorzeitigen Kohle-Ausstieg ein

Bundeskanzler Scholz hatte versprochen, dass er Deutschlands G7-Vorsitz dazu nutzen wollte, sich für einen schnelleren internationalen Kohleausstieg einzusetzen. Durch den Krieg in der Ukraine verschieben sich nun die Prioritäten. Daten der internationalen Energie-Agentur zufolge könnte die Kohle-Förderung dieses Jahr im Vergleich zu 2021 um 9% steigen. Die Gründe dafür sind zum einen, dass verpasst wurde, die wirtschaftliche Erholung von den Folgen der Corona-Pandemie sozial- und ökologisch nachhaltig zu gestalten. Zum anderen verbrennen viele Länder, um möglichst schnell von russischen Energie-Lieferungen unabhängig zu werden, wieder mehr Kohle. Doch Kriege und Klimakrise machen es notwendig, sich endlich unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen und auf erneuerbare Energien zu setzen.

Gute Nachricht der Woche – Mehr Menschen in Deutschland steigen aufs Fahrrad um

Laut einer Umfrage des ADAC steigt fast jeder zweite autofahrende Mensch aktuell öfter mal aufs Fahrrad um. Grund dafür sind die hohen Spritpreise. Das Ergebnis der Umfrage, für die der ADAC rund 1000 Menschen befragte, zeigt aber auch: Alternative, klimafreundlichere Formen von Mobilität sind möglich und können durch Rahmenbedingungen befördert werden.

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